15:34 07 Juli 2020
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    Vom Gründungstag an war die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland der stärkste Armeeverband in Europa. Das Kontingent zählte mehrere Panzerarmeen, Spezialeinheiten und Nachschubtruppen. Auch eine Luftarmee gehörte dazu. Am 10. Juni 1945 blieb diese Kraft für lange in Deutschland.

    Panzer, Flugzeuge, Geschütze zu tausenden. Dazu 1,5 Millionen Soldaten und Offiziere, ausgebildet auf höchstem Niveau. In ihren besten Zeiten war die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland die stärkste Kraft auf dem west- und mitteleuropäischen Boden, sagt der Historiker Nikita Buranow von der Russischen militärhistorischen Gesellschaft.

    „Die Lage kurz nach dem Krieg machte es [für die Sowjetunion] objektiv erforderlich, ein schlagkräftiges Truppenkontingent im Westen zu unterhalten. Zu dessen Aufgaben zählte vorrangig eine starke Verteidigung, aber erforderlichenfalls auch Offensiven. Selbst die Nato-Offiziere räumten ein, dass die Gruppe innerhalb von vier Tagen bis zum Ärmelkanal hätte vorstoßen können. Die Panzerarmeen hätten entweder durch konzentrische Attacken die gegnerische Abwehr durchbrechen oder den vorrückenden Gegner im Verzögerungsgefecht aufhalten können, bis die restliche Sowjetarmee mobilisiert worden wäre“, erklärt der Historiker die Einsatzdoktrin der Roten Armee in Deutschland.

    Als die Armeegruppe am 10. Juni 1945 gegründet wird, heißt sie zunächst Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland. Dieser Großverband setzt sich zusammen aus den Kräften der 1. und 2. Weißrussischen sowie der 1. Ukrainischen Front. Das Kommando war zunächst in Potsdam niedergelassen worden und wurde später nach Berlin Wünsdorf verlegt. Der erste Oberkommandeur der Truppe und gleichzeitig der Oberbefehlshaber der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland war Marschall Georgi Schukow.

    Das Kontingent war übrigens nur ein Teil der sowjetischen Truppe, die unmittelbar nach Kriegsende in Deutschland stationiert war. Vorher hatten 50 Divisionen, dutzende Regimenter, Bataillone und Versorgungseinheiten das Land verlassen. „Die Truppenstärke der Gruppe betrug [nach dem Abzug immer noch] 2,9 Millionen Mann im Jahr 1949“, sagt der Historiker Buranow.

    „In den ersten Nachkriegsjahren wurden Soldaten der Gruppe zum Schutz der Grenze der Sowjetischen Besatzungszone eingesetzt. Acht Jahre nach der Gründung der DDR übernahmen ostdeutsche Grenztruppen den Grenzschutz, die Sowjetarmee blieb jedoch befugt, die Durchfahrt der amerikanischen, britischen und französischen Streitkräfte nach West-Berlin zu kontrollieren“, erklärt Buranow.

    Einzelne Einheiten der sowjetischen Streitkräfte wurden anfangs auf Stützpunkten der Wehrmacht stationiert. Es entstand ein Staat im Staate: mit eigenen Unterkünften, Klubs, Kindergärten, Schulen – sogar ein Theater habe es gegeben, sagt der Historiker. Alles in allem unterhielt die Rote Armee in Deutschland rund 21.000 Gebäude in 777 sog. Garnisonstädtchen.

    „1954 wurde die Gruppe der Sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland unbenannt in die Gruppe Sowjetischer Streitkräfte in Deutschland. Im Juni 1989 folgte eine weitere Umbenennung in Westliche Streitkräftegruppe“, erinnert der Historiker.

    Nach dem Zerfall der Sowjetunion ging das Kontingent in den Zuständigkeitsbereich der Russischen Föderation über. Russland übernahm daraufhin die Verpflichtung zum Abzug der Truppen aus Deutschland, der am 31. August 1994 abgeschlossen wurde: 338.000 Mann und 115.000 Technikeinheiten hatten das Land verlassen.

    Die Streitkräftegruppe sicherte über lange Zeit die internationale Stabilität. „Die Gruppe war ein Ausgleich für die Militärmacht der Nato in Europa. Das ist keine Übertreibung“, sagt der Experte. „Sowjetische Panzer versperrten amerikanischen Truppen in mehreren Berlin-Krisen den Weg. Sie waren 1968 an der Operation ‚Donau‘ beteiligt, als die sowjetischen Streitkräfte in die Tschechoslowakei entsandt wurden.“

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    Tags:
    Sowjetunion, Rote Armee, Ostdeutschland, DDR