20:22 24 November 2020
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    Nach einer Meuterei in Mali sind einem Offizier zufolge der Präsident des westafrikanischen Landes und der Regierungschef festgenommen worden. Zuvor hat es auf einem Militärstützpunkt unweit der Hauptstadt Bamako einen Aufstand gegeben.

    Staatschef Ibrahim Boubacar Keïta und Premierminister Boubou Cissé seien festgenommen worden und seien in der Garnisonsstadt Kati angekommen, sagte am Dienstag Sidi Gakou, ein der Meuterei nahe stehender Offizier, der Deutschen Presse-Agentur. Dies konnte zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

    In der Garnisonsstadt Kati, die rund 15 Kilometer von der Hauptstadt Bamako entfernt liegt, sei es am Dienstag „zu einer Meuterei von Bewaffneten und Schusswechseln“ gekommen, hieß es in einer Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes in Berlin. Zudem habe es Spannungen in Bamako gegeben. Die deutsche Botschaft in Bamako habe ihren Publikumsverkehr eingestellt. Zuvor hatten mehrere westliche Botschaften vor Spannungen und Unruhen in Mali gewarnt und ihren Bürgern geraten, zu Hause zu bleiben.

    Mali steckt seit Monaten in einer politischen Krise. Die Opposition im Lande fordert den Rücktritt von Präsident Keïta. Seine Popularität war angesichts von Vorwürfen rund um Korruption und Wahlmanipulationen stark gesunken. Zudem wird er dafür kritisiert, die Gefahr durch den islamistischen Terror nicht in den Griff zu bekommen. Jüngst ist es immer wieder zu großen, teilweise gewalttätigen Protesten in dem Land gekommen. Westafrikanische Staatschefs hatten daraufhin versucht, zwischen Keita und dem Anführer der Protestbewegung, Imam Mahmoud Dicko, zu vermitteln. 

    Illegitimer Regierungswechsel

    Der westafrikanische Staatenverbund Ecowas verurteilte die Meuterei am Abend und rief zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung auf. Die Militärs sollten unverzüglich in ihre Kasernen zurückkehren. Der Staatenverbund verurteile jeden nicht der Verfassung des Landes entsprechenden Regierungswechsel „aufs Schärfste“.

    Wie es in einer Mitteilung des Außenministeriums hieß, schloss sich Frankreich  den Aussagen von Ecowas an. Frankreich bekräftige seine uneingeschränkte Verbundenheit mit der malischen Souveränität und Demokratie, so das Ministerium. Die französischen Behörden folgten demnach den Entwicklungen in Mali aufmerksam. 

    In Mali – sowie anderen Ländern der Sahelzone – sind etliche islamistische Terrorgruppen aktiv, einige haben dem Islamischen Staat (IS)* oder Al-Kaida die Treue geschworen. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International zeigen sich über die steigende Gewalt zunehmend besorgt. Bereits rund 250.000 Menschen wurden aufgrund anhaltender Angriffe allein in Mali vertrieben.

    In dem Land sind auch deutsche Soldaten als Teil der UN-Stabilisierungsmission Minusma sowie der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali im Einsatz. Jüngst stimmte der Bundestag mit großer Mehrheit für eine Ausweitung der Beteiligung deutscher Soldaten an der EUTM-Mission. 

    *Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten

    mka/dpa

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    Tags:
    Präsident, Mali