20:20 24 November 2020
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    Für das US-Militär wird es brandgefährlich auf syrischem Boden. Die Angriffe auf amerikanische Konvois und Stützpunkte mehren sich. Beschossen werden die Amerikaner nicht nur von Dschihadisten: Mittlerweile begehrt die syrische Bevölkerung gegen die Besatzer auf, während weitere Kräfte im Hintergrund wirken.

    Inzwischen ist es nicht unüblich: Ein syrischer Stützpunkt des US-Militärs wird mit Raketen beschossen, wie dieser Tage in der Provinz Hasaka im Nordosten Syriens. Die Amerikaner haben 60 Kilometer südlich der Provinzhauptstadt Al-Hasaka illegal einen Flugplatz für Kampf- und Transportflugzeuge aufgebaut. Der Angriff sei von „unbekannten bewaffneten Einheiten“ geführt worden, berichten syrische Medien.

    Die Amerikaner werden in Syrien seit Monaten immer wieder beschossen, die Truppe erleidet Verluste. Ein Vorzugsziel der „unbekannten Einheiten“ sind die Patrouillen der US-Armee. So wurde Ende Mai ein Konvoi mit amerikanischen Soldaten und Kämpfern der „Demokratischen Kräfte Syriens“ (DKS) im Gouvernement Deir ez-Zor von einem Trupp mit schweren Sturmgewehren und Granaten angegriffen. Drei Amerikaner und fünf DKS-Kämpfer wurden verwundet.

    Russische Militärpatrouille in Idlib
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands / Handout
    Vorher, im April dieses Jahres, hatte es in der Provinz Hasaka eine ganze Serie von Angriffen gegen amerikanische Truppen gegeben. Unbekannte hatten einen gepanzerten Hummer beschossen, mit dem amerikanische Soldaten und DKS-Mitglieder unterwegs waren. Mehrere Personen wurden verletzt. Bei einer ähnlichen Attacke in Deir ez-Zor starben ein US-Offizier und mehrere Kämpfer der „Demokratischen Kräfte“. Nach einem weiteren Überfall dieser Art sind zwei Angehörige des US-Militärs verschwunden: Ihr Verbleib ist bis heute nicht aufgeklärt.

    Häufig detonieren Sprengfallen auf dem Weg der Patrouillen. Erst letzten Monat ist in der Stadt Sabha ein amerikanischer Konvoi auf diese Weise angegriffen worden. Oftmals werden die Konvois von Selbstmordattentätern mit sprengstoffbeladenen Fahrzeugen überfallen.

    Die bisher größten Verluste trugen die Amerikaner im Januar letzten Jahres: In Manbidsch im Norden Syriens zündete ein Selbstmordattentäter eine Sprengladung in der Nähe einer Fußpatrouille: Zwei Amerikaner starben – ein Mitarbeiter des Pentagons und ein Söldner. Das Pentagon selbst dementiert die meisten Berichte über Angriffe gegen US-Truppen in Syrien als Fakes.

    Kampf um Ressourcen

    Hinter den Angriffen auf die US-Armee und ihre Verbündeten in Syrien stecken die lokalen Stammesgruppen, erklärt Militärexperte Juri Ljamin im Sputnik-Gespräch. „Es sind arabische Stämme aus dem Osten und Nordosten Syriens.“ Sie wollten sich mit der US-Besatzung nicht abfinden. 

    „Im Moment stehen die US-geführten Kurden über den Arabern, die Araber wollen aber, dass Damaskus die Region kontrolliert. Daher kommen die Spannungen.“

    Die Stämme seien meistens ebenso gut bewaffnet wie trainiert, erklärt der Experte: „Das Land ist seit Jahren im Krieg, Waffen hat die Bevölkerung mehr als genug. Nicht nur Schusswaffen – auch Granatwerfer, schwere Maschinengewehre bis hin zu Artillerieraketen aus chinesischer und arabischer Fertigung, die in Syrien und Irak weitverbreitet sind.“

    Aber es gibt noch ganz andere Hinweise, woher die Angriffe gegen die US-Truppen kommen könnten: Zwischen amerikanischen Interessengruppen finde ein Kampf um die syrischen Ressourcen statt, erklärt der Politologe und Wirtschaftswissenschaftler Alexander Perendschijew im Sputnik-Gespräch: „Wäre die syrische Armee für die Attacken verantwortlich, hätte das Pentagon die Angriffe längst an die ganz große Glocke gehängt. Wenn aber das Pentagon von unbekannten Einheiten spricht, dann soll damit so etwas wie ein interner Machtkampf verborgen werden.“

    Ein Machtkampf innerhalb der Amerikaner selbst: „Die Besatzer sind mittlerweile aneinandergeraten. Das Pentagon auf der einen Seite, diverse Wirtschaftskreise mit privaten Söldnerfirmen auf der anderen. Es ist absolut möglich, dass diese auch die Terroristen bewaffnen“, sagt der Experte. „Die verdeckten Angriffe gegen US-Truppen sind ein Indiz dafür, dass der Kampf um syrische Ressourcen sich zuspitzt.“ Das Pentagon sei dabei „keine selbstständige Kraft“, sondern stehe im Dienst bestimmter Gruppen aus den USA.

    Aufbegehren des Volkes

    Eine weitere Gefahr für die US-Truppen in Syrien ist der Aufstand des syrischen Volkes mit dem Ziel, das Land von Invasoren zu befreien. Gründe zur Ablehnung der amerikanischen Besatzer hat das syrische Volk reichlich.

    Im Juni organisierten Einwohner der Stadt Tall Abyad in der Provinz Hasaka eine Kundgebung an einem Grenzübergang, um illegale Ausfuhren von Weizen aus Syrien zu stoppen. Das syrische Außenministerium hatte am Vortag erklärt, protürkische Kämpfer und US-verbündete Banden hätten Getreidefelder absichtlich in Brand gesetzt, um die Lage in Syrien weiter zu destabilisieren. Die amerikanische Militärführung und ihre Verbündeten würden die humanitäre Lage im Norden Syriens vorsätzlich verschlimmern, um die Bevölkerung gegen die Zentralregierung in Damaskus aufzubringen.

    Syrische Bürger sterben häufig durch Verschulden der Amerikaner. Im Mai erschossen US-Soldaten einen Autofahrer in der Provinz Deir ez-Zor, weil dieser unweit eines Ölfeldes von einer Hauptstraße abgebogen war. Die Amerikaner werteten dies als Möglichkeit eines Angriffs und schossen gezielt auf das Auto.

    Im Februar kam es zu einem Vorfall an einem Kontrollposten unweit der Stadt Qamischli. Syrische Militärs hielten einen amerikanischen Konvoi an, weil dieser einer Route folgte, die nicht abgestimmt worden war. Die Amerikaner provozierten einen Konflikt mit den Einheimischen, Soldaten schossen wahllos auf die Zivilisten: Ein 14-Jähriger starb, eine andere Person wurde verletzt. Erst durch die Einmischung russischer Soldaten konnte die Lage beruhigt werden: Die russische Einheit eskortierte den Konvoi zum Stützpunkt zurück.

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    Tags:
    Rebellen, Besatzung, USA, Syrien