22:48 27 September 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    5542316
    Abonnieren

    Der Grünen-Außenpolitiker Jürgen Trittin hat die Sanktionsdrohungen der USA gegen den Hafen Sassnitz-Mukran wegen der Gaspipeline Nord Stream 2 als „wirtschaftliche Kriegserklärung“ eingestuft. Deutschland sollte aus seiner Sicht Gegenmaßnahmen treffen.

    „Die Unsitte amerikanischer Drohbriefe an deutsche Unternehmen nimmt Überhand“, sagte der frühere Bundesumweltminister gegenüber der dpa. Die Drohung republikanischer Senatoren gegen den Hafen sei nach Europa- und Völkerrecht illegal.

    „Die Einmischung in die Souveränität Deutschlands und der Europäischen Union hat eine nie gekannte Aggressivität erreicht, die nicht unbeantwortet bleiben darf“, so Trittin. „Die Unternehmen, die mit diesem Projekt befasst sind, brauchen Schutz vor den Wild-West-Methoden aus Washington.”

    Trittin forderte die Bundesregierung auf, mit der „Leisetreterei gegenüber der US-amerikanischen Seite” aufzuhören. „Deutschland und auch die EU müssen eine robuste Antwort auf dieses Verhalten der USA finden. Dazu kann die Androhung eigener Sanktionen gehören – wie zum Beispiel des Imports von Fracking-Gas aus den USA“, schlug er vor. 

    Trittin wies darauf hin, dass der Hafen Sassnitz sich im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Angela Merkel befindet. „Es ist nur schwer zu begreifen, wie diese den Beschäftigten des Hafens ihr fortgesetztes Nichthandeln erklären will.“

    US-Drohbrief

    Drei US-Senatoren hatten dem Hafen auf Rügen in einem Brief mit schweren Sanktionen gedroht. „Den Vorstandsmitgliedern, leitenden Angestellten und Aktionären der Fährhafen Sassnitz GmbH wird die Einreise in die Vereinigten Staaten untersagt, und jegliches Eigentum oder jegliche Eigentumsbeteiligung, die sie in unserem Zuständigkeitsbereich haben, wird eingefroren“, hieß es. 

    Nord Stream 2 

    Das Projekt Nord Stream 2 sieht den Bau von zwei Pipelinesträngen von der russischen Küste durch die Ostsee nach Deutschland vor. Der russische Staatskonzern Gazprom ist mit 50 Prozent beteiligt. Die andere Hälfte finanzieren fünf europäische Energieunternehmen: Wintershall Dea, OMV sowie Uniper, Royal Dutch Shell und Engie. Die USA wollen das Projekt verhindern, weil es mit ihrem Flüssigerdgas konkurriert.

    Die Pipeline ist zu 94 Prozent fertig. Von den insgesamt 2460 Kilometern – die sich ergeben, weil die 1230 Kilometer lange Pipeline aus zwei parallelen Strängen besteht – fehlen nur noch gut 150: etwa 120 in dänischen und mehr als 30 in deutschen Gewässern.

    ao/sb/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Lage in Bergkarabach spitzt sich zu: Moskau ruft zur Feuereinstellung und zu Verhandlungen auf
    Paschinjan-Putin-Telefonat : „Eskalation in Bergkarabach muss verhindert werden“
    Angezeigt, remonstriert, suspendiert! Polizist kämpft gegen Corona-Politik
    Tags:
    Deutschland, Nord Stream 2, Kriegserklärung, Drohungen, US-Sanktionen, Jürgen Trittin