09:16 04 Dezember 2020
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    Nichts Neues in den Äußerungen von Heiko Maas, der sich im Interview für die „Rheinische Post“ gegen die Wiederaufnahme Russlands in die G7 aussprach, fand der Vizedirektor des Europa-Instituts Wladislaw Below. Die Staatengruppe G7 ist nach Russlands Meinung überholt. Von daher strebt es keine Mitgliedschaft darin mehr an.

    Die G7 werde der aktuellen Weltwirtschaft nicht gerecht, deshalb sei sie nicht das Hauptformat für internationale Beschlüsse, sagte Below im Sputnik-Interview. Es gebe andere internationale Formate, die alternative Sichtweisen zuließen. „Die Position des Herrn Maas im Kontext des von Trump geplanten Treffens, das nicht stattgefunden hat und von dem viele Politiker, darunter auch Angela Merkel, abgesehen haben, ist klar. Innerhalb der G7 selbst verschärfen sich ja auch die Widersprüche.“

    Deutschland sei an das von ihm initiierte Minsker Abkommen gebunden, so der Deutschland-Experte, was auch im Koalitionsvertrag verankert sei. „Fehlen Fortschritte bei der Umsetzung dieses Abkommens, dann fehlen sie auch in dem, weshalb Russland vom kollektiven Westen bestraft wurde, nämlich durch die US- und EU-Sanktionen und den Ausschluss aus der G8.“

    „Der deutsche Außenminister erinnert nur ein weiteres Mal an den Punkt des Koalitionsvertrags“, so Below weiter, „in dem es heißt, dass ein Fortschritt in den Beziehungen zu Russland in den umstrittenen Bereichen erst möglich sein wird, wenn die entsprechenden Bestimmungen des Minsker Abkommens erfüllt sind. Dabei beharrt der kollektive Westen, vertreten diesmal durch Maas, darauf, Russland für alles verantwortlich zu machen, in dem Glauben, es könnte eine Veränderung der ganzen Situation hervorzaubern.“

    „Was die G7 anbetrifft“, hebt der Politologe hervor, „ist zu bedenken, dass Russland mehrmals betont hat, in den Klub der mächtigsten Industrieländer seien neben Russland auch China als ein nicht weniger wichtiger internationaler Akteur sowie Indien aufzunehmen, dann würde auch Brasilien hinzukommen. Russlands Position zur Ausweitung dieses Klubs ist für Washington aber inakzeptabel. Dies wurde inzwischen wieder von Maas bestätigt. Na, wollen Sie einen Klub für westliche Länder gründen, bitteschön. Wir aber werden dann ganz auf die G20 setzen. Das Problem besteht nicht in Russland. Dieser kollektive Westen lehnt alternative Sichtweisen halt ab. Dabei ist die Zusammenarbeit von Staaten in der Weltpolitik gerade dazu da, unterschiedliche Meinungen unter einen Hut zu bringen.“

    Russland brenne ja nicht darauf, in die G8 zurückzukommen, urteilt Below. „Würde es eine Einladung bekommen, müsste es sie nicht unbedingt annehmen. Dabei gelten spezielle Bedingungen. Eine davon ist die Mitgliedschaft Chinas und Indiens. Es könnte eine Art engerer G20-Klub entstehen. Da Sie aber nur einen Gesichtspunkt repräsentieren möchten, können Sie es meinetwegen tun. Gründen Sie einen Klub für sieben, fünf oder vier Staaten und vertreten Sie in ihm Ihre konsolidierte Sicht. Was ließe sich dagegen einwenden? Die G20 hat für Russland mehr Gewicht, weil da unterschiedliche Meinungen vertreten sind. Geht es um die Weltordnung, die politische, die wirtschaftliche, die ökologische usw., ist die G20 viel produktiver, als die G7. Das egoistische Herangehen des kollektiven Westens kann aber nur Bedauern hervorrufen.“

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    Tags:
    Russland, G7, Heiko Maas