17:57 22 Oktober 2020
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    Warum die sogenannten „New START“-Abrüstungsverhandlungen in Wien ergebnislos geblieben sind und es auch so kommen musste, trotz des scheinbar wohlwollenden Hintergrunds, erläuterte im Sputnik-Gespräch der Militärexperte Wiktor Litowkin. Die USA wollen den START III-Vertrag gar nicht verlängern. Dafür gibt es mehrere Gründe.

    Erstens sei dieser Vertrag von Obama unterzeichnet worden, so Litowkin. „Dabei hat ihn Trump dafür stets kritisiert. Selbstverständlich sieht Trump keinen Sinn darin, einen derart ,schlechten Vertrag‘, wie er ihn bezeichnet hat, zu verlängern. Zweitens will er nicht zulassen, dass auch nur jemand den USA gleichkommt; er schließt es einfach aus: ,America First‘. Zwar kann mit einem Vertrag eventuell eine Vereinbarung zwischen dem Sieger und dem Besiegten gemeint werden, dann ist es aber im Klartext kein Vertrag, sondern lediglich ein Ultimatum. Echte Verträge werden auf Augenhöhe geschlossen. Trump meint aber, in der Welt hätten die USA nicht ihresgleichen.“

    Folglich sei kein Partner da, mit dem er sich einigen könnte, fügt der Experte hinzu.

    „So kündigt Trump alle Verträge. Er lehnt es ab, dass jemand den USA beliebige Schranken setzt, ob bei der Rüstung, in Klimafragen oder sonst. Drittens hat er sich vorgenommen, China so oder anders einzudämmen. Deshalb beschloss er auch, China in den bilateralen Vertrag zwischen Russland und den USA einzubinden. Dabei besitzt China zu wenig Atomsprengköpfe und Raketen, um mit den USA und Russland von Gleich zu Gleich Vereinbarungen zu treffen.“

    Es könne sich mit ihnen halt nicht messen, so Litowkin. „Während Russland etwa 1.700 und die USA gut 1.400 einsatzbereite Atomsprengköpfe haben, sind es bei China nur 280. Will man China in die Abrüstungsverhandlungen einbeziehen, dann muss man auch Frankreich und Großbritannien zur Teilnahme einladen, die doch auch Raketen und Sprengköpfe besitzen, so viel wie China bzw. etwas weniger, aber immerhin. Trump schlägt dies aber nicht vor. Die Länder sind seine Verbündeten. Wozu sollte er ihr Atompotenzial kürzen?

    Zum Misserfolg der Verhandlungen trage ferner die ultimative Forderung der USA bei, so der Experte weiter, Russland solle alle seine Atomwaffen in den Vertrag aufnehmen. Dann müsste er auch auf alle US-Atomwaffen ausdehnt werden, einschließlich der taktischen, statt sich nur auf die strategischen zu beschränken. „Dies ist aber nicht, was die USA anstreben. Die gesamten taktischen Atomwaffen Russlands befinden sich auf seinem Territorium. Die Amerikaner haben nach verschiedenen Angaben 150 bis 200 Atombomben in Europa stationiert, und zwar in Italien, Belgien, den Niederlanden, Deutschland und der Türkei, obwohl man sagt, dass sie diese Waffen aus der Türkei nach Griechenland oder sonst wohin verlagern.“

    Litowkin hebt hervor: „Ferner erfordern die taktischen und die strategischen Atomwaffen völlig verschiedene Kontrollmittel. Darüber muss lange und ausführlich verhandelt werden. Dies würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Falls die USA sich solche Verhandlungen wünschen, getrennt über die taktischen und über die strategischen Waffen, dann muss der START III-Vertrag verlängert werden, da er im Februar 2021 ausläuft. Aber Trump will das nicht.“

    Auch sei er, nimmt der Militärexperte an, in diesen Fragen ein Dilettant. „Er zeigt nicht einmal Interesse an den Einzelheiten und der Spezifik der atomaren Abrüstung. Er legt die Latte gleich sehr hoch an, um den Verhandlungspartner kleinzukriegen, damit sich dieser seiner Gnade anheimgibt. Das geht aber nicht. Vor allem da, wo die USA keinen Vorsprung gegenüber Russland haben. Vor allem heute, wo Russland Hyperschall-Sprengköpfe hat, die in den USA nicht einmal ansatzweise existieren. Wie übrigens auch die Abfangmittel.“

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    Tags:
    Wien, Abrüstung, Atomwaffen, USA, Donald Trump, New-Start-Vertrag