23:15 11 Juli 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    22013
    Abonnieren

    Der US-Diplomat Marshall Billingslea hat Peking mit einem inszenierten Foto von den Abrüstungsgesprächen mit Russland in Wien verärgert. Das Foto zeigt chinesische Fähnchen auf dem Verhandlungstisch – obwohl China an dem Treffen gar nicht teilgenommen hatte. Eine Reaktion aus dem Außenministerium in Peking ließ nicht lange auf sich warten.

    Der Diplomat nutzte dieses Foto als Vorwurf gegen die chinesische Seite für deren Nichterscheinen bei den Gesprächen. Doch Pekings Teilnahme war von Anfang an nicht geplant gewesen. Mit dieser Geste provozierte Billingslea China, das die USA schon seit langem als dritten Verhandlungspartner ins Spiel bringen wollen:

    „Die Verhandlungen in Wien stehen kurz vor dem Beginn. China erschien nicht. Peking versteckt sich immer noch hinter einer #GreatWallofSecrecy (dt. einer großen Mauer der Geheimnistuerei) wegen seiner mächtigen Atomaufrüstung sowie wegen vieler anderer Dinge. Wie auch immer, wir machen mit Russland weiter“, so Billingslea in der Unterschrift zu dem Foto.

    Sein Bild zeigte Washingtons Wünsche: Es hätte gern, dass China mit am Tisch säße. Es gab aber in keiner Weise die Wirklichkeit in Wien wieder: Chinesische Diplomaten hätten eigentlich nicht an den Verhandlungen teilnehmen sollen, diese waren von Anfang an als bilateral zwischen Moskau und Washington angelegt.

    Wenig später veröffentlichte der russische Botschafter in Österreich, Dmitri Ljubinskj, auf seinem Facebook-Account auch eine Aufnahme des unmittelbaren Beginns der Verhandlungen. Bemerkenswert ist, dass sein Foto sich von Billengsleas Bild unterscheidet, und belegt, dass sich keine chinesischen Wimpel während der Gespräche auf dem Tisch befunden haben.

    Wie die Moskauer Tageszeitung „Kommersant“ unter Berufung auf eine diplomatische Quelle schreibt, hatte Billingslea die chinesischen Fähnchen offenbar während der Gespräche aufstellen wollen, um zu betonen, dass diese Verhandlungen aus amerikanischer Sicht trilateral sein sollten. Die Russen hatten jedoch Protest dagegen eingelegt.

    Daher behalf sich der US-Diplomat mit einer schnellen Foto-Aktion vor Gesprächsbeginn. Vor dem Eintreffen der russischen Delegation wurden die chinesischen Wimpel abgeräumt.

    Fu Cong, Leiter der Abteilung Rüstungskontrolle im chinesischen Außenministerium, zeigte sich über Billingsleas Trick empört. Er twitterte als Antwort: „Was für eine seltsame Szene! Chinesische Fahnen auf einem Verhandlungstisch ohne Chinas Einverständnis! Viel Glück beim Verlängern von New Start! Ich frage mich, wie TIEF man sinken kann.“ 

    Die russisch-amerikanischen Konsultationen zur strategischen Stabilität wurden am Montag in Wien beendet. Die russische Delegation bei den Verhandlungen leitete Vize-Außenminister Sergej Rjabkow und die amerikanische Delegation –  Marshall Billingslea. Die Beratungen dauerten etwa zehn Stunden.

    Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hatten die USA zuvor China zu den Wiener Gesprächen eingeladen. Peking lehnte jedoch mit der Bründung ab, dass Moskau und Washington zusammen über 90 Prozent der weltweiten Atomwaffen besitzten würden.

    START-III-Vertrag

    Der frühere US-Präsident Barack Obama und sein damaliger russischer Amtskollege Dmitri Medwedew hatten den Vertrag, der im Februar 2011 in Kraft trat, 2010 in Prag unterzeichnet. Der Vertrag war für zehn Jahre geschlossen worden.

    Der START-III-Vertrag sieht vor, dass Russland und die USA ihre Nukleararsenale auf je 800 Trägersysteme und 1550 einsatzbereite Atomsprengköpfe verringern. „START“ steht für die englische Bezeichnung „STrategic Arms Reduction Treaty“.

    sm/gs

    Zum Thema:

    Mysteriöser Tod am Djatlow-Pass: Ermittler nennen nach 60 Jahren Ursache
    Video des Raketenstarts von Raketenkreuzer „Pjotr Weliki“ aus in Barentssee veröffentlicht
    „Hat mit Rechtsstaat und Demokratie nichts mehr zu tun“ – Juristen wollen Corona-Krise aufklären
    Tags:
    Abrüstung, China, Wien, Verhandlungen, Marshall Billingslea