23:15 06 Juli 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    738
    Abonnieren

    Das Urteil gegen den US-Bürger Paul Whelan, der seit fast anderthalb Jahren wegen Spionage in Russland inhaftiert ist, wird laut dem US-Botschafter John Sullivan die Beziehungen zwischen den beiden Ländern beeinträchtigen, bedeutet aber nicht die Unterbrechung des Dialogs.

    Das Moskauer Gericht hat am Montag Whelan zu 16 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.

    „Dies wird keinen guten Einfluss auf unsere Beziehung haben“, sagte Sullivan. „Ist dies ein Hindernis in den bilateralen Beziehungen? Natürlich. Stoppt dies unseren Dialog? Natürlich nicht“, fügte der Botschafter hinzu.

    Der Diplomat betonte, dass die beiden Länder zahlreiche Fragen im Rahmen ihrer Beziehungen behandeln würden.

    „Whelans Fall erschwert unsere Fortschritte in anderen Fragen, die besprochen werden“, sagte er. „Ich werde an der Verbesserung unserer Beziehungen arbeiten und die Paul Whelan-Affäre ist ein wichtiges Element für die Verbesserung unserer Beziehungen, aber es gibt auch viele andere Themen, die behandelt werden müssen“, sagte Sullivan.

    Auch Sullivans Botschafter-Kollegin aus Großbritannien, Deborah Bronnert, äußerte sich zum Urteil gegen Whelan:

    „Das Team der britischen Botschaft hat im Fall Whelan eng mit dem US-Botschafter in Russland, John Sullivan, und seinem Team sowie mit den kanadischen und irischen diplomatischen Vertretungen zusammengearbeitet. Wir alle haben Paul und seine Familie konsularisch unterstützt, und wir werden dies auch weiterhin tun. Wir werden dieses Thema weiterhin mit den russischen Behörden, auch auf höchster Ebene, ansprechen“ , sagte sie.

    Strafverfahren gegen Whelan

    Paul Whelan, Staatsbürger der USA, Großbritanniens, Irlands und Kanadas, war im Dezember 2018 festgenommen worden. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen Spionage eingeleitet. Er soll nach Darstellung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB als Spion auf frischer Tat ertappt worden sein. Er soll geheime Daten auf einem USB-Stick erhalten haben. Nach Darstellung der Verteidigung ging Whelan aber bei einem seiner vielen Besuche in Moskau vielmehr davon aus, dass es sich lediglich um private Inhalte gehandelt habe.

    Bis zu seiner Festnahme war Whelan bei dem US-Unternehmens „BorgWarner Incorporated“ tätig, das über Niederlassungen in 17 Ländern verfügt. Medienberichten zufolge war er 2008 wegen Diebstahls aus der US-Marine entlassen worden. Seit 2007 soll er Reisen nach Russland unternommen haben.

    Immer wieder gibt es zwischen den USA und Russland viel beachtete Spionagefälle. Ob es dabei stets um echte oder vielleicht nur vermeintliche Agenten geht, ist kaum überprüfbar. Russlands Präsident Wladimir Putin, selbst ein ehemaliger Geheimdienstchef, hatte im vergangenen Jahr bei einer FSB-Versammlung vor ausländischen Spionageangriffen auf sein Land gewarnt. Demnach wurden allein 2018 mehr als 460 Spione enttarnt.

    sm/gs

    Zum Thema:

    „Von der Leyen überschreitet rote Linie“: Einmischung der EU-Kommission in kroatischen Wahlkampf
    Dänemark genehmigt Fertigstellung von Nord Stream 2 durch Verlegeschiffe mit Ankerpositionierung
    Erdöl: Für die Supermacht am Golf sieht es schlecht aus
    Tags:
    Paul Nicolas Whelan, Botschafter, USA, Spion