16:20 30 November 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (125)
    4913247
    Abonnieren

    Der Fall des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny hat die deutsch-russischen Beziehungen zu einem „neuen Tiefpunkt“ geführt, sagte Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, in einem Interview mit dem „Spiegel“ am Sonntag. Sanktionen gegen Russland würden laut ihm jedoch kaum Erfolg haben.

    „Russlands Glaubwürdigkeit war durch den Giftanschlag auf Sergej Skripal in Großbritannien, den Mord an einem Exiltschetschenen im Berliner Tiergarten und den Hackerangriff auf den Bundestag ohnehin schon erschüttert. Sie dürfte nun endgültig erledigt sein“, sagte Ischinger. 

    In Russland gelte das Recht der Stärkeren. „Das ist das Ende, leider, auch für die Idee strategischer Partnerschaft“, fuhr er fort.

    Er erachte Strafmaßnahmen gegen Russland nicht als wirksame Lösung: „Sanktionen sind das Mittel, das Regierungen gern anwenden, wenn ihnen sonst nicht mehr viel einfällt.“ Die EU müsse dennoch „klare Kante“ zeigen, so Ischinger.

    Den Fall Nawalny betrachte er als Möglichkeit für die Deutschen, den Dissenz mit der russischen Regierung zum Ausdruck zu bringen, aber gleichzeitig auch Hilfe zu leisten.

    „Wir sind nicht die Feinde Russlands und der Russen. Das ist wichtig“, erklärte Ischinger. 

    Fall Nawalny – EU fordert Aufklärung 

    Der bekannte Kreml-Kritiker war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs gewesen. Während des Fluges fühlte er sich plötzlich sehr schlecht und verlor kurz darauf das Bewusstsein. Das Flugzeug führte daraufhin eine Notlandung in Omsk durch. Die Ärzte vor Ort gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Dabei teilte der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    Zwei Tage später wurde Nawalny in schwerem Zustand per Flugzeug in die Berliner Charité überführt.

    Kurz darauf hieß es dort, dass es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer geben soll. Da noch kein genauer Befund vorliege, werde eine weitere umfassende Analyse vorgenommen. Es wurde mitgeteilt, dass Nawalny mit Atropin behandelt werde. 

    Angesichts des Verdachts auf eine Vergiftung forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Heiko Maas und der EU-Außenbeauftrage Josef Borrel eine umfassende Aufklärung des Vorfalls. 

    ao/sb/dpa

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (125)

    Zum Thema:

    Iran: Organisator der Ermordung von Atomphysiker Fachrisadeh steht fest – Rache versprochen
    „Da wird nicht gemeckert“: Ist das deutsche Grundgesetz an Corona-Toten schuld?
    Tschechiens Präsident will Liste aller russischer Spione im Land – Medienbericht
    Washington hat sich in letzten vier Jahren nicht als verlässlicher Partner gezeigt - IIP
    Tags:
    Deutschland, Alexej Nawalny, Russland, Sanktionen, Wolfgang Ischinger