22:32 19 September 2020
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    Der neue deutsche Botschafter in Polen, Arndt Freytag von Loringhoven, müsste eigentlich schon in Warschau sein – doch anscheinend verwehrt ihm das polnische Außenministerium den Amtsantritt. Angeblicher Grund: die Stellung seines Vaters in der NS-Zeit.

    Von  Loringhoven wartet immer noch auf die Zustimmung des Außenministeriums in Warschau zu seinem Amtsantritt. Nachdem der bisherige Botschafter, Rolf Nikel, Ende Juni in den Ruhestand gegangen war, sollte sein Nachfolger Arndt Freytag von Loringhoven eigentlich bereits Anfang Juli seinen neuen Posten antreten.

    Seit Ende Mai liegt der Antrag auf das sogenannte Agrément (die offizielle Zustimmung Polens) im Warschauer Außenministerium. Selbst in Corona-Zeiten gilt die lange Bearbeitungsdauer als ungewöhnlich. „Wir rechnen damit, dass das Agrément zeitnah erteilt wird“, sagte dazu ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin am Dienstag. Das polnische Außenministerium äußerte sich zunächst nicht.

    Kaczynski dagegen

    Nach Berichten polnischer Medien gibt es offenbar politische Einwände gegen den Botschafterkandidaten. Wie die Zeitung „Rzeczpospolita“ schreibt, soll der Vorsitzende der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, Vorbehalte gegen den deutschen Diplomaten haben.

    Auslöser sei dessen familiärer Hintergrund: Der Vater des designierten Botschafters, Bernd Freytag von Loringhoven, war Adjutant des Generalstabschefs des Heeres und bereitete von 1944 bis Ende April 1945 in Hitlers Führerbunker die tägliche militärische Lagebesprechung vor.

    PiS-nahe Medien und der öffentlich-rechtliche Fernsehsender TVP berichteten ausführlich über die Rolle von Bernd Freytag von Loringhoven in der NS-Zeit. Der national-katholische Sender Radio Maryja warnte, der neue deutsche Botschafter werde in Warschau „Kulturkampf“ betreiben. „Merkels Geschenk für die Polen: Hitlers Adjutant wird Botschafter in Warschau“, titelte das rechtsnationale Magazin „Najwyzszy Czas“. 

    Designierter Botschafter in Polen

    Der 64-jährige promovierte Biochemiker Arndt Freytag von Loringhoven begann seine diplomatische Laufbahn 1986. Er war von 2007 bis 2010 Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes und von 2014 bis 2016 deutscher Botschafter in Tschechien. Zuletzt arbeitete er als Geheimdienstkoordinator für die Nato.

    mka/dpa/gs

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    Tags:
    Botschafter, Deutschland, Polen