20:18 24 November 2020
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    Diese Begrüßung war wohl etwas zu hart: Andreas Kalbitz, früherer AfD-Chef in Brandenburg, knuffte seinen „Nachfolger“ Dennis Hohloch (AfD) aus Spaß in die Seiten. Dieser empfing das wie einen Boxschlag – und musste wegen Milzriss ins Krankenhaus. Juristisches Nachspiel droht. Kalbitz will sich außerdem in seine Ex-Partei zurückklagen.

    Der kommissarische Fraktions-Chef der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag, Dennis Hohloch, „liegt mit inneren Verletzungen im Krankenhaus.“ Das berichten Medien seit Montag, zuerst das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. 

    „Auslöser dafür war ein unkontrolliert heftiger Schlag in die Seite durch Andreas Kalbitz, den zurzeit aus der Partei ausgeschlossenen Ex-Landeschef. (…) Der Parlamentarische Geschäftsführer der Brandenburger AfD-Fraktion, Hohloch, liegt nach einem speziellen Arbeitsunfall in einem Berliner Krankenhaus. Er ist bereits auf dem Weg der Besserung.“

    Nach Mittagspause versehentlich „geboxt“

    Der kuriose Unfall ereignete sich demnach „vor einer Woche“ in den Fraktionsräumen der AfD im Postdamer Landesparlament. „Ursächlich für die Verletzungen ist anscheinend ein Begrüßungsboxschlag (von Kalbitz, Anm. d. Red.) in die Seite des 31-Jährigen, der unbeabsichtigt heftig ausfiel.“

    AfD-Abgeordnete und deren Mitarbeiter waren demnach „gerade vom Mittagessen zurückgekehrt, Hohloch saß im Büro eines Fraktionskollegen im Gespräch. Kalbitz habe die Tür geöffnet und Hohloch statt einer Begrüßung unkontrolliert heftig in die Seite geboxt. Schon kurze Zeit später klagte Hohloch über heftige Magenschmerzen. Ärzte stellten am folgenden Tag innere Verletzungen fest.“

    Die Verletzung des loyalen Kalbitz-Vertreters Hohloch schlage große Wellen in der AfD-Gerüchteküche.“ Von „Prügelei“, sogar Streit, sei die Rede. Klar sei jedoch: „Streit gab es keinen, eine Verletzungsabsicht auch nicht.“ Aus dem direkten Umfeld von Kalbitz hieß es, dass die Verletzung von Hohloch auf eine „Verkettung unglücklicher Umstände“ zurückgehe.

    Politischer Hintergrund – Staatsanwaltschaft ermittelt

    Das weitere Kuriosum an dem Zwischenfall: Der unbeabsichtigt Verletzte vertritt Kalbitz als Fraktionschef. „Der 47-jährige lässt sein Spitzenamt in der Potsdamer Landtagsfraktion ruhen, solange er aus der Partei ausgeschlossen ist. Das AfD-Bundesschiedsgericht hatte seine Mitgliedschaft für ungültig erklärt, da Kalbitz beim Parteieintritt 2013 verschwiegen hat, dass er früher ‚Mitglied der Republikaner‘ und der, inzwischen verbotenen, rechtsextremen ‚Heimattreuen Deutschen Jugend‘ (HDJ) war.“ Die HDJ-Mitgliedschaft streitet Kalbitz ab. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sei allerdings überzeugt, dass eine „Familie Andreas Kalbitz“ dort als Mitglied registriert gewesen sei.

    Gegenüber der „Berliner Zeitung“ erklärte der seit einigen Monaten umstrittene Kalbitz:

    „Natürlich bedauere ich dieses Missgeschick sehr und diese Verkettung unglücklicher Umstände.“

    Es soll ein „freundschaftlicher Schlag gewesen sein, den Kalbitz seinem Kollegen Hohloch verpasste – der landete mit Milzriss in einer Klinik.“ Das berichtete der Berliner „Tagesspiegel“ am Dienstag und brachte weitere Neuigkeiten zu dem Fall:

    „Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat ein Ermittlungsverfahren gegen den aus der AfD ausgeschlossenen Politiker Andreas Kalbitz eingeleitet.“ Dies sagte ein Behördensprecher der Zeitung am Dienstagvormittag. „Wir haben nach der Presseberichterstattung entschieden, Ermittlungen einzuleiten“, so der Sprecher. „Wir prüfen, ob eine Straftat vorliegt.“ Es gehe um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung.

    Die Staatsanwaltschaft sei gesetzlich verpflichtet, bei Hinweisen auf mögliche Straftaten Ermittlungen einzuleiten. Dies sei jedoch keine Aussage darüber, ob tatsächlich auch ein strafbares Verhalten vorliege. Kalbitz „lässt derzeit den Vorsitz der Landtagsfraktion ruhen bis die Aufhebung seiner Parteimitgliedschaft geklärt ist. Die Fraktion wird daher von Hohloch geführt. Er ist enger Vertrauter und Zögling von Kalbitz und Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion.“

    „Vorbild in Corona-Zeiten: Kalbitz verzichtet auf Handschlag“: Reaktionen

    „Parteiinterne Chats legen offen, wie sich die Geschichte zugetragen haben soll“, berichtete dazu die „Frankfurter Rundschau“ am Dienstag.

    „Der (Kalbitz, Anm. d. Red.) hat sich nicht im Griff“, zitierte das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ namentlich nicht genannte Stimmen aus der AfD, die den Vorfall kommentierten.

    Die „ungewollt harte“ Begrüßung sorge nun für Spott – nicht nur innerhalb der Partei, sondern auch beim Kurznachrichtendienst „Twitter“ im Internet.

    Wenn Kalbitz „sowas zur Begrüßung macht, was macht er dann, wenn er sich demnächst verabschieden muss?“, twitterte etwa der TV-Komiker Jan Böhmermann.

    ​Eine Journalistin dachte zunächst, dass die Meldung satirisch gemeint wäre: „Die Überschrift liest sich wie von ‚Der Postillon‘. Ist sie aber nicht.“ Bundestagspolitiker Matthias Hauer (CDU) twitterte sarkastisch: „Wer kennt das nicht: Man schlägt sich zur Begrüßung krankenhausreif!“

    Das „NDR“-Satire-Magazin „extra3“ kommentierte den Vorfall so:

    „Vorbildlich durch die Corona-Krise: Andreas Kalbitz verzichtet endlich auch auf Handschlag zur Begrüßung!“

    Kalbitz klagt und will zurück in die AfD

    Das Bundesschiedsgericht der AfD hatte im Juli den Entzug der Parteimitgliedschaft von Kalbitz für rechtens erklärt. Dagegen geht dieser nun vor dem Landgericht Berlin vor.

    „Kalbitz will sich am kommenden Freitag wieder in die AfD einklagen. Auch deswegen kocht die Gerüchteküche hoch.“ Ende dieser Woche verhandelt das Landgericht Berlin „einen Eilantrag von Kalbitz gegen die Entscheidung des Parteigerichts.“ Der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Politiker wolle sich in die AfD zurückklagen.

    „Wie auch immer die Entscheidung am Freitag ausfällt, es ist davon auszugehen, dass sie in der AfD Fakten schafft“, kommentierte das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

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    verletzt, Brandenburg, Andreas Kalbitz, AfD