06:41 03 Dezember 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    155623
    Abonnieren

    In einer landesweiten Befragung stellte sich raus, dass Juden in der Schweiz oft Beleidigungen, Diskriminierungen und Belästigungen ausgesetzt sind. Gerade im Internet werden viele Menschen jüdischen Glaubens oft diskriminiert. In der momentanen Situation sehen Juden sich immer mehr in der Schweiz bedroht.

    Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) hat im Rahmen einer Studie 487 Personen jüdischen Glaubens nach ihren Erfahrungen mit Antisemitismus befragt. Anlass zur Studie waren die Häufung von antisemitisch begründeten Gewalttaten, die sich über die letzten Jahre weltweit ereigneten. Zudem hätte die „European Union Agency for Fundamental Right“ in einer Studie ermittelt, dass auch in Europa Menschen jüdischer Herkunft zunehmend Gewalt und Übergriffe erfahren würden.

     

    Die Ergebnisse würden eindeutig zeigen, dass die Schweiz nicht frei von Vorurteilen ist: Etwa die Hälfte aller Befragten fühle sich im echten Leben oder online belästigt und diskriminiert. Fast drei Viertel sähen den Antisemitismus als ein wachsendes Problem an. Der Studienleiter und gleichzeitig Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention ZHAW, Dirk Baier, meinte dazu: „Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Antisemitismus in der Schweiz existiert und den Alltag der hier lebenden Jüdinnen und Juden prägt.“

     

    Soziale Medien

     

    Als häufigster Ort der Diskriminierung fungiert das Internet: online und auf sozialen Medien erfahren weitaus am meisten Juden Antisemitismus. Laut der Studie hätten neun von zehn Befragten zugestimmt, dass antisemitische Aktivität in Internet über die letzte Jahre zugenommen hat. Fast 50 Prozent gaben zu, selbst oder als Zeuge erlebt zu haben, wie Menschen jüdischen Glaubens antisemitische Erfahrungen gemacht haben.

     

    Doch auch außerhalb des Netzes findet der Antisemitismus kein Ende. Fast alle streng-orthodoxen Juden und Jüdinnen sagten aus, dass die in der Öffentlichkeit schon belästigt wurden. Auch Sachbeschädigung oder Gewalterfahrung hätte jeder sechste Befragte erlebt. Allerdings seien nur die wenigsten Betroffenen physisch verletzt worden. Die Beteiligten sagten, dass sie Diskriminierung vor allem in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz oder auf der Wohnungssuche erfahren. 16,2 Prozent der Befragten fühlten sich innerhalb der letzten zwölf Monaten diskriminiert.

     

    Sicherheitsgefühl bedroht

     

    Unter diesem spürbaren Antisemitismus leidet natürlich gerade das Sicherheitsgefühl von Juden in der Schweiz. In der Studie hätte sich gezeigt, dass ein Fünftel der Studienteilnehmer einen verbalen Angriff in der Öffentlichkeit im nächsten Jahr befürchte. Jeder dritte Befragte meide jüdische Veranstaltungen oder Stätten. Mehr als die Hälfte sprach sich für eine stärkere Achtung jüdischer Bedürfnisse aus.

     

    „Die Politik sollte daher noch stärker den Dialog mit den jüdischen Gemeinden suchen und rasch Lösungen anbieten. Das belegen die Ergebnisse deutlich“, so Baier.
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Wie Verbrecher behandelt? Quarantäne-Schreiben wegen harter Wortwahl in Kritik – Sputnik hakt nach
    Russischer Impfstoff darf dran, so Kommission von der Leyens - aber „nirgendwo in EU außer Ungarn“
    Auf Sexparty erwischt: Polizei löst Orgie in Brüssel auf – EU-Abgeordneter tritt zurück
    Tags:
    Schweiz, Antisemitismus, Juden, Judentum