13:48 29 September 2020
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    Die amerikanische Space Force hat ihre Doktrin nunmehr offiziell veröffentlicht. Die Mission der neuen Teilstreitkraft der USA ist laut Experten durch und durch aggressiv. Das Ziel ist die totale Kontrolle über den erdnahen Orbit.

    Das 64-seitige Dokument der US Space Force holt weit aus, um die eigene Mission zu veranschaulichen: Seit Urzeiten hätten Feldherren in Kriegen alles dafür getan, um vor einer Schlacht eine Anhöhe zu besetzen und den Gegner damit durch bessere Übersicht über das Schlachtfeld und die Unverwundbarkeit der eigenen Stellung zu übervorteilen. Die in diesem Sinne günstigste Position sei im 21. Jahrhundert der erdnahe Orbit. Den zu kontrollieren, sei Sache der amerikanischen Weltraumtruppe.

    Kriegsverbundene Fähigkeiten jenseits der Erdatmosphäre sind dem Pentagon so wichtig, dass der Weltraum nicht als Teilgebiet eines größeren Zuständigkeitsbereichs einer Streitkraft definiert wird, sondern als eigene Domäne. Um die Überlegenheit im Erdorbit zu erlangen, müsse die Space Force aggressiv vorgehen, heißt es im Dokument. Man müsse vorpreschen:

    „Offensivoperationen zielen auf die Weltraumfähigkeiten und -systeme der gegnerischen Weltraumabwehr ab, auf die Verringerung der Effektivität und der Todeswirkung der gegnerischen Kräfte“, betonen die Autoren der Doktrin. Es gehe um die „Möglichkeit einer rechtzeitigen Neutralisierung der Weltraummissionen feindlicher Staaten“. Die Weltraumtruppe sei berufen, diese zu erzwingen.

    Es ist nicht die gegnerische Raketenabwehr allein, die die Space Force aus dem Erdorbit ins Visier nehmen soll. Es ist die „gesamte Fähigkeit des Gegners zur Satellitenabwehr“. Damit das „Bedrohungsrisiko“ minimiert und die „Angriffsfähigkeiten des Gegners“ neutralisiert werden könnten, stattet das Pentagon seine Weltraumtruppe auch mit dem Recht zu „Präventivmaßnahmen“ aus. Die USA und ihre Verbündeten sollen vom Erdorbit aus Schlagfähigkeit projizieren können, um Gegner und Rivalen zu erwünschten Verhaltensänderungen zu veranlassen.

    Für den schnellen Datenaustausch auf taktischer, operativer und strategischer Ebene braucht die Space Force laut der Doktrin einen leistungsfähigen Satellitenverbund. Als Grundlage amerikanischer Weltraumpräsenz sind Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten vorgesehen. Für Fracht- und Personaltransporte plant die Space Force, mehrfachverwendbare Raumschiffe einzusetzen.

    Schon heute sind die wichtigsten Führungs-, Navigations-, Aufklärungs- und Kommunikationsfähigkeiten des Militärs an den Weltraum gebunden. Die Nato hat inzwischen an die tausend Weltraumgeräte mit militärischer oder doppelter (ziviler und militärischer) Funktion im Erdorbit stationiert. Aus dem Verhalten dieses „Orbitalgruppe“ genannten Verbunds lassen sich militärische Absichten des Gegners ablesen. Beispielsweise ist es somit möglich, einen offensiven Luft- und Raketenschlag mit hoher Präzision vorauszusagen.

    Deshalb ist es den US-Strategen ausgesprochen wichtig, dass mögliche Gegner und Rivalen keinerlei Daten über die amerikanische Orbitalgruppe gewinnen können. Zu diesem Zweck arbeitet DARPA, die Forschungseinrichtung des Pentagons, seit einigen Jahren an einem Programm namens „Blackjack“, in dessen Rahmen 200 Kleinsatelliten im Erdorbit stationiert und zu einer Einheit vernetzt werden sollen. Die geringen Abmessungen dieser Geräte sollen deren Ortbarkeit durch die Satellitenabwehr erschweren und die hohe Anzahl die Bekämpfung beeinträchtigen. Die Stationierung soll nach Pentagon-Plänen 2022 erfolgen.

    Doch mit Aufklärungssatelliten allein wird sich das Pentagon sicherlich nicht begnügen. In der Doktrin ist davon zwar keine Rede, aber viele Experten sehen das Risiko, dass die amerikanische Space Force früher oder später auch kampffähige Geräte im erdnahen Orbit stationiert. Das sagt auch Militärforscher Alexej Podbereskin, Direktor des Zentrums für militär-politische Studien an der Hochschule MGIMO: „Möglich sind Angriffswaffen mit beliebiger Wirkungsweise – elektromagnetisch, kinetisch, als Laser. Oder man stelle sich vor, dass über der Erde ein Satellit kreist, in dessen Frachtraum fünf bis sechs Kubikmeter Giftstoff geladen sind. Auf Knopfdruck öffnet sich der Laderaum, das giftige Zeug fällt auf Menschenköpfe herab. Das ist nur eine theoretische Möglichkeit, als Beispiel.

    Was der Experte fürchtet und kommen sieht, ist ein neuerliches Wettrüsten – diesmal im Weltraum: „Wenn Waffen im Weltraum stationiert werden, verringert sich die Flugzeit bis zum Ziel erheblich. Die komplette Verteidigung baut heute darauf auf, dass Raketen im Anflug rechtzeitig erkannt und bekämpft werden, bevor sie einschlagen. Werden Satelliten mit Sprengköpfen ausgestattet, schrumpft die Anflugzeit auf das Minimum.“

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    Tags:
    Weltraumtruppen, USA