16:00 01 Oktober 2020
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    Das armenische Verteidigungsministerium hat am Dienstag den Tod von zwei Offizieren bei einem Beschuss von der aserbaidschanischen Seite aus im nordöstlichen Abschnitt der Staatsgrenze zwischen Armenien und Aserbaidschan gemeldet.

    „Major Garusch Ambarzumjan und Hauptmann Sos Elbakjan wurden  bei einem Beschuss von der gegnerischen Seite aus im nordöstlichen Abschnitt der armenisch-aserbaidschanischen Staatsgrenze tödlich verwundet“, schrieb die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Schuschan Stepanjan, auf Facebook.

    In einem weiteren Beitrag gab sie an, dass zivile Objekte des armenischen Dorfes Berd in der Region Tawusch von aserbaidschanischen Drohnen angegriffen worden seien. Es gebe keine Verletzten, hieß es.

    Das Ermittlungskomitee Armeniens teilte ebenfalls am Dienstag mit, ein Strafverfahren wegen der Verletzung von zwei Polizisten bei Auseinandersetzungen an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze eröffnet zu haben. Die beiden Beamten, die das Staubecken „Tawusch“ bewachten, seien beim Einschlag eines vom aserbaidschanischen Militär abgefeuerten Geschosses verletzt worden, meldete die Agentur RIA Novosti unter Verweis auf eine Mitteilung der Behörde.  

    Auch Aserbaidschan beklagt Verluste

    Inzwischen meldete auch Baku den Beschuss vonseiten des armenischen Militärs und den Tod von zwei Offizieren, darunter eines Generals, in der Nacht von Montag auf Dienstag in der Region Tovuz. Zudem sei dort ein Zivilist getötet worden, hieß es.

    „(…) Zuvor haben Armenier mit schweren Waffen auf unsere Siedlungen geschossen. Infolgedessen wurden Zivilisten getötet, Wirtschaft, Eigentum und Infrastruktur schwer beschädigt. Die internationale Gemeinschaft und Ko-Vorsitzenden der Minsker Gruppe der OSZE sollten darauf reagieren und die Angriffe der armenischen Militäreinheiten auf die Zivilbevölkerung Aserbaidschans nachdrücklich verurteilen“, hieß es in einer Mitteilung der Verwaltung der Region Tovuz, die RIA Novosti zur Verfügung steht.

    Russland kann helfen

    Der Botschafter Aserbaidschans in Russland, Polad Bulbuloglu vertritt die Ansicht, dass Russland eine Kraft sei, die den Konflikt zwischen Eriwan und Baku regeln könne.

    „Gestern war der aserbaidschanische Außenminister den ganzen Tag im Verhandlungsprozess, gestern rief Sergej Wiktorowitsch Lawrow an. Und es gab ein Gespräch mit der armenischen Seite (...) Russland ist der Moderator, der sowohl die Situation beruhigen als auch den Konflikt lösen kann“, sagte Bulbuloglu gegenüber russischen Medien.

    Das russische Außenministerium gab wiederum an, dass Sergej Lawrow Telefongespräche mit Kollegen aus Eriwan und Baku geführt und diese zu einem sofortigen Waffenstillstand und zur Zurückhaltung anhand der eingegangenen Verpflichtungen aufgefordert habe.

    Hintergrund

    Am Sonntag hatte das aserbaidschanische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass es an der Grenze zu Armenien zu einer bewaffneten Auseinandersetzung gekommen sei. Beide Seiten hatten nach Angaben der Behörde Verluste zu beklagen. Die Zusammenstöße dauern inzwischen den dritten Tag in den Nachbarregionen Tovuz und Tawusch an, die auch an Georgien grenzen und sich mehrere hundert Kilometer von dem nicht anerkannten Bergkarabach entfernt befinden, wo die Situation derzeit ruhig ist. Es wird in der Nähe des Dorfes Mowses geschossen, wo die Militärposten stationiert sind.

    Aserbaidschan und Armenien machen sich für den Beschuss gegenseitig verantwortlich. Mehrere Länder und internationale Organisationen äußerten sich besorgt über die Lage an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze und forderten die Parteien zum Dialog auf. Das russische Außenministerium erklärte sich bereit, Baku und Eriwan bei der Stabilisierung der Situation zu unterstützen.

    Bergkarabach-Konflikt

    Im Februar 1988 war in dem mehrheitlich von Armeniern bewohnten und zu Aserbaidschan gehörenden autonomen Gebiet Bergkarabach ein Konflikt ausgebrochen, nachdem Bergkarabach seinen Austritt aus der Aserbaidschanischen SSR verkündet hatte. Im September 1991 wurde im Verwaltungszentrum von Bergkarabach, Stepanakert, die Republik Bergkarabach ausgerufen. Im Zuge des militärischen Konflikts in den Jahren 1992-1994 hatte Aserbaidschan die Kontrolle über Bergkarabach verloren.

    Seit dem Jahr 1992 laufen Verhandlungen über eine friedliche Beilegung des Konflikts im Rahmen der Minsker OSZE-Gruppe. Es handelt sich eigentlich um einen Konflikt zwischen Armenien, das die Interessen der Republik Bergkarabach vertritt, und Aserbaidschan. Dieses besteht weiter auf der Rückgabe Bergkarabachs und Armenien auf dessen Unabhängigkeit von Aserbaidschan.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Beschuss, Gewalt, Grenze, Aserbaidschan, Armenien