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    Nach Ansicht des Ärzteteams der Berliner Charité, das den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny behandelt, gibt es Anzeichen für eine Vergiftung mit einem Stoff aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterasehemmer. Diese Information hilft allerdings nur bedingt weiter bei der Beantwortung der drängendsten Fragen.

    Die Pressemitteilung der Charité lautete:

    „Die klinischen Befunde weisen auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hin.“

    Vereinfacht ausgedrückt sind Cholinesterase-Hemmer Stoffe, die den Abbau von Acetylcholin behindern, einem der wichtigsten Botenstoffe für das menschliche Gehirn, für dessen Abbau Esterase, ein fettspaltendes Enzym, benötigt wird – deshalb Cholinesterase-Hemmer. Bei der Recherche wird schnell klar, dass diese Wirkstoffgruppe ganz grundsätzlich auf das Nervensystem einwirkt. Acetylcholinesterase-Hemmer finden sich in Insektenbekämpfungsmitteln, in Rattengift, in chemischen Kampfstoffen, aber auch in Medikamenten zur Alzheimer-Behandlung. Das „Ärzteblatt“ weist in einem Artikel aus dem Jahr 2016 auf diese therapeutische Anwendung von Cholinesterase-Hemmern hin.

    Cholinesterase-Hemmer vor allem in Insektiziden

    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verweist hingegen vor allem auf die Verwendung von Cholinesterase-Hemmern in Insektenschutzmitteln. Auf der Internetseite des BfR finden sich eine Reihe von Stellungnahmen zur Wirkungsweise in Mitteln wie Methamidophos, Ethephon oder Fenamiphos. Das Suffix „-phos“ in den Namen deutet auf sogenannte Phosphorsäureester hin, ebenfalls für Toxikologen ein Hinweis auf Cholinesterase-Hemmer und zwar wegen der Verwendung in Kampfstoffen. wozu wir noch kommen.

    Für eine genaue Analyse und Bewertung ist es aber erforderlich, das Gift genau benennen zu können, die Nennung der Wirkstoffgruppe alleine reicht dafür nicht aus. Das ist auch die Ansicht der Gesellschaft für Toxikologie (GT). Ein Sprecher der Gesellschaft verweist in einem Gespräch mit Sputnik Deutschland auf die grundsätzliche Wirkungsweise von Cholinesterase-Hemmern als Nervengift, weil diese Stoffe die Reizweiterleitung in den Nerven hemmen oder unterbinden.

    Cholinesterase-Hemmer auch in Medikamenten

    Theoretisch sei auch eine Fehlmedikation nicht auszuschließen, räumt der GT-Experte ein, weil Cholinesterase-Hemmer auch in Medikamenten zur Behandlung von Demenz oder Alzheimer, aber auch von Myasthenie, also Muskelschwäche, oder allgemein in sogenannten Parasympathomimetika zum Einsatz kommen. Der Parasympathikus ist ein Schlüsselelement des vegetativen Nervensystems und steuert viele innere Organe bzw. den Blutkreislauf. Bekannte Medikamente mit Cholinesterase-Hemmern sind „Neostigmin“ oder „Rivastigmin“. Die eher seltenen Anwendungen von Cholinesterase-Hemmern als Gegengifte für Pfeilgifte wie das berühmte Curare können aber im Fall Nawalny wohl vernachlässigt werden. 

    Cholinesterase-Hemmer auch Bestandteil von chemischen Kampfstoffen

    Der GT-Experte betont dagegen, wie das BfR, dass die weitaus häufigere Anwendung von Cholinesterase-Hemmern heute in Insektenvernichtungsmitteln, aber auch in chemischen Kampfstoffen stattfinde, wie etwa im Insektizid „Parathion“ oder im sicherlich bekannten Kampfstoff „Sarin“. In dem Zusammenhang gibt der der GT-Experte bezüglich der Nachweisbarkeit von Nervengiften vorsichtig zu bedenken, ohne werten zu wollen:

    „Das hängt sehr von der Substanz ab, und es kann nach vier Tagen schon sehr schwer bis unmöglich sein, es nachzuweisen. Es kann aber auch noch gut nachweisbar sein, das hängt wirklich ganz von der Substanz ab.“

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    Zweifel, Verdacht, Diagnose, Charité Berlin, Vergiftung, Alexej Nawalny, Russland, Deutschland