22:02 19 September 2020
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    Die Vertragsfesseln sind abgelegt, die USA können jetzt richtig loslegen mit dem Bau von Raketen – so muss man wohl das verstehen, was der amerikanische Außenminister Mike Pompeo gerade erst in einer Ansprache verkündet hat. Ein Experte kommentiert im Sputnik-Gespräch.

    Die Schalte von Außenminister Pompeo aus Jerusalem zum Parteitag der Republikaner in den USA ist zu einem Loblied auf Donald Trump geworden. Man habe dem Präsidenten sehr viel zu verdanken, sagte Pompeo, auch dass die Nato stärker geworden sei, die Ukraine defensive Waffensysteme habe und Amerika aus einem „schlechten Vertrag“ ausgestiegen sei, „damit unser Land Raketen bauen kann, um die russische Aggression abzuschrecken“.

    Als „schlechten Vertrag“ bezeichnet der amerikanische Außenminister ganz offensichtlich den INF-Vertrag: ein Abrüstungsdokument zur Beseitigung von Kurz- und Mittelstreckenraketen, die besonders in Europa und darüber hinaus in Asien gefährlich werden können.

    Die USA waren letztes Jahr mit der fadenscheinigen Begründung, Russland halte sich nicht an das Dokument, aus dem Vertrag ausgestiegen. Moskau wies den Vorwurf zurück. Schon kurz nach dem Ausstieg aus dem INF testeten die USA eine Mittelstreckenrakete, die bis dahin im Vertrag verboten gewesen war.

    Tatsächlich hatten sich die USA lange vor dem Ausstieg aus dem Vertrag das Ziel gesetzt, ihr Arsenal für Mittelstreckenwaffen auszubauen, sagt der Politologe Alexej Podbereskin vom Zentrum für militärpolitische Studien der Hochschule MGIMO im Sputnik-Gespräch. Nur deshalb hätten die Amerikaner den Vertrag überhaupt verworfen.

    „Machen wir uns doch nichts vor, es geht den Amerikanern um strategische Absichten“, mahnt der Wissenschaftler und erklärt: „Marschflugkörper und ballistische Raketen mittlerer Reichweite werden von den USA für lokale Konflikte in Regionen wie Südostasien und vor allem Europa hergestellt. Darum geht es bei dem Ausbau der Fähigkeiten. Die Raketen werden in naher Zukunft massenweise stationiert.“

    „Die USA haben jahrelang an Mittelstreckensystemen gearbeitet, weshalb der Bau und die Stationierung der Raketen für sie weder technisch noch industriell ein Problem sein werden. Zwei Produktionswerke für solche Raketen stehen schon. Es fehlt nur die Erprobung in der Truppe, dann können die Flugkörper wie am Fließband produziert werden. Ich schätze, eine Stationierung von 10 000 Stück ist durchaus realistisch.“

     

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    Tags:
    INF, Mittelstreckenraketen, Europa, USA