16:31 14 August 2020
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    Als einen üblen Werbetrick bezeichnete der Militärexperte Wiktor Litowkin den von Trump angekündigten Abzug von 9.500 amerikanischen Soldaten aus Deutschland. Die Amerikaner planen gar nicht, sich zurückzuziehen. Gehalten hat der US-Präsident seine Versprechen nie. Wie man so sagt, versprochen ist ja nicht geheiratet.

    Es sei nicht das erste Mal, dass Trump einen Truppenabzug in Aussicht stelle, sagte Litowkin im Sputnik-Gespräch. „Bald ging es um den Irak, bald um Afghanistan. Es sind leere Worte geblieben. Und falls er sie doch abziehen würde, kämen diese Truppen nach Polen, Griechenland oder ins Baltikum, also bleiben sie praktisch in Europa. Man vergisst ja nicht, dass aus den USA zur Truppenübung etwa 10.000 Militärs nach Deutschland gekommen sind. Also dürfte es sich bei den 9.500 lediglich um eine Ablösung der Einheiten handeln, die sich auf deutschem Boden befinden. Dass Trump sie durch die Soldaten ersetzt, die zur Truppenübung eingetroffen sind, wird er verschweigen, weil dies für seine Wahlkampagne nicht förderlich wäre.“

    Amerikanische Präsenz in Europa gleicht einem der EU angelegten Halsband

    Wolle er die Truppen aus Deutschland doch abziehen, solle er auch die dort gelagerten frei fallenden Fliegerbomben В61 mitnehmen, so der Experte. „Nach Angaben verschiedener Quellen befinden sich in den dortigen Arsenalen 20 bis 30 davon. Trump wird sie bestimmt nicht abholen! Die amerikanische Präsenz in Europa gleicht einem der EU angelegten Halsband, weil die EU-Mitgliedsstaaten zugleich Nato-Mitglieder sind, mit wenigen Ausnahmen. So gehört die Türkei zur Nato, aber nicht zur EU, Finnland ist ein EU-, aber kein Nato-Mitgliedsstaat. Tritt aber ein Land der Nato bei, unterschreibt es den Vertrag, in dem steht, dass es dadurch einen Teil seiner Souveränität einbüßt, weil sich eben die Nato die einen oder anderen Entscheidungen vorbehält.“

    Dabei habe es Europa satt, so Litowkin, „dass die USA allen ihren Willen aufzwingen. Die Europäer haben sogar die Gründung ihrer eigenen Streitkräfte erwogen, um die amerikanische Präsenz loszuwerden. Doch die Vereinigten Staaten brauchen diese Präsenz, da sie auf diese Weise Europa lenken, das mit ihnen in Konkurrenz liegt. Um diesen Rivalen in seine Schranken zu verweisen, wirken sie eben in seinem Inneren. Es gibt heutzutage keinen einzigen selbständigen Staat in Europa. Und auch keine selbständige Führungsperson, weil diese von den Amerikanern bereits von Anfang an weggefiltert werden.“

    Folglich sollten sich die Deutschen darauf nicht freuen, dass die Amerikaner gehen, fügt der Experte hinzu. „Und erst recht nicht darauf, dass sie ihre Kernwaffen hinterlassen. Diese Frage wurde schon mehrmals ins Gespräch gebracht, aber die Amerikaner haben über die Nato den Beschluss durchgesetzt, Kernwaffen könnten aus einem beliebigen Land nur dann abgezogen werden, wenn alle Nato-Mitgliedsstaaten dafür votiert haben. Es versteht sich, dass Estland und Litauen das nicht tun würden.“

    Polen würde eher sagen, gebt die Waffen bloß her, vermutet Litowkin. Und würde folglich zum Ziel für russische Raketen. „Es brennt einfach darauf, so ein Ziel zu werden. Nicht zufällig hat der Präsident Duda, soweit ich mich erinnern kann, Trump zwei Milliarden Dollar zugesichert, bloß damit der US-Präsident eine Panzerdivision im Lande stationiert.“

    Beide hätten nichts dagegen, das polnische Territorium mit amerikanischen Truppen und Militärinfrastruktur auszufüllen und Russlands Anrainerstaat entweder ins Aufmarschgebiet für Aggression oder in eine Zielscheibe für einen Gegenschlag zu verwandeln, betont der Experte.

    „Offenbar würde ein bewaffneter Konflikt, der an der polnisch-russischen Grenze entflammen kann, nichts als beiderseitige Verluste und Materialschaden nach sich ziehen, ohne dass die Vereinigten Staaten davon betroffen würden. Eben deshalb wird gegenwärtig die Modernisierung des Stützpunkts in Powidz bei Poznań forciert, wobei das Pentagon in den Bau großer Depots für schwere US-Waffen und Kriegstechnik verstärkt investiert.“

    Gerade als Reaktion auf die Stationierung des amerikanischen Raketenschilds „Aegis Ashore“ in Polen verlagerte Moskau nach Kaliningrad eine Brigade mit Raketensystemen Iskander-M und S-400 zum Schutz gegen die Mehrzweckkampfflugzeuge F-35 sowie gegen Tornado und F-16, die mit В61 bestückt werden können, die immer noch in Deutschland lagern.

    Litowkin ist der Ansicht, Trump könnte vielleicht die Stimmung der deutschen Öffentlichkeit einigermaßen mitbekommen haben, die von den amerikanischen Militärstützpunkten in ihrem Land genug habe. „Europa im Ganzen widersetzt sich mehr oder weniger der amerikanischen Präsenz auf dem Kontinent. Massenproteste gegen den Rassismus verschmelzen zurzeit mit dem Protest gegen das Aufzwingen der amerikanischen Politik und Sanktionen, wodurch man den Europäern ihre Souveränität nimmt.“

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    Tags:
    Truppenabzug, Deutschland, Polen, USA