23:05 20 Oktober 2020
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    Noch immer fehlt der CDU in Mecklenburg-Vorpommern ein Landesvorsitzender. Überraschend hat nun Justizministerin Kathy Hoffmeister ihre Kandidatur zurückgezogen. Damit hat ihr einziger Mitbewerber, der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, beste Chancen. Umfragen sehen seine Partei in dem Bundesland derzeit vor der regierenden SPD.

    Bereits im März war der CDU-Landesvorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Vincent Kokert, aus persönlichen Gründen von allen Ämtern zurückgetreten. Seitdem müht sich die Partei in dem Bundesland um eine Führung. Als mögliche Nachfolger bewarben sich bisher die Landesjustizministerin Kathy Hoffmeister und der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor. Am Dienstagmorgen gab die gelernte Juristin nun überraschend ihren Verzicht auf ihre Kandidatur bekannt.

    Rückenwind im Wahlkreis…

    Als Begründung erklärte die 47-Jährige, dass es jetzt nicht die richtige Zeit sei, die Partei zu lähmen, sondern mit Blick auf die Landtags- und Bundestagswahl im Jahr 2021 nach vorne zu schauen. Zusammenhalt sei wichtiger als eine Kampfkandidatur, so Hoffmeister. Damit ist der 27-jährige Amthor der einzig verbliebene Anwärter für den Landesvorsitz. Bei der Bundestagswahl 2017 setzte sich der CDU-Politiker gegen den Hauptkonkurrenten der AfD im Wahlkreis „Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II“ durch und gewann das Direktmandat. Der studierte Jurist will nun im Herbst 2021 erstmals für den Landtag kandidieren.

    Reise Formsache?

    Eigentlich sollte die Entscheidung über den Parteivorsitz der CDU in Mecklenburg-Vorpommern am 19. August bei einem Landesparteitag fallen, doch dieser wurde wegen der Corona-Krise bereits verschoben. Dennoch dürfte Amthors Wahl auch bei einem späteren Termin nur eine Formsache bleiben, der junge Bundespolitiker ist innerhalb seiner Partei in weiten Teilen beliebt.

    Konkurrenz für Schwesig?

    Sollte Amthor den CDU-Parteivorsitz erhalten, dürfte er zu einer ernsten Gefahr für SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig werden. Derzeit wird das Bundesland von einer rot-schwarzen Koalition regiert, doch der politische Wind hat sich laut aktuellen Umfragen gedreht: In einer repräsentativen Erhebung von Infratest dimap für den NDR kommen die Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern auf 29 Prozent der Wählerstimmen. Das sind etwa zehn Punkte mehr als bei der Landtagswahl 2016. Die Sozialdemokraten erhielten 24 Prozent Zustimmung, ein Minus von mehr als sechs Prozentpunkten im Vergleich zur Wahl.

    Hilfe von Linke und Grünen?

    Jedoch wäre nach den neuesten Zahlen auch eine rot-rot-grüne Koalition nach den Landtagswahlen 2021 denkbar: Die Linke erreicht in der aktuellen Erhebung etwa 13 Prozent – ähnlich wie 2016. Die Grünen kämen in dem Bundesland demnach auf rund zehn Prozent und könnten damit in den Schweriner Landtag zurückkehren. Hinzu kommt, dass Manuela Schweig hohe persönliche Zustimmungswerte hat: 70 Prozent der Wähler sind laut der Umfrage zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihr.

    Das große Ziel: Berlin

    Das würde gegen Amthor als Ministerpräsident in dem Bundesland sprechen. Doch bis zur Landtagswahl im Herbst 2021 könnten sich auch die Umfragewerte ein weiteres Mal drehen. Auch bleibt zu beobachten, wie sich die Zustimmungswerte der dortigen AfD entwickeln, die laut Umfrage derzeit sechs Prozent verlöre und bei 15 Prozent käme, so der aktuelle Stand. Klar ist so oder so: Amthor wird es langfristig nicht in der Landespolitik halten. Sein Parteivorsitz wird im politischen Berlin als weiteres Sprungbrett für höhere Ämter in der Bundespartei gewertet. Doch dafür fehlt dem gebürtigen Uckermünder derzeit noch die Erfahrung. Eine Tatsache, die Amthor schon bald ändern will.

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    Tags:
    Wahl, SPD, Manuela Schwesig, Philipp Amthor, Mecklenburg-Vorpommern, CDU