22:08 27 September 2020
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    Was hat zur Unterzeichnung des Abkommens zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen geführt? Wer profitiert davon? Welches Land könnte dem Beispiel Abu Dhabis folgen? Sputnik unterhielt sich mit mehreren Experten über die jüngste Vereinbarung.

    Israel und die VAE verständigten sich am Donnerstag unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump auf die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen. Israel wird der gemeinsamen Erklärung zufolge dafür im Gegenzug bestimmte Ansprüche auf von Palästinensern bewohnte Gebiete im Westjordanland aufgeben.

    „Verrat“ an Palästinensern

    Ashraf al-Ajramy, Experte im Bereich israelisch-palästinensischer Beziehungen, sieht im Abkommen eine direkte Bedrohung, sowohl für den Unabhängigkeitskampf Palästinas als auch für die arabische Einheit in dieser Frage.

    „Die Emirate waren immer eines der Länder, die behaupteten, dass sie sich in den Verhandlungen mit Tel Aviv nichts abdingen lassen würden, bis dieses nicht zu den Grenzen von 1967 zurückkehrt. Die VAE haben im Grunde Palästina verraten und ihm das Recht auf eigene Territorien und eigenen Staat mit einer Hauptstadt in Ostjerusalem genommen“, so al-Ajramy.

    Der Schritt Abu Dhabis untermauere die arabische Friedensinitiative. Außerdem sei es ein „Verrat“ an palästinensischen Flüchtlingen, denen der Weg nach Hause nun versperrt sei.

    VAE an Zusammenarbeit mit Israel interessiert

    Laut dem Brigadegeneral a. D. der VAE-Armee, Khalfan al-Kaaby, handelte Abu Dhabi „im Einklang mit seinen nationalen Interessen“. Diesen entspreche derzeit die Herstellung der Beziehungen mit Israel, einem „großen regionalen Akteur“.

    „Beide Länder können einander etwas im Bereich der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, der Industrieentwicklung sowie der Hochtechnologien vorschlagen. Es ist ineffektiv, diese Zusammenarbeit nicht zustandekommen zu lassen, und die VAE-Führung versteht das sehr gut.“

    Der Experte betonte außerdem, dass die Emirate „nicht das erste arabische Land“ seien, das diplomatische Beziehungen mit Israel aufgenommen habe. Ägypten und Jordanien hätten zuvor diesen Schritt getan.

    USA als der größte Sieger?

    Aus der Sicht von Abdel Bari Atwan, Chef-Redakteur der arabischen Online-Zeitung „Rai Al-Youm“ mit Sitz in London, profitierten vor allem die Vereinigten Staaten vom Abkommen zwischen den VAE und Israel.

    „Davon, wie unerwartet und schnell die Entscheidung getroffen wurde, wie sie zuerst in Washington verkündet wurde, bekommt man den starken Eindruck, dass die USA nicht einfach die vermittelnde Rolle gespielt hatten. Sie sind auch der wichtigste Begünstigte der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen.“

    Der vom US-Präsidenten Donald Trump vorgestellte Nahost-Plan, der Israel die Möglichkeit bietet, die Palästinenser-Gebiete im Westjordanland zu annektieren, werde offenbar scheitern, so der Journalist. Deshalb versuchen die USA, mindestens den wirtschaftlichen Teil des Plans zu verwirklichen, und üben aktiv Druck auf die Länder der Region aus.

    „Dazu noch müssen sowohl Trump als auch (der israelische Ministerpräsident Benjamin – Anm. d. Red.) Netanjahu irgendwie Proteste in ihren Ländern beruhigen – deswegen sind die nach der Pandemie unter wirtschaftlichen Problemen leidende Monarchien für sie nützlich geworden.“

    Atwan vermutete, dass Bahrain und der Oman sowie der Sudan und Saudi-Arabien bald dem Beispiel Abu Dhabis folgen würden. Wir seien „an der Schwelle einer komplexen Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den Ländern des Persischen Golfs“.

    „Deal des Jahrhunderts“

    Dem im Januar von Donald Trump vorgestellten Plan zufolge soll Jerusalem die einheitliche und unteilbare Hauptstadt Israels sein, wobei das Problem der Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge zur Seite geschoben wird. Der Plan bietet Israel die Möglichkeit, die Palästinenser-Gebiete im Westjordanland zu annektieren und seine Souveränität über das Jordantal auszuweiten, schlägt aber auch vor, einen demilitarisierten Palästinenser-Staat zu gründen, der keine Kontrolle über seine Grenzen und seinen Luftraum ausüben soll.

    Seine Absicht, die Siedlungen im Westjordanland zu annektieren, gab Netanjahu Anfang September 2019 bekannt. Der Premier bezeichnete diese Region als kritisch wichtig für die Sicherheit Israels.

    Die Palästinenser und eine Reihe arabischer Länder akzeptierten den als „Deal des Jahrhunderts“ bekannten Plan des Weißen Hauses nicht, da er ihrer Meinung nach den Palästinensern das Recht auf die in UN-Resolutionen festgelegten Gebiete entzieht. Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, lehnte den neuen Plan ebenfalls ab und erklärte, dass die Palästinenser auf der Anerkennung ihres Staates in den Grenzen von 1967 mit der Hauptstadt Jerusalem bestehen würden.

    Die Palästinenserführung lehnte am Donnerstag das Abkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen ab. Der palästinensische Außenminister Riad Malki verkündete die Abberufung des Botschafters aus den VAE.

    mo/mt/sna

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    VAE, Israel