09:41 22 Oktober 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    51091
    Abonnieren

    Der ukrainische Abgeordnete Andrej Derkatsch hat am Montag weitere kompromittierende Audioaufnahmen publik gemacht, bei denen es angeblich um Telefongespräche zwischen dem ehemaligen Präsidenten der Ukraine, Pjotr Poroschenko, und dem Ex-US-Vizepräsidenten Joe Biden geht.

    Die Telefonate fanden mutmaßlich im Jahre 2016 statt und sollen innenpolitischen Angelegenheiten der Ukraine gewidmet gewesen sein. Den ersten Teil der Aufnahmen, die er von Journalisten erhalten haben will, hatte Derkatsch bereits veröffentlicht. Poroschenko bezeichnete sie damals als gefälscht.

    Auf einer Pressekonferenz, die vom ukrainischen Fernsehsender 112.Ukraina übertragen wurde, gab Derkatsch seine Absicht bekannt, dem Staatlichen Untersuchungsbüro auch den zweiten Teil der Materialien zu übergeben. Im Zusammenhang mit den zuvor veröffentlichten Aufnahmen sei er von der Behörde als Zeuge vernommen worden.

    In den Telefonaten besprechen ein Mensch mit der Stimme, die der von Biden ähnelt, und sein Gesprächspartner, dessen Stimme der Stimme Poroschenkos ähnlich ist, viele Themen. Darunter ist die Entlassung des Chefs des ukrainischen Gasversorgungsunternehmens „Naftogaz“, Andrej Kobolew, gegen die sich „Biden“ aussprach, weil dies in Europa „als Problem wahrgenommen werden“ könnte. „Poroschenko“ versprach seinerseits, dass es nicht zu der Entlassung kommen werde.

    Darüber hinaus besprachen die Telefonierenden die Notwendigkeit einer Tariferhöhung gemäß den Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). „Poroschenko“ versprach, Druck auf den Reformierungsrat und die ukrainische Regierung auszuüben, damit die IWF-Forderungen erfüllt würden.

    Zu einem weiteren Thema soll die Causa um Alexander Onischenko geworden sein. Der ukrainische Oligarch und Ex-Abgeordnete des ukrainischen Parlaments, der Werchowna Rada, ist seit 2016 auf der Flucht. In der Ukraine wird er wegen angeblicher Steuervergehen und Unterschlagung gesucht.

    „Biden“ versicherte „Poroschenko“, dass US-Sicherheitsdienste, darunter auch die Bundespolizei FBI, mit Onischenko nicht zusammenarbeiten würden. „Poroschenko“ bedankte sich dafür.

    Die Gesprächsteilnehmer sollen mutmaßlich auch die Nationalisierung der ukrainischen „Privatbank“, den Rücktritt der Regierung von Arseni Jazenjuk und die Einsetzung des Kabinetts von Wladimir Grojsman sowie die Entlassung von Generalstaatsanwalt Wiktor Schokin besprochen haben, wofür Kiew angeblich eine Finanzhilfe von Biden in Höhe von einer Milliarde Dollar erhalten haben könnte.

    Aufnahmen werden geprüft

    Im Rahmen des Verfahrens wegen der abgehörten Telefonate ist laut der ukrainischen Generalstaatsanwältin Irina Wenediktowa eine Begutachtung angeordnet worden. Die Umstände, unter denen die Aufnahmen entstanden seien, sowie der dabei präsente Personenkreis, die verwendeten technischen Mittel sowie die Möglichkeit zur Identifizierung der Stimmen würden derzeit geklärt, sagte die Generalstaatsanwältin.

    Das Staatliche Untersuchungsbüro der Ukraine hatte Poroschenko zum Verhör vorgeladen. Da er nicht vor Gericht erschienen ist, hat das Gericht seine zwangsweise Vorführung erlaubt.

    mo/mt/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Nahm an Tests von Oxford-Corona-Impfstoff teil: Brasilianischer Freiwilliger gestorben
    Trump ist unfähig sagt Obama, Kritik an Behörden nach Messerattacke auf Touristen
    Norbert Röttgen schwärmt von „nicht ersetzbaren“ USA und richtet „historische Frage“ an Deutschland
    Tags:
    Ukraine