05:41 04 August 2020
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    Die Türkei hat Griechenlands Reaktion auf das erste Freitagsgebet in der Hagia Sophia, die vor Kurzem in eine Moschee umgewandelt wurde, verurteilt und seinem Nachbarland Islamfeindlichkeit vorgeworfen. Zuvor hat es in der griechischen Stadt Thessaloniki einen Protestzug gegeben, bei dem eine türkische Fahne verbrannt wurde.

    Die Protestaktion soll von der rechtsextremen Organisation „Heilige Schar“ organisiert worden sein. Der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Hami Aksoy, nahm dazu Stellug.

    „Griechenland hat unter dem Vorwand einer Reaktion auf die Eröffnung der Moschee Hagia Sopia für das Freitagsgebet erneut seine Feindseligkeit gegenüber dem Islam demonstriert. Wir verurteilen entschieden, dass die griechische Regierung und das Parlament die Gesellschaft provozieren und zulassen, dass unsere ruhmvolle Flagge öffentlich in Saloniki verbrannt wird“, heißt es in einer Mitteilung von Aksoy.

    Ferner verglich er die griechische Regierung mit einem „launischen Kind, welches in Hysterie verfallen ist, weil in der Hagia Sophia wieder Gebetsteppiche ausgerollt werden“. Laut Aksoy haben „diese nationalistischen Köpfe keine Lehren aus der Geschichte gezogen“. Der Außenamtssprecher verwies auch darauf, dass Athen die einzige Haupstadt Europas ohne eine einzige Moschee sei.

    „Kein Land kann die Türkei in der Frage der nationalen Sou­ve­rä­ni­tät belehren. Die Moschee Hagis Sophia wie auch andere Objekte des nationalen Kulturerbes sind Eigentum der Türkei und stehen unter ihrem Schutz“, erklärte Aksoy.

    Ein türkisches Gericht hatte zuvor den Status der Hagia Sophia als Museum annulliert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ordnete daraufhin an, die „Hagia Sofia Moschee“ für das islamische Gebet zu öffnen. Am Freitag fand dort das erste Gebet seit mehr als 80 Jahren statt.

    Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert erbaut und nach der Eroberung durch die Osmanen 1453 in eine Moschee umgewandelt. 1934 erklärte Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk das Gebäude zum Museum. Das Gebäude im Herzen der Altstadt von Istanbul war einst das größte Gotteshaus der Christenheit und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

    „Zeichen von Schwäche der Türkei“

    Die erneute Umwandlung in eine Moschee stieß international auf Kritik. So erklärte etwa der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell, dass EU-Außenminister diese Entscheidung Ankaras verurteilten und die türkischen Behörden dazu aufrufen würden, sie dringend zu prüfen und rückgängig zu machen. Vor allem aber Griechenland zeigte sich über das Handeln der Türkei empört und sprach von einer Provokation der zivilisierten Welt.

    Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hatte zuvor erklärt, dass die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee kein Zeichen von der Stärke der Türkei sei, sondern ein Beweis für ihre Schwäche. Die Türkei vernachlässige die souveränen Ansprüche Griechenlands und Zyperns und beleidige mit solchen Aktionen die Kultur des 21. Jahrhunderts, so Mitsotakis.

    Laut dem griechischen Außenminister Nikos Dendias besteht die Gefahr, dass „wir die Hagia Sophia als griechisch-türkische Angelegenheit ansehen“, doch sie sei global. Denn es gehe darum, dass Regeln gekippt würden und die Weltgemeinschaft nicht respektiert werde.

    mka/sna/gs

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    Tags:
    Griechenland, Hagia Sophia, Türkei