08:17 30 September 2020
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    Alexander Lukaschenko hat es abgelehnt, mit Angela Merkel und Emmanuel Macron zu telefonieren, als sie ihn anriefen. Der weißrussische Präsident wisse ohnehin, was die Bundeskanzlerin und der französische Präsident sagen wollten, erklärt ein Experte im Sputnik-Gespräch.

    In Bezug auf die Lage in Weißrussland haben Merkel und Macron, dem Vernehmen nach, nicht nur Wladimir Putin angerufen. Sie sollen auch versucht haben, den weißrussischen Präsidenten direkt zu kontaktieren, sagte der estnische Regierungschef Jüri Ratas gegenüber Medien: „Bitten um ein Telefongespräch wurden von den beiden europäischen Führungspolitikern auch an Minsk gerichtet – an Alexander Lukaschenko, der darauf nicht einging und den Telefonhörer nicht abhob.“

    „Lukaschenko weiß nur zu gut, was die Kanzlerin und der französische Präsident ihm mitteilen wollten“, sagt der Politologe Alexander Assafow im Sputnik-Gespräch. „Sie hätten nichts anderes gefordert, als dass Lukaschenko einen Dialog anfangen und auf die Forderungen der Protestierenden eingehen solle. Nur haben die Protestierenden keine Forderungen außer nach einer bedingungslosen Kapitulation und nach sofortigem Rücktritt Lukaschenkos ohne Wenn und Aber.“

    Laut Bundeskanzlerin Merkel hat Lukaschenko vorher bereits mehrfach ein Telefonat mit ihr abgelehnt. Stattdessen ließ der weißrussische Präsident über seinen Amtskollegen Putin der Bundeskanzlerin ausrichten, sie möge sich aus den Angelegenheiten seines Landes heraushalten.

    Auf den Vorschlag von Emmanuel Macron, einen Dialog zwischen der weißrussischen Führung und der Opposition in die Wege zu leiten, reagierte Lukaschenko indes mit dem Gegenvorschlag, sich als Vermittler zwischen dem französischen Präsidenten und den „Gelbwesten“ einsetzen zu können.

    Im Moment lege Lukaschenko eine Pause im Kontakt zur europäischen Führung ein, sagt der Politologe Assafow. Diese Pause sei für den weißrussischen Präsidenten sehr wichtig, denn:

    „Es gelingt ihm mittlerweile, seine Position innerhalb Weißrusslands zu festigen. Die Proteste verlieren an Spannung und Momentum, werden zur Normalität. Es kommt zu Kundgebungen pro Lukaschenko: Die Weißrussen haben das Dauerchaos auf den Straßen langsam satt.“

    Deshalb die strategisch eingelegte Pause. „Wenn Lukaschenko sich jetzt vor westlichen Politikern rechtfertigen und eine Bereitschaft zum Dialog mit der Opposition zeigen würde, dann würde er bei seinen Bürgern im Inland an Ansehen verlieren. Er muss jedoch bis ins Letzte konsequent bleiben.“

    Mit den Kollegen aus Europa könne sich Lukaschenko später immer noch unterhalten, sagt der Experte. „Im Moment aber zeigt Lukaschenko, dass es ihm nur auf einen Politiker ankommt. Nicht auf Merkel und Macron, mit ihren zweifelhaften Forderungen, sondern auf Putin. Nach vielen Treffen und Gesprächen mit Putin ist Lukaschenko überzeugt, mit dem russischen Präsidenten einen gemeinsamen Standpunkt gefunden zu haben bezüglich dessen, was in Weißrussland politisch abläuft.“

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    Tags:
    Angela Merkel, Emmanuel Macron, Minsk