12:53 29 November 2020
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    Marco Chiesa soll der neue Favorit für die Leitung des Präsidiums der Schweizer Volkspartei sein. Nach vielen Absagen schlägt nun die Findungskommission der Partei den SVP-Ständerat Chiesa als Nachfolger Röstis vor. Auch er hätte einmal bereits abgesagt, doch aus beruflichen Gründen seine Meinung geändert. Die Partei redet von einem „Glücksfall“.

    Bisher ist der Ständerat Marco Chiesa relativ unbekannt in der Deutschschweizer Politik- und Medienlandschaft. Nun sollte sich das ändern, da die Findungskommission der Schweizerischen Volkspartei (SVP) ihn am Donnerstag als Spitzenkandidaten für das Präsidium der Partei vorgeschlagen hat. Nach einer ersten Absage im Februar habe er seine Meinung geändert. Er sei nun von seinem Posten als Leiter eines Altersheims zurückgetreten. Da sich Chiesa jetzt als Ökonom selbstständig machen wolle, könne er auch das Präsidium übernehmen, schreibt die Schweizer Zeitschrift „Tages-Anzeiger“. Zudem hätte er laut dem „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF) nach langen familiären Diskussionen genügend Unterstützung, um sich der neuen beruflichen Herausforderung zu stellen.

    Es wäre das erste Mal, dass ein SVP-Mitglied, welches nicht aus dem deutschsprachigen Teil der Schweiz kommt, Präsident wird. Gerade im Kanton Tessin ist die SVP bei weitem nicht die stärkste Kraft. Zwar hätte Chiesa bisher schon gute Aufbauarbeit geleistet, dennoch sehe die Partei großen Bedarf darin, sich in der italienischsprachigen Schweiz auszuweiten. In diesem Sinne sei dies ebenfalls ein Vorzug Chiesas. Der Alt-Nationalrat Caspar Baader, Leiter der Findungskommission, sehe Chiesa als einen „Glücksfall“ und „Wunschkandidaten“ an, so der „Tages-Anzeiger“. Zudem sei er auch jünger als sein Konkurrent Alfred Heer, was ihm laut Baader ebenfalls einen Vorteil verschaffe.

    Inhaltlich stehe der Ständerat sehr nahe am bisherigen Präsidenten Rösti – er befinde sich nämlich auf der „harten SVP-Linie“, wie der „Tages-Anzeiger“ schreibt.  Im Umgang sei dieser – anders als gewöhnlich für Parteimitglieder der SVP – ziemlich konziliant. Das störe ihn jedoch nicht, so das SRF, denn er möchte gerne als „Sympathieträger“ betrachtet werden. Dazu meint Chiesa noch: „Für mich ist der Kontakt mit Menschen grundlegend – sie sind unser Arbeitgeber und wir Politiker müssen uns nicht als Elite fühlen.“

    Wenig Konkurrenz für Chiesa

    Bisher sei einzig der SVP-Nationalrat Alfred Heer als Kandidat für den Nachfolgersitz Röstis angetreten. Er habe laut einem Bericht des SRF seit Anfang Februar als Kandidat für die Präsidentenstelle bereitgestanden. Jedoch wurde Heer immer schon zwiespältig angesehen: Er nehme kein Blatt vor den Mund und traue sich, die Parteileitung offen zu kritisieren. Zudem hätte Heer für die kommende Abstimmung keine Empfehlung von der Findungskommission, was seine Chance deutlich senke.

    Laut dem SVP-Parteimitglied Magdalena Martullo-Blocher ist das Amt kein einfaches: „Diese Person trägt viel Verantwortung, das Amt braucht Zeit. Man sollte die Sprachen gut beherrschen. Man sollte die Dossiers der Bundespolitik gut kennen.“ Sie selbst hätte eine Kandidatur abgelehnt, genauso wie eine lange Liste anderer Parteimitglieder. Sogar der Nationalrat Andreas Glarner, lange die einzige Alternative zu Alfred Heer, habe seine Kandidatur zurückgezogen – die Begründung dafür sei, dass er die Kandidatur Chiesas unterstützen wolle.

    lm

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