04:23 21 September 2020
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    Am Donnerstag hat sich der russische Blogger und Kreml-Kritiker Alexej Nawalny auf dem Weg von Tomsk nach Moskau plötzlich schlecht gefühlt. Nach der Notlandung des Flugzeugs in Omsk ist er in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Erfahren Sie hier, was bislang über seinen Gesundheitszustand bekannt ist.

    Alexander Murachowski, der Chefarzt des Omsker Krankenhauses №1, in das der russische Blogger Alexej Nawalny am Donnerstag eingeliefert worden war, äußerte sich jüngst vor Journalisten zum aktuellen Gesundheitszustand des Patienten.

    „Der Zustand von Aleksej Nawalny wird heute als schwer und instabil eingeschätzt.“

    Arzt nennt vorläufige Diagnose von Nawalny

    Die Hauptarbeitsdiagnose von Nawalny sei eine Stoffwechselstörung, die ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht habe, erklärte der Chefarzt Alexander Murachowski.

    Örtliche Intensivmediziner unternehmen zusammen mit Kollegen aus dem Moskauer Burdenko- und dem Pirogow-Krankenhaus der russischen Hauptstadt alles Menschenmögliche, damit Alexej Nawalny wieder aus dem Koma erwacht.

    Zuvor hatte die TV-Moderatorin und ehemalige russische Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak unter Berufung auf eine Quelle im Omsker Krankenhaus auf ihrem Telegram-Kanal geschrieben, dass bei Nawalny ein Diabetes-Verdacht bestehe. „Meine Quelle im Krankenhaus: ,Es gibt bislang keine eindeutige Diagnose. Aber man tendiert zu Diabetes.ʻ“

    An Haut und Kleidung: Chefarzt kommentiert gefundene Substanz

    Murachowski nahm unter anderem zu der zuvor entdeckten Substanz auf Nawalnys Haut und Kleidung Stellung. 

    „Die chemische Komponente, also das, was in den Medien über eine chemische Komponente steht, die von Experten zur Untersuchung entnommen wurde: Ich kann sagen, dass kein biologisches Material für die Untersuchung entnommen wurde, das war Material von der Hautoberfläche, von der Kleidung, von Fingernägeln und so weiter. Diese chemische Komponente (…) ist gewöhnliche Industriechemie, die insbesondere in Plastikbechern enthalten ist.“ Ferner betonte er: „Die Komponente wurde nicht im Blut oder anderen biologischen Materialien des Menschen nachgewiesen. Diese wurde an der Oberfläche des Menschen oder der Kleidung gefunden.“

    Toxikologische Untersuchung

    Dazu sagte Murachowski: „Gestern haben wir eine chemisch-toxikologische Untersuchung der Materialien vorgenommen. Derzeit kann ich mit Sicherheit sagen, dass keine Oxobuttersäure und keine Barbiturate entdeckt wurden.“

    Keine Giftspuren im Blut und Urin 

    Der Vizechef des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, informierte darüber, dass in Nawalnys Blut und Urin derzeit kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    „Wir sprechen derzeit von unterschiedlichen Möglichkeiten einer Vergiftung. Bei jenen Untersuchungen, die durchgeführt wurden, wurde kein Gift im Blut oder im Urin gefunden.“

    Substanz entdeckt

    Laut dem Direktor der Anti-Korruptions-Stiftung (Fonds zur Korruptionsbekämpfung), Iwan Schdanow, soll eine Substanz entdeckt worden sein. Die Substanz sei für Nawalny und die Umgebung gefährlich. 

    Schdanow sagte zuvor: „Wir waren im Kabinett des Chefarztes. Eine Vertreterin der Transportpolizei kommt herein und zeigt am Handy: Diese Substanz wurde gefunden. Der Chefarzt sagt darauf: Nun, sie haben das gefunden, mehr Informationen habe ich nicht. Wir haben uns an die Vertreterin der Transportpolizei gewandt, die mit dem Handy an uns herangetreten war: ,Welche Substanz?ʻ Sie sagt: ,Das ist ein Ermittlungsgeheimnis, wie können nichts sagen. Aber diese Substanz ist lebensgefährlich, diese Substanz kann tödlich sein – nicht nur für Alexej, sondern auch für alle in seiner Umgebung. Alle, die in seiner Nähe sind, sollten Schutzanzüge tragenʻ. Mehr sagt sie dazu nicht.“ Er präzisierte, dass sie nicht wüssten, um welche Substanz es sich handle. Die Transportpolizei und die Mediziner bestätigten diese Informationen bislang nicht.

    Der Chefarzt des Krankenhauses №1, Alexander Murachowski, wo sich Nawalny befindet, äußerte später vor Journalisten, dass derzeit fünf Arbeitsdiagnosen behandelt würden: „Wir haben heute fünf Arbeitsdiagnosen. Leider darf ich sie nicht nennen, weil das ein föderales Gesetz untersagt. (…)“ Dem fügte er hinzu:

    „Wir alle kämpfen um das Leben unseres Patienten.“

    In Bezug auf eine gefundene, angeblich gefährliche Substanz sagte der Chefarzt, dass alle bislang durchgeführten Tests negativ seien. „Wissen Sie, ich gehe in meiner Arbeit von offiziellen Dokumenten aus. Und jene Dokumente, die ich aus unserem chemisch-toxikologischen Labor bekommen habe, dem Spektrum von Substanzen, die das Gerät bereits geprüft hat, sind negativ.“

    Unter anderem sagte der Arzt: „Die Tests laufen weiter, sie werden noch zwei Tage lang dauern.“ 

    Mit Hinblick auf den möglichen Transport des Bloggers sagte er: 

    „Nawalnys Transport unter der Verantwortung seiner Verwandten können wir nicht zulassen, da er (sein Zustand - Anm. d. Red.) nach klinischen Hinweisen höchst bedenklich ist.“

    Wenn der Zustand des Patienten stabil wäre, dann hätten die Spezialisten und das Konsilium nichts dagegen, „aber heute wäre es für den Transport zu früh“.

    Rettungsflieger aus Deutschland

    Zuvor hatten Medien berichtet, dass die deutsche Organisation Cinema for Peace Foundation ein Flugzeug nach Omsk schicken werde, um Nawalny in die deutsche Hauptstadt zu bringen. Die Berliner Klinik Charite würde ihn dort behandeln. Von russischer Seite gab es dazu keine offizielle Bestätigung.

    In der Nacht berichtete die „Bild“-Zeitung, dass um 03:11 Uhr ein Rettungsflieger in Deutschland gestartet sei, um Nawalny in die Bundesrepublik zu holen.

    „Das Flugzeug war samt Rettungsteam aus Nürnberg (Bayern) auf dem Weg nach Omsk, rund 2200 Kilometer östlich von Moskau, wo Nawalny im Krankenhaus liegt. Eine Landung in Omsk wird gegen 07:30 Uhr deutscher Zeit erwartet“, hieß es im Text.

    Laut den jüngsten Angaben des Portals FlightRadar landete das medizinische Flugzeug aus Deutschland in Omsk.

    Ärzte hatten zuvor den Zustand von Nawalny als schwer, aber stabil eingeschätzt. „Bislang ja“, antwortete die Sprecherin des Gesundheitsministeriums der Region Omsk, Tatjana Schakirowa, am frühen Freitagmorgen auf die Frage, ob der Gesundheitszustand von Nawalny unverändert sei.

    Alexej Nawalnys Pressesprecherin, Kira Jarmysch, teilte via Twitter mit, dass die Mediziner den Mann aufgrund seines Zustands für „nicht transportfähig“ eingestuft hätten. 

    Hintergrund

    Nawalny war am Donnerstagmorgen von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt haben, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet ist. Nawalny soll noch an Bord das Bewusstsein verloren haben. Derzeit befindet sich der Mann auf der Intensivstation und muss künstlich beatmet werden. Laut den Ärzten ist sein Zustand ernst, aber stabil.

    Das Umfeld von Nawalny geht davon aus, dass dem Blogger etwas „in den Tee gemischt wurde“. Denn das sei das Einzige gewesen, was er am Morgen zu sich genommen habe. Die Ärzte sprechen davon, dass das Gift durch die heiße Flüssigkeit schneller absorbiert wurde, teilte die FBK-Sprecherin, Kira Jarmysch, mit.

    Im Krankenhaus äußerte man, dass eine Vergiftung einer der möglichen Gründe für die Beschwerden Nawalnys sei. Er erhalte alle notwendige Hilfe. Im Zuge der Untersuchungen hätten die Ärzte bei Nawalny keine Anhaltspunkte gefunden, die auf einen Schlaganfall, Infarkt oder Infektionsschädigungen, das Coronavirus eingeschlossen, hindeuten.

    ak/sna/ae

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    Flugzeug, Gesundheit, Krankenhaus, Alexej Nawalny, Berlin, Deutschland, Omsk, Russland