13:11 13 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    2219156
    Abonnieren

    Nach dem international umstrittenen Gerichtsbeschluss, die Hagia Sophia in Istanbul in eine Mosche umzuwandeln, hat der türkische Präsident Recep Tayip Erdogan nun den ersten Gottesdienst angekündigt. Dieser soll am 24. Juli stattfinden und für alle Besucher kostenlos sein.

    Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei annullierte am Freitag den Status des berühmten Gebäudes Hagia Sophia (Sophienkirche) in Istanbul als Museum und machte damit den Weg zur Nutzung der einstigen Kirche als Moschee frei.

    „Nach dem Abschluss aller Vorbereitungsarbeiten, die momentan zügig voranschreiten, wollen wir die Hagia Sophia am 24. Juli gleich mit einem Freitagsgebet für Gottesdienste öffnen“, sagte Erdogan in einer Ansprache an die Nation.

    Der Eintritt werde kostenlos sein wie auch in allen türkischen Moscheen, betonte der türkische Präsident. Angesichts der Statusänderung soll die Hagia Sophia für alle Menschen ihre Pforten öffnen – ganz gleich, ob Einheimische, Ausländer, Muslime oder Anhänger anderer Konfessionen, so Erdogan.   

    Die Kritiker rief Erdogan auf, die Entscheidung zu respektieren: „Wie die Hagia Sophia genutzt wird, hat etwas mit den Souveränitätsrechten der Türkei zu tun.“

    Die Hagia Sophia wurde unter Kaiser Justinian erbaut und am 27. Dezember 537 u. Z. eingeweiht. Die Sophienkirche galt mehr als 1000 Jahre lang als das größte Gotteshaus in der christlichen Welt. Als die Osmanen im 15. Jahrhundert Konstantinopel – das heutige Istanbul – eroberten, machten sie die Hagia Sophia zur Moschee. 1934 erklärte Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk das Gebäude zum Museum.

    Das Museum lockte jährlich rund 3,7 Millionen Touristen an. Im Jahr 1985 wurde die Hagia Sophia zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

    International umstritten

    Die erneute Umwandlung in eine Moschee stößt vielerorts im Ausland auf Kritik. Die Weltkulturorganisation UNESCO teilte mit, sie bedauere die Umwandlung des als Weltkulturerbe gelisteten Gebäudes ohne vorherige Abstimmung. Zuvor hatte die Organisation mit mehreren Schreiben an Ankara versucht, die Türkei zu einem Dialog zu bewegen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird.  

    Griechenland sprach von einer Provokation der zivilisierten Welt. Die Deutsche Bischofskonferenz zeigte sich besorgt, dass die Hagia Sophia wieder als Symbol religiösen „Raumgewinns“ gedeutet werden könnte. Auch die russisch-orthodoxe Kirche und die griechische Kulturministerin Lina Mendoni verurteilten die Entscheidung scharf. 

    mka/gs/sna/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Unbekannte bewaffnete Menschen in Minsker Yandex-Büro eingedrungen
    Starkregen und Sturm in Deutschland: Große Schäden durch Unwetter – Fotos und Videos
    „Putins Murks“? Galle deutscher Medien und fünf Fragen zum ersten russischen Corona-Impfstoff
    Tags:
    Gottesdienst, Moschee, Hagia Sophia, Türkei