04:07 15 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    13293
    Abonnieren

    Der Kreml weiß nichts über die angebliche Unterbringung des ehemaligen Vorstands des Münchner Finanzdienstleisters Wirecard, Jan Marsalek, in Russland, der im vergangenen Monat vor dem Hintergrund des Bilanzskandals im Unternehmen verschwunden war.

    Die Zeitung „Handelsblatt“ hatte am Sonntag unter Berufung auf Unternehmer-, Justiz- und Diplomatenkreise berichtet, dass Marsalek „auf einem Anwesen westlich von Moskau unter Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes GRU“ untergebracht sein soll. Dabei soll der Ex-Wirecard-Vorstand erhebliche Summen „in Form von Bitcoins“ aus Dubai nach Russland gebracht haben.

    Auf die Frage eines Journalisten, ob man im Kreml etwas davon wisse, sagte Peskow am Montag: „Nein, uns ist nichts bekannt.“

    Jan Marsalek war bei Wirecard für das operative Tagesgeschäft zuständig. Deutsche Medien hatten berichtet, dass Deutschland einen internationalen Haftbefehl gegen Marsalek erlassen habe, nachdem er am 22. Juni von Wirecard entlassen worden war und Wirtschaftsprüfer bei der Zahlungsverarbeitungsfirma Nachweise für Guthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro vermissten. Seitdem ist der Aufenthaltsort des 40 Jahre alten Österreichers unbekannt.

    Österreichs Innenministerium teilte am Montag gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti mit, dass es derzeit Informationen zum Verfahren des ehemaligen Wirecard-Vorstands Jan Marsalek sammle. Ein Sprecher des österreichischen Innenministeriums gab dazu keine weiteren Details bekannt.

    Hintergrund

    Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Händlern auf der einen und Banken sowie Kreditkartenfirmen auf der anderen Seite ab. Weltweit beschäftigt der Konzern knapp 6000 Menschen.

    Der Vorstand hatte für die Wirecard AG am 25. Juni einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Auslöser für den Insolvenzantrag war das Eingeständnis mutmaßlicher Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro, die das High-Tech-Unternehmen aus dem Münchner Vorort Aschheim an den Rand des Abgrunds getrieben haben.

    Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstandschef Markus Braun und weitere ehemalige und aktive Spitzenmanager. Das Münchner Amtsgericht hatte den Anwalt Michael Jaffé als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt, der nun zunächst die Überlebensfähigkeit des Unternehmens einschätzen muss.

    ak/sna/ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Spahn kauft sich mit Ehemann für 4 Mio Euro Villa in Berlin
    „Den USA klare Kante zeigen“: Energieminister Pegel zu Sanktionen um Nord Stream 2 - Exklusiv
    Nach Russland-Kritik: Spahn will deutschen Corona-Impfstoff „so schnell wie noch nie in Geschichte“
    Tags:
    Dmitri Peskow, Kreml, Russland, Österreich, Deutschland