23:55 27 Oktober 2020
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    Griechenland und Italien haben ein historisches Abkommen unterzeichnet, welches die ausschließlichen Wirtschaftszonen der beiden Länder im Ionischen Meer regelt. Sputnik hat sich darüber mit dem Journalisten und Griechenland-Experten Francesco De Palo unterhalten und wollte wissen, wie sich das auf die Zukunft der Region auswirken wird.

    Der griechische Außenminister Nikos Dendias und sein italienischer Amtskollege Luigi Di Maio haben am Dienstag ein Abkommen zur Festlegung der ausschließlichen Wirtschaftszonen der beiden Länder unterzeichnet. Vor diesem Hintergrund gibt es einige Fragen. Wie wichtig ist dieses Abkommen aus strategischer Sicht? Inwiefern wird es die Beziehungen zwischen Griechenland und Italien beeinflussen? Wird das in irgendeiner Weise Einfluss auf die Migration haben? Und handelt es sich vielleicht dabei um einen Schritt gegen die Türkei?

    Zunächst einmal ziele das Abkommen darauf ab, Italien als Akteur in der Energiefrage zu etablieren, sagte De Palo. So habe das Land bereits eine aktive Position beim Bau der Eastmed-Pipeline im Mittelmeer (ein Großprojekt der Länder Griechenland, Israel und Zypern – Anm. d. Red.) eingenommen, doch dies nicht an vorderster Front. Den Kern der Akteure würden Griechenland, Zypern, Israel und Ägypten bilden – und sie würden tatsächlich nicht im Interesse der Türkei handeln, so der Experte. Dieses Abkommen sei von vornherein angestrebt worden, damit Italien nicht leer ausgehe.

    „Ich möchte daran erinnern, dass es an der Grenze zwischen Salento und der griechischen Küste ein Vorkommen im Ionischen Meer gibt, auf das Griechenland bis zum gestrigen Tag (vor dem Abkommen – Anm. d. Red.) Anspruch erhoben hat. Doch bei einem Blick auf die Karte wird jeder feststellen können, dass das Vorkommen genau zwischen den beiden Ländern liegt. Deshalb war eine Vereinbarung über eine gemeinsame Nutzung nötig“, erklärte der Experte.    

    Mit Blick auf die Spannungen in der Region versicherte er, dass Italien keine Allianz mit jemandem oder gegen jemanden anstrebe. Seiner Ansicht nach gibt es jedoch für Rom Aufholbedarf.

    „Hinsichtlich seiner Energiepolitik ist Italien leider nicht besonders weitsichtig. Darin hat Griechenland seinem Nachbarn einiges voraus, da es schon seit zwei Jahren blendend Kontakte knüpft, Verhandlungen führt und politische Allianzen schmiedet.“

    Perspektiven für die Region

    Auf die Frage, welche Perspektiven sich für beide Länder eröffnen würden, machte De Palo klar, dass die Unterzeichnung eines Abkommens leichter sei als dessen anschließende Umsetzung. Hierfür sieht er zwei Richtungen.

    „Für Griechenland ist das eine Bekräftigung seines Bündnisses mit Italien, das ist ein natürlicher Stand der Dinge. Und es wäre seltsam gewesen, dieses Bündnis auch jetzt nicht fortzusetzen (…) Für Italien birgt die Vereinbarung viele Möglichkeiten, sollte es dem Land gelingen, daraus maximalen Nutzen zu ziehen.“

    Laut dem Experten legt das Abkommen zugleich offen, dass die EU keine einheitliche Position in der libyschen Frage sowie im Bereich der Energieressourcen hat. Wieder einmal würde die EU einem Schlüsselprinzip nicht folgen: Heute würde jeder von einer Bankenunion reden, doch es bedürfe einer einheitlichen Politik, bevor man zu den Schulden übergehen könnte.

    Wenig Chancen sieht De Palo auch für die Lösung von Migrationsproblemen. Eine einzige bilaterale Vereinbarung könne eine solch dramatische Situation, wie es beispielweise mit der Migration am Horn von Afrika der Fall sei, nicht lösen. Auch die Flüchtlingsströme aus der Türkei, die Anfang dieses Jahres die griechische Grenze regelrecht belagerten, geben dem Experten Grund zu Pessimismus. 

    So habe die Türkei ihre Grenzen geöffnet und sogar versucht, sich 6,5 Hektar griechischen Territoriums einzuverleiben, nachdem kein Kompromiss mit Athen zustande gekommen sei. Griechenland für seinen Teil wolle dort nun eine Mauer errichten, um vor Zwischenfällen dieser Art künftig besser geschützt zu sein. Auch bei der Migration könne die EU keine Strategie vorlegen. Dies seien keine guten Aussichten. 

    mka/gs/sna

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    Tags:
    Wirtschaftszone, Abkommen, Griechenland, Italien