05:27 04 August 2020
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    Nach der Ermordung eines Tschetschenen in Österreich hat das Oberhaupt der russischen Nordkaukasus-Republik, Ramsan Kadyrow, Gerüchte um eine angebliche Verwicklung in den Fall zurückgewiesen.

    Der 43-jährige Tschetschene, der am Samstag in Gerasdorf bei Wien erschossen wurde, sei Opfer von Geheimdiensten geworden, die eine solche Tat Russland und insbesondere ihm selbst anlasten wollten, schrieb Kadyrow in seinem Nachrichtenkanal im Messenger Telegram.

    Ihm zufolge bezahlen die Geheimdienste „korrupte Rufer“ und dann töten sie als „quasi unschuldige Opfer einer fiktiven Wahrheit“:

    „Ich habe wiederholt über die Manipulationsmethoden des Westens gesprochen und gewusst, dass diese Puppen ihr Leben auf diese Weise beenden würden. Wenn Verteidiger anfangen, sich Sorgen um das Leben eines Menschen zu machen, endet dieses Leben bald“.

    Jeder vernünftige Mensch sollte dies verstehen, bevor er sich bereit erkläre, an Projekten der Geheimsienste teilzunehmen.

    Auch Russlands Außenministerium dementiert, dass die tschetschenischen Behörden mit der Ermordung in Österreich in Verbindung stünden.

    Solche Spekulationen seien unangemessen und beeinträchtigten nur eine objektive Untersuchung, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Donnerstag bei einem Briefing in Moskau.

    „Gegenwärtig werden die Umstände des Vorfalls aufgeklärt, auch die Staatsbürgerschaft des Ermordeten und der Festgenommenen wird präzisiert. Die russische Botschaft in Österreich wirkt aktiv mit den zuständigen Strukturen dieses Staates zusammen“, so Sacharowa.

    „In den Medien kursieren verschiedene Versionen und Motive. Die Möglichkeit krimineller Motive ist nicht ausgeschlossen. Leider sind in einigen Medien Spekulationen über eine mögliche Beteiligung an der Ermordung der offiziellen Behörden der Tschetschenischen Republik aufgetaucht. Wir lehnen diese Unterstellungen entschieden ab und halten solche Spekulationen für unangemessen. Sie behindern nur eine objektive Untersuchung“, fügte die Sprecherin hinzu.

    Die österreichische Polizei bestätigte am Donnerstag indes, dass das Opfer bedroht worden war. Der 43-Jährige, der seit 2007 in Österreich lebte, hatte monatelang Videos veröffentlicht, in denen er den Machthaber der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien teils sehr rüde kritisierte.

    Die Drohungen „nahmen an Intensität zu“, sagte ein Polizeisprecher. Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung habe die Drohungen sehr ernst genommen und dem Mann Schutz angeboten, den er aber nur für den Wohnsitz seiner Familie angenommen habe.

    Das Motiv ist laut Polizei aber weiter offen. „Wir können nicht ausschließen, dass es sich um einen Auftragsmord handelt, andererseits könnte aber auch ein Streit eskaliert sein“, so der Sprecher. Unter Tschetschenen in Wien hatte es zuvor Berichte über Mordpläne und ein Kopfgeld gegeben.

    Kritiker werfen Kadyrow immer wieder das brutale Ausschalten politischer Gegner auch im Ausland vor. In Berlin sorgte 2019 die Erschießung eines Tschetschenen mit georgischer Staatsangehörigkeit für Aufsehen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Mord von der russischen Regierung in Auftrag gegeben wurde.

    Mord in Gerasdorf

    Die niederösterreichische Polizei gab am Sonntag auf ihrer offiziellen Webseite bekannt, dass die Einsatzkräfte am Samstagabend wegen eines möglichen Tötungsdelikts alarmiert worden seien. Als Tatort sei das Stadtgebiet von Gerasdorf, Brünner Straße lokalisiert worden.
    Ein 43-jähriger russischer Staatsbürger sei mit Schussverletzungen am Gelände zu einem Gewerbebetrieb tot aufgefunden worden.

    Später sei ein 47-jähriger russischer Staatsbürger im Stadtgebiet von Linz angehalten und als Tatverdächtiger vorläufig festgenommen worden. Er verweigert laut Polizei die Aussage. Der zweite Angeklagte ist ein 37-Jähriger, der das Opfer zum Tatort begleitet haben soll.

    Wie der Polizeisprecher Walter Schwarzenecker früher gegenüber der Agentur bekannt gab, hatte der in Gerasdorf ermordete Mann Asyl in Österreich beantragt.

    sm/dpa/sna/gs

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    Tags:
    Ramsan Kadyrow, Mord, Österreich, Tschetschenien, Gerüchte