06:34 22 Oktober 2020
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    Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Matsui, hat die Regierung in Tokio aufgerufen, dem UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen beizutreten. Japan müsse „seine Rolle als Vermittler“ zwischen Atomwaffenstaaten und denen, die keine Atomwaffen besitzen, verstärken, forderte er in seiner Rede zum 75. Jahrestag des US-Atombombenabwurfs auf Hiroshima.

    Vor drei Jahren hatten sich zwei Drittel der Mitgliedsländer der Vereinten Nation auf diesen Vertrag verständigt. Bislang haben ihn jedoch erst 32 Staaten ratifiziert. Damit er in Kraft treten kann, müssen ihn 50 Länder ratifizieren.

    Atommächte wie Großbritannien, Frankreich, Russland, China und die USA haben den Vertrag nicht unterzeichnet. Genauso wie Japan und Südkorea, die unter dem atomaren Schutzschild der USA stehen. Auch die Nato-Staaten lehnen den UN-Atomvertrag ab. Er drohe die Abrüstungsbemühungen im Rahmen des vor 50 Jahren in Kraft getreten Atomwaffensperrvertrags (NPT) zu unterlaufen, warnten Kritiker. 

    Es sei sinnvoller, mit den Atomwaffenstaaten über konkrete Abrüstungsschritte zu sprechen, hatte Bundesaußenminister Heiko Maas erst im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Hiroshima erklärt. Am vergangenen Mittwoch warnte Maas vor einer neuen Runde des atomaren Wettrüstens

    „Die nukleare Abrüstung stagniert. Neue Technologien lassen gefährliche Ungleichgewichte entstehen“, sagte der Politiker in Berlin. Nordkorea fordere mit seinem Griff nach Atomwaffen die ganze Weltgemeinschaft heraus. Deshalb müsse 75 Jahre nach der Katastrophe von Hiroshima ein „neuer Impuls für Rüstungskontrolle und nukleare Abrüstung“ ausgehen.

    Japan hatte den NPT 1976 ratifiziert, will dem neuen UN-Vertrag aber ebenfalls nicht beitreten. Regierungschef Shinzo Abe ging in seiner Rede am 75. Jahrestag in Hiroshima auch nicht auf den Vertrag ein. Er sagte aber, Japan habe als einziges Land, das Opfer von Atombomben im Krieg war, die Pflicht, weiter auf eine Abschaffung von Nuklearwaffen hinzuarbeiten. Japan werde alles tun, um eine Welt in dauerhaftem Frieden und frei von Atomwaffen zu realisieren.

    Gedenktag nach amerikanischem Atom-Angriff auf Hiroshima und Nagasaki 

    Um 08.15 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt, als der US-Bomber Enola Gay die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Namen „Little Boy“ über Hiroshima abgeworfen hatte, legten die Menschen in Hiroshima eine Schweigeminute ein. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Gedenkzeremonie diesmal kleiner abgehalten. Die Teilnehmer trugen überwiegend Masken und mussten Abstand voneinander halten.

    Zehntausende Bewohner von Hiroshima waren beim Abwurf der amerikanischen Atombombe damals sofort ums Leben gekommen, insgesamt starben bis Ende 1945 schätzungsweise 140.000 Menschen. Drei Tage nach Hiroshima warfen die USA eine zweite Atombombe über Nagasaki ab. Kurz danach kapitulierte das japanische Kaiserreich. 

    om/sb/dpa 

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    Tags:
    Abrüstung, Vertrag, Uno, Nagasaki, Hiroshima, Bombardements, USA, Atomwaffen, Japan