19:27 03 Dezember 2020
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    US-Präsident Donald Trump will einen ehemaligen Armeeoffizier, Oberst a.D. Douglas Macgregor, als US-Botschafter nach Berlin schicken. Seine Aufgaben da sind wohl überschaubar. Und wie ist sein Deutschland-Verständnis? Ein Überblick.

    Ein unvollkommener Anhänger von Jesus Christus - so präsentierte sich der Ex-US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, auf Twitter. Der Mann, der ihm jetzt folgen könnte, ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump, aber anders als der fesche Grenell ein Kriegsveteran, laut der Regierungszentrale sogar ein „Experte für Streitkräfteplanung“. Dazu hat Oberst a. D. Dr. Douglas Macgregor noch eine Beratungsfirma Burke-Macgregor Group im Mitbesitz, schreibt Bücher und gilt in den US-Medien wie „Politico“ als Kenner der deutschen Militär- und politischen Geschichte - dafür kann er offenbar Deutsch und veröffentlichte 1989 ein Buch über die Allianz der DDR mit der Sowjetunion.

    Seinerzeit war Macgregor Planungschef für den Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte im Kosovo-Krieg. Für seinen Einsatz im Zweiten Golfkrieg wurde er nach Informationen der Burke-Macgregor Group 1991 mit der Bronze Star Medal ausgezeichnet. Symbolischerweise wäre der Mann die erste Militärfigur als US-Gesandter in Berlin nach dem antisowjetischen Kämpfer Vernon A. Walters in den Jahren 1989 bis 1991.

    Bevor Macgregor aber in Berlin eintrifft, muss der US-Senat dem Wunsch Trumps zuerst zustimmen. Zwar ist Macgregor noch nicht auf Twitter und liefert keine tagtäglichen Statements zu den weltweiten politischen Prozessen. Dafür lässt er sich aber aufgrund seiner Kommentare für Trumps Lieblingssender „Fox News“ einschätzen, wo er immer wieder auftritt. Vor gut zwei Jahren lieferte er da eine klare Position gegenüber Europa und Deutschland ab, die er womöglich bis heute vertritt. So sprach Macgregor von einer seit Jahrzehnten überfälligen Botschaft eines US-Präsidenten, die gerade Trump auf eine positive Weise in seiner Präsidentschaft ausspreche.

    „Wo ist die deutsche Armee? Ohne die deutsche Armee…“

    „Die Europäer genießen dank den USA im Wesentlichen eine kostenlose Verteidigung“, so Macgregor. Das deutsche Problem liege dabei nicht nur in einer mangelnder Finanzierung der Nato - das Land habe „faktisch keine Waffen mehr“, die Streitkräfte Deutschlands seien „hopelessly demoralized“, also hoffnungslos demoralisiert. Dass die Deutschen nicht zwei Prozent des BIP an die Nato zahlen wollen, ist laut dem Veteranen nur ein Teil des Problems. Ein größeres Problem sei es, dass die Deutschen sich nicht verpflichtet fühlen würden, sich selbst zu verteidigen. „Und der Präsident hat einfach gesagt: Schauen Sie, warum sollte der amerikanische Steuerzahler Sie verteidigen, wenn Sie nicht willens sind, sich selbst zu verteidigen? <...> Wo ist die deutsche Armee? Ohne die deutsche Armee ist jede Verteidigung Osteuropas offen gesagt unmöglich“, so Macgregor.

    „Diese Menschen klammern sich verzweifelt an ein Bündnis mit uns“

    Die „einfache“ Frage, warum die osteuropäischen Nationen sich nach dem Mauerfall der Nato mehr als alle westlichen Nationen gewidmet fühlen, hat laut Macgregor ebenfalls „eine einfache Antwort“. 

    „Jeder auf der Welt, der unter russischer Besatzung lebte, einschließlich der Deutschen in den ehemaligen DDR-Gebieten, möchte diese Erfahrung nicht wiederholen. Diese Menschen klammern sich aus den eigenen Interessen verzweifelt an ein Bündnis mit uns, um sich vor dem zu schützen, was sie für einen unvermeidlichen russischen Versuch halten, die Kontrolle über ihre Länder zurückzugewinnen.“

    Viele Beweise würden die Einstellung dieser Menschen stützen, so Macgregor. Das Problem sei, dass sich die Kriegsführung geändert habe. 

    „Wir können Truppen im Baltikum und in Polen nicht dauerhaft stationieren. Würden wir das tun, würden sie von den ersten Schlägen in den frühen Morgenstunden einer zukünftigen Intervention getötet“, äußerte Macgregor.

    Die Amerikaner könnten dann nicht als die ersten reagieren - das sei das grundlegende Nato-Problem in Osteuropa. Trump kenne es sehr gut und wolle die Osteuropäer daher unterstützen. „Er möchte sie stärken und möchte, dass sie ihre eigenen Ersthelfer sind.“

    In dieser Woche sollen die Details über die Truppenabzugspläne der USA für Deutschland bekannt gegeben werden. Rund 9.500 der fast 35.000 US-Soldaten in Deutschland abzuziehen, hatte Trump mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begründet. In dieser Hinsicht wird erwartet, dass Macgregor die Absicht Trumps, die Truppen in Deutschland zu reduzieren, in Erfüllung bringen könnte - oder umgekehrt noch mehr Druck auf Deutschland ausüben würde.

    Nicht zuletzt befürwortet er den von Trump immer wieder beschworenen Truppenabzug aus dem Nahen Osten. Im Januar appellierte er an Trump, die verbleibenden US-Truppen aus dem Irak und Syrien abzuziehen. „Der Krieg ist vorbei, wir haben ihn verloren“, sagte Macgregor gegenüber den „Fox News“. Die USA hätten kein lebenswichtiges strategisches Interesse im Irak oder in Syrien, so der Mann. Und in Deutschland?

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    USA, Deutschland, US-Botschaft, US-Botschafter, Richard Grenell