19:58 24 November 2020
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    Hochrangige russische Militärs haben ein Dokument veröffentlicht und die USA gewarnt: „Ballistische Raketen mit dem Ziel Russland werden von uns als atomare Angriffe gewertet“. Eine russische Militär-Zeitung hat das Militär-Dokument begutachtet und darüber berichtet, ein US-Magazin hat kommentiert. Sputnik hat sich beide Beiträge angesehen.

    Wie aus einem Bericht der russischen Militärzeitung „Krasnaja Swesda“ vom vergangenen Freitag sowie aus einer aktuellen Meldung des US-amerikanischen Militär-Nachrichtenmagazins „Military Times“ hervorgeht, veröffentlichte in den letzten Tagen die oberste Führung des Militärs Russlands einen recht brisanten Report.

    „Russland wird fortan jede auf sein Territorium abgefeuerte ballistische Rakete als einen Atomangriff betrachten, der wiederum eine nukleare Vergeltung rechtfertigt. So warnte das russische Militär in einem am Freitag veröffentlichten Artikel.“ Das berichtete „Military Times“ am Montag, bezugnehmend auf den russischen Original-Artikel.

    Zum Hintergrund der Quellen: Die erwähnte russische Zeitung wurde noch zu sowjetischer Zeit gegründet und kann mit „Roter Stern“ übersetzt werden. Sie gilt heutzutage als Zentralorgan des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation. Das US-Militärmagazin ist nach eigener Aussage nicht US-regierungsnah, richtet sich allerdings vornehmlich an aktive und ehemalige Militärangehörige der US-Streitkräfte.

    Eine russische Su-27 begleitet ein US-Aufklärungsflugzeug über der Ostsee
    © Sputnik / Verteidigungsministerium Russlands / Handout

    Die jetzt vom russischen Militär ausgesprochene Warnung an die USA sei vor dem Hintergrund der veröffentlichten „russischen Nuklear-Abschreckungspolitik im Juni“ zu verstehen, kommentierte das US-Militärmagazin. Die neue Moskauer Doktrin sehe „den Einsatz von Atomwaffen als Reaktion auf einen konventionellen Schlag gegen system-relevante Regierungs- und Militär-Infrastrukturen“ der Russischen Föderation vor. Diese Doktrin bestätigte Maria Sacharowa, Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, bereits im Frühjahr dieses Jahres.

    Im besagten, aktuellen russischen Report „stellen hochrangige Offiziere des Generalstabs des russischen Militärs – darunter Generalmajor Andrei Sterlin und Oberst Alexander Khryapin – fest, dass es keine Möglichkeit gibt, zu prüfen, ob eine ankommende ballistische Rakete mit einem nuklearen oder einem konventionellen Sprengkopf ausgestattet ist.“ Auf dieser Grundlage müsse das russische Militär eben solche auf Russland zufliegende Objekte „als Atomangriffe werten“, der die staatliche Existenz der Russischen Föderation bedrohe.  

    Das Wort des zitierten Generalmajors Sterlin hat Gewicht, er ist Chef der Hauptverwaltung für operative Führung des Generalstabs Russlands.

    Die russische Militärdoktrin enthalte detaillierte Beschreibungen von Szenarien und Situationen, „die den Einsatz von Atomwaffen auslösen könnten. Einschließlich des Einsatzes von Atomwaffen oder anderen Massenvernichtungswaffen gegen Russland oder seine Verbündeten.“

    „Jede angreifende Rakete wird als mit einem Atomsprengkopf tragend wahrgenommen“, heißt es weiter in dem Militär-Report. „Die Informationen über den Raketenstart werden automatisch an die militärpolitische Führung Russlands weitergeleitet, die den Umfang der Vergeltungsmaßnahmen der Nuklearstreitkräfte in Abhängigkeit von der sich entwickelnden Situation festlegt.“

    Dieses von der russischen Militär-Führung vorgebrachte Argument spiegelt laut „Military Times“ Russlands „langjährige Besorgnis wider, dass Washington die Möglichkeit haben könnte, wichtige militärische Ziele und staatliche Einrichtungen auszuschalten, ohne dabei Atomwaffen einzusetzen.“ Sprich: Durch konventionelle Waffeneinsätze. Neuartige Hyperschallwaffen werden in dem Zusammenhang nicht explizit genannt, dürften aber bei dieser Lageeinschätzung auch eine Rolle spielen.

    Darüber hinaus heißt es weiter in dem russischen Militär-Dokument, das der russischen Militär-Zeitung „Krasnaja Swesda“ vorliegt, dass Russland sein nukleares Arsenal nutzen und zum Einsatz bringen könne, wenn es „zuverlässige Informationen“ über den Start ballistischer Raketen erhält.

    Diese Flugkörper müssten dann aber tatsächlich auch auf russisches Territorium oder auf die Staatsterritorien russischer Verbündeter zielen.

    Russische Beamte im Militär- und Sicherheitsapparat zeigen sich laut dem Beitrag besorgt über „das von den USA organisierte Raketenabwehrprogramm und Washingtons Pläne, Waffen in die Erdumlaufbahn zu bringen. Sie stufen dies als größte Bedrohung ein und argumentierten, dass diese neue Fähigkeit die USA dazu verleiten könnten, Russland ungestraft zu treffen, in der Hoffnung, einen Vergeltungsschlag abzuwehren.“

    Russland habe „die roten Linien“ festgelegt, nach denen Moskau militärische Bedrohungen aus der Luft bewertet, zieht die russische Militär-Zeitung ein Fazit:

    „Wenn ein potenzieller Gegner (beispielsweise die USA, Anm. d. Red.) dies wagt, wird die Antwort zweifellos verheerend sein. Die Einzelheiten der Vergeltungsmaßnahmen (…) werden je nach Situation von der militärpolitischen Führung Russlands bestimmt und eingeleitet.“

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    Tags:
    Nuklearschlag, Raketen, Weltraum, USA, Russland