07:13 16 Juli 2020
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    Die Zerschlagung Hitlerdeutschlands war ein Sieg für die ganze Menschheit. Auf der Erde gab es keinen Ort, an dem die Nazis keine Pläne hatten. Lateinamerika war keine Ausnahme. Darüber spricht der venezolanische Publizist und Autor des Buches „Nazismus und das Dritte Reich in Venezuela im Zweiten Weltkrieg“, Vicente Quintero, im Sputnik-Interview.

    „Deutschland interessierte sich für Lateinamerika lange vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Von besonderem Interesse waren die Gebiete an der Nordküste Südamerikas, dazu gehörten Venezuela und seine Inseln im Karibischen Meer. Es gibt dokumentarische Belege, dass Berlin die politische Instabilität in Venezuela bereits Ende des 19. Jahrhunderts nutzen wollte, um diese Inseln unter seine Kontrolle zu bringen. In diesem Zusammenhang musste Venezuela sogar um internationale Hilfe bitten. Es gibt dokumentierte Beweise, dass Deutschland seine Präsenz in der Region ausbauen wollte. Das Interesse an Venezuela war geopolitisch bedingt; ausschlaggebend war seine geografische Lage in der Karibik. Aus demselben Grund zeigte Deutschland auch Interesse an Kolumbien und Panama. Bei diesen beiden Ländern ging es auch um die Kontrolle über den Wasserweg zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean – der wichtigsten Handelsroute auf hoher See. Deshalb plante man die Errichtung von Militärstützpunkten in  Kolumbien und Venezuela, um den Panamakanal zu erobern“, so der Experte. 

    Laut dem Publizisten hatten die Nazis auch die reichen Bodenschätze Lateinamerikas ins Visier genommen. 

    „Vor dem Zweiten Weltkrieg war Venezuela der größte Ölexporteur weltweit. In dieser Zeit waren die Ölländer im Nahen Osten keine Konkurrenz. Die USA produzierten zwar auch große Ölmengen, doch ein Großteil davon war für den Eigenverbrauch bestimmt. Deshalb wollten sich die Deutschen die venezolanischen Ölressourcen und die Bodenschätze anderer Länder der Region aneignen“, so der Analyst.

    Ein Sieg des Dritten Reichs hätte für die Bevölkerung der lateinamerikanischen Länder in einer Katastrophe geendet.

    Die Ideologie des Dritten Reichs bezüglich der ethnisch-sozialen Struktur der Gesellschaft war darauf ausgelegt, die Länder Lateinamerikas „reinzuwaschen“ und die deutsche Nation in die Führungsrolle zu hieven.

    In dieser Strategie war sowohl eine umfangreiche Umsiedlung der deutschen Bevölkerung in die Länder der Region als auch eine Diskriminierung der „falschen Rassen“ vorgesehen, so der Publizist.

    Quintero zufolge ist das Problem der Nazi-Ideologie in Lateinamerika noch heute aktuell.

    „Der Nazi-Verbrecher estnischer Herkunft Harry Männil  lebte einige Jahrzehnte in Venezuela, wo die Behörden von seinen Verbrechen wussten. Allerdings war allen alles egal. Ich betrachte das als Gehilfenschaft. Nur wegen des Drucks der internationalen Geheimdienste musste er am Ende seines Lebens nach Costa Rica fliehen, wo er 2011 starb. Allerdings wurde er für seine Taten niemals bestraft. Es ist eines der Anzeichen, dass in bestimmten Gesellschaftsschichten in Lateinamerika die Ideen des Dritten Reichs noch immer existieren. Dies ist auch noch in Argentinien der Fall, wie zahlreiche Dokumente belegen. Das ist eine potentielle Gefahr. Man muss nur hinschauen, wie der Neonazismus in Europa angesichts der bestenden Probleme einen Aufschwung erlebt. In Frankreich häufen sich die Aufrufe zu Angriffen auf Vertreter der jüdischen Gemeinde. Dasselbe könnte auch in den Ländern Lateinamerikas geschehen, wo es zu schwerwiegenden Verfolgungen der Juden, Schwarzen und Sinti und Roma kommen kann. Das ist eine reale Gefahr“, warnt der Experte.

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    Tags:
    Venezuela, Argentinien, Zweiter Weltkrieg, Drittes Reich