05:53 15 August 2020
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    Russland soll die Taliban finanziert, Trump soll nichts unternommen und der Geheimdienst in den USA soll Informationen verraten haben. Es ist ein Feuerwerk an Vorwürfen. Wer hat es gezündet?

    Vor ein paar Monaten war der Deal mit den radikalen Taliban noch der größte außenpolitische Erfolg von Donald Trump. Sein Vorgänger Barack Obama hatte es in zwei Amtszeiten nicht geschafft, dem Krieg in Afghanistan ein Ende zu setzen. Der Republikaner Trump schien hingegen das Unmögliche vollbracht zu haben: Im Gegenzug für den Abzug von US-Truppen aus Kabul haben sich die Taliban auf ein Ende der Konfrontation mit der afghanischen Zentralregierung eingelassen.

    Daraufhin wurde dem Weißen Haus vorgeworfen, ein Bündnis mit Terroristen eingegangen zu sein. Trump konterte: Der Krieg in Afghanistan dauere nun fast 20 Jahre, die Taliban seien immer noch da, also müsse eine Möglichkeit zur Konfliktregulierung gefunden werden. Dass es für US-Soldaten längst Zeit ist nach Hause zu gehen, bestreitet ohnehin niemand.

    Moskau reagierte verhalten auf Trumps Initiative. Man begrüße den Friedensprozess, erklärte Außenminister Lawrow. Man habe auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

    Dann brach Corona aus, die Pandemie verdrängte den Friedensprozess in Afghanistan aus den Schlagzeilen – doch letzte Woche hat das Thema wieder eingeschlagen. Die „New York Times“ hat berichtet, die Taliban hätten heimlich mit russischen Geheimdiensten kooperiert und auf Moskaus Geheiß amerikanische Soldaten getötet, gegen Belohnung. Der US-Geheimdienst soll diese Erkenntnis anhand großer Bargeldsummen erlangt haben, die man bei festgenommenen Taliban-Kämpfern gefunden habe. Die hätten im Verhör gestanden, das Geld von den Russen bekommen zu haben.

    „Letztes Jahr starben 20 Amerikaner in Afghanistan, aber noch ist unklar, hinter welchem dieser Morde das Geld der Russen steckt“, schreibt die „NYT“. Einen unmittelbaren Beweis für eine Verbindung zwischen Moskau und Taliban gebe es nicht. Wer sie mit der Information versorgt hat, gab die „New York Times“ nicht an.

    Verwirrung amerikanischer Machart

    Nach dem „NYT“-Bericht beeilten sich weitere Leitmedien in den USA zu sekundieren, doch immerhin geben die allermeisten Artikelautoren zu, dass man Russlands Schuld noch beweisen müsse. Die Stoßrichtung ist hauptsächlich eine andere: Trump. Der habe von Moskaus Verbindung zu den Taliban gewusst und dennoch nichts unternommen. In den Zeitungsberichten heißt es, der Geheimdienst habe den Präsidenten noch im Januar über Moskaus angebliche Machenschaften unterrichtet, der aber habe alles ignoriert. Die „Washington Post“ schreibt, Donald Trump habe sogar an einer Klausurtagung des nationalen Sicherheitsrats teilgenommen, wo Politiker und Geheimdienstler nach Wegen gesucht hätten, Moskau entgegenzuwirken, aber ein Konsens sei nicht erzielt worden.

    Trump selbst dazu: „Der Nachrichtendienst … hielt diese Info für nicht glaubhaft, und berichtete deshalb weder an mich noch an den Vizepräsidenten. Wahrscheinlich ist es ein weiterer inszenierter Russland-Schwindel, vielleicht von der Fake News ‚New York Times‘, die die Republikaner immer schlecht darstellen will“, twitterte der US-Präsident.

    Zynischer Wahlkampf

    So ist die Taliban-Story zum Spitzenthema im amerikanischen Wahlkampf geworden. Joe Biden warf dem amtierenden Präsidenten vor, amerikanische Soldaten verraten zu haben, und legte nach: „Wenn man mich zum Präsidenten wählt, bekommt Wladimir Putin eine gebührende Gegenwehr, wir werden folgenschwere Maßnahmen gegen Russland ergreifen.“ Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, drohte: „Wir müssen Sanktionen verhängen … auf der Stelle.“

    Die Erklärungen sind eine abgekartete Sache – oder wie ein Politikwissenschaftler sagen würde: Eine „Methode im politischen Betrieb“, erklärt Politologe und Afghanistan-Experte Andrej Serenko.

    „Die Behauptung, Russland habe die Tötung von US-Soldaten in Afghanistan finanziert, hat nur eins zum Ziel: Den Afghanistan-Erfolg von Donald Trump zu entwerten. Trumps Beliebtheitswerte fallen. Er will den Wählern zeigen, dass er wenigstens den Krieg gegen die Taliban hat beenden können. Die Demokraten wollen ihm aber auch diesen Trumpf aus der Hand schlagen.“

    Eines müsse man dieser Demokraten-Kampagne aber lassen: Dreist und zynisch ist sie. „Die Vereinigten Staaten haben die Taliban über Jahre finanziert“, betont der Analyst. „In Katar ist vor zehn Jahren erst eine Taliban-Vertretung mit amerikanischem Geld gegründet worden. Das heißt, während NATO-Soldaten von der Hand der Taliban starben, versorgte die US-Regierung die Terroristen mit Geld.“

    Übrigens stehen Iran und Pakistan im direkten Kontakt zu den Taliban. „Aber von etwaigen Pakistan-Sanktionen hört man aus Washington nichts“, gibt Serenko zu bedenken.

    Angegriffen wird Russland – obwohl Moskau mehrmals anbot, im Afghanistan-Konflikt zu vermitteln, sagt Omar Nessar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nahoststudien der Russischen Akademie der Wissenschaften: „Nach dem Spin, den die Zeitungen in den USA den Lesern auftischen, soll Russland die radikalen Taliban dafür bezahlt haben, dass sie amerikanische Soldaten töten, um damit den Friedensprozess in Afghanistan zu hintertreiben. Aber hätte Russland das wirklich gewollt, hätte es doch sicherlich andere Wege gefunden, die weniger auffällig sind.“

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    Tags:
    Taliban, Wahlkampf, Russland, USA