03:41 04 Dezember 2020
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    Laut dem Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, haben die Ärzte in Omsk bereits in den ersten Stunden der Behandlung von Alexej Nawalny einen niedrigen Cholinesterase-Spiegel bei dem Blogger festgestellt.

    In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung teilte die Berliner Universitätsklinik Charité mit, dass klinische Tests auf eine Vergiftung des Kremlkritikers mit Cholinesterase-Hemmern hinweisen, denn das Niveau der Cholinesterase-Enzyme sei bei ihm niedrig gewesen. Dazu sagte Peskow am Dienstag:

    „Wir haben bislang nichts Neues aus diesem Statement erfahren. Wir haben uns mit unseren Ärzten in Verbindung gesetzt und sie gefragt, wie man diese Erklärung aus professioneller Sicht bewerten kann.”

    Die Charité-Mitteilung solle man „ganz ruhig” analysieren – es gebe bei diesem Thema „keinen Platz für solche lautstarken und irgendwie leeren Erklärungen”.

    Laut Peskow stellten die Ärzte in Omsk bereits in den ersten Stunden nach der Einlieferung von Nawalny ins Krankenhaus ein niedriges Cholinesterase-Niveau bei ihm fest. Für ein solches klinisches Bild gebe es aber viele mögliche Ursachen, deswegen verstehe Moskau die Eile der deutschen Mediziner nicht:

    „Wir verstehen nicht, aus welchem Grund sich unsere deutschen Kollegen so beeilen, indem sie das Wort 'Vergiftung' benutzen. Diese Version war, wie Sie wissen, unter den Ersten, die unsere Ärzte geprüft hatten, aber ich wiederhole noch einmal, dass der Wirkstoff noch nicht festgestellt ist”, so Peskow.

    Am Donnerstag war das Flugzeug, mit dem Nawalny von Tomsk nach Moskau geflogen war, in Omsk notgelandet, weil sich der Oppositionsblogger schlecht fühlte und daraufhin das Bewusstsein verlor. Nawalny wurde auf die Intensivstation eines Krankenhauses in Omskgebracht. Seine Pressesprecherin Kira Jarmysch vermutete eine Vergiftung. Im Krankenhaus wurden jedoch keine Giftstoffe in Blut und Urin nachgewiesen, die Ärzte sprachen lediglich von einer Stoffwechselstörung, die einen drastischen Zuckerrückgang im Blut ausgelöst haben soll.

    Am Samstag wurde Nawalny per Flugzeug in die Berliner Charité überführt. Wie es am Montag in der Charité hieß, gebe es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer. Da noch kein genauer Befund vorliege, werde eine weitere umfassende Analyse vorgenommen. Es wurde mitgeteilt, dass Nawalny mit Atropin behandelt wird. Er liege weiter im künstlichen Koma und sei außer akuter Lebensgefahr.

    Inzwischen haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Heiko Maas sowie der europäische Diplomatenchef Josef Borrel eine umfassende Aufklärung des Vorfalls gefordert.

    msch/sna

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