15:08 30 November 2020
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    Der weißrussische Innenminister Juri Karajew hat gegenüber dem TV-Sender RT zugegeben, dass die Polizisten während der Proteste nach den Präsidentschaftswahlen gegenüber Journalisten manchmal „zu weit gegangen sind“.

     In einigen Fällen, bei denen die Medienvertreter verletzt worden seien, seien diese jedoch selbst schuld gewesen, so Karajew.

    „Sie selbst (Journalisten – Anm. d. Red.) sind manchmal schuldig, und wir tragen manchmal Schuld. Dies muss ich zugeben, wir gehen zu weit“, sagte der Behördenchef.

    Auch gab er an, den Polizeibeamten immer wieder beizubringen, dass sie sich nicht mit der Presse streiten sollten. 

    Karajew merkte an, dass die Journalisten weiterarbeiten, objektiv über Ereignisse berichten, aber zugleich die eigene Sicherheit nicht außer Acht lassen sollten.

    „Und Strafverfolgungsbeamte müssen sich auch daran erinnern, dass ein Journalist das Recht hat, zu filmen, das ist seine Arbeit“, fügte er hinzu.

    Der weißrussische Innenminister hält es für richtig, wenn sich Journalisten als Medienvertreter ausweisen, um nicht mit den Demonstranten verwechselt zu werden. Dabei betonte er jedoch, dass es für Polizisten manchmal schwierig sei, bei Protesten schnell auf einen Journalisten zu reagieren.

    „Man muss verstehen, dass es an einem Ort, an dem Menschen massenweise zusammenstoßen und Leidenschaften brodeln – wenn man gerade einen Stein ins Schild bekommen hat, links einer eins ins Gesicht gekriegt hat, wenn rechts dein Freund geschlagen wird – nicht immer möglich ist, in einer Sekunde festzustellen, dass dies ein Journalist ist, um ihn dann zu umgehen. Die Journalisten mögen auch erkennen, dass Steine ​​und Kugeln, Stöcke und Fäuste wahllos fliegen und (es schwierig ist – Anm. d. Red.), bewusst zu wählen und zu umgehen. (…) Nun, mögen sie ein paar Meter zurücktreten und aus einer Entfernung filmen, nein, sie gehen doch in Teufels Küche“, sagte Karajew.

    Proteste nach Urnengang

    Nach den Präsidentschaftswahlen, die zum sechsten Mal vom Amtsinhaber Alexander Lukaschenko gewonnen wurden, begannen am 9. August in ganz Weißrussland massive Proteste der Opposition. Nach Angaben der Wahlkommission (ZIK) hat er 80,1 Prozent der Stimmen erzielt. Die Opposition glaubt jedoch, dass Swetlana Tichanowskaja die Wahl gewonnen habe.

    Zunächst wurden die Aktionen von den Sicherheitskräften unterdrückt, und gegen die Demonstranten, die mit den Wahlergebnissen nicht einverstanden waren, verwendeten sie Tränengas, Wasserwerfer, Blitzgranaten und Gummigeschosse. Dann hörten die Strafverfolgungsbehörden auf, die Kundgebungen aufzulösen und Gewalt anzuwenden.

    Nach offiziellen Angaben wurden in den ersten Tagen über 6.700 Menschen festgenommen. Das  weißrussische Innenministerium gab an, dass bei den Unruhen Hunderte von Menschen, darunter über 120 Polizeibeamte, verletzt worden seien. Drei Demonstranten starben.

    pd/mt/sna

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    Tags:
    Wahl, Alexander Lukaschenko, Polizei, Gewalt, Protest, Minsk