09:19 30 September 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)
    3110179
    Abonnieren

    Wladimir Sergijenko, ein Politologe mit ukrainischen Wurzeln, der bereits seit Jahren in Deutschland lebt, verfügt laut seinem Beitrag in sozialen Netzwerken über Angaben, dass der russische Kreml-Kritiker Alexej Nawalny sich nicht mehr in der Berliner Charité befinden könnte.

    Sergijenko schreibt, dass sein Freund, ein berühmter Filmemacher, momentan in der Klinik behandelt wird. Er sei noch vor der Ankunft Nawalnys mit einer transitorischen ischämischen Attacke auf die Intensivstation dieser Klinik gebracht worden. In der naheliegenden Klinik habe es keine Plätze gegeben, deswegen sei er in einem Krankenwagen in die Charité transportiert worden.

    Laut diesem Mann waren am Eingang in die Intensivstation eines Tages „Wachmänner mit Drähten im Ohr“ erschienen, was davor nicht der Fall war. Doch später, als er zu verschiedenen Untersuchungen von Block zu Block transportiert wurde, gab es keine Bewachung mehr. 

    Wie Sergijenko einräumt, sei das Zimmer des Oppositionellen zunächst rund um die Uhr streng bewacht worden. Jetzt seien aber alle Schutzmaßnahmen aufgehoben, und die Journalisten hätten von der Klinik keine Antwort auf die Frage bekommen, warum dies geschah. 

    Der Freund von Sergijenko fragte, als er von der Intensivstation in ein normales Zimmer verlegt wurde, das Personal „wo dieser Patient aus Russland ist“.

    „Sie wissen es nicht oder antworten nicht. Er sagt: ‚Er ist doch nicht hier.‘ Sie bestätigen das“, schrieb Sergijenko im sozialen Netzwerk Telegram.

    Sein Freund vermutete, dass Nawalny in VIP-Zimmern in den obersten Geschossen liegt, doch das Personal antwortete mit ‚Nein‘, es gäbe dort keine notwendigen Einrichtungen. 

    „Wo ist er denn? In der Charité gibt es keine Bewachung, auf der Etage der Intensivtherapie ist er nicht, das heißt, seine Gesundheit ist außer Gefahr“, schrieb er weiter. 

    Man könne vermuten, dass Nawalny in einer Militärklinik behandelt wird. Doch dann stelle sich die Frage, warum das verheimlicht wird. Er könne näher ans Militärlabor für Pharma- und Toxikologie gebracht worden sein. Wozu aber, fragt sich der Politologe. Die Proben könnten mit einem Paketdienst abgeschickt werden. 

    „Ich bin bereit, Szenarien für Hollywood zu hören. Habt ihr Versionen?“, schrieb Sergijenko. Er fragt in seinem Beitrag auch, ob jemand Fotos von Nawalny in der Charité gesehen hat.

    „Über Nawalny ist nichts zu hören. Deutschland schreibt und spricht nicht über ihn. Zu Beginn aber die Frage: Hat jemand Fotos von Nawalny in der Charité gesehen? Und jegliche Bewachung auf der Etage?“

    Hintergrund 

    Alexej Nawalny, einer der berühmtesten Kremlkritiker, befindet sich im künstlichen Koma. Sein Zustand wird als schwer, aber stabil bezeichnet, es besteht keine akute Lebensgefahr.

    Der Blogger war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt haben, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet war. Nawalny soll noch an Bord das Bewusstsein verloren haben.

    Das Umfeld von Nawalny geht von einer Vergiftung aus. Der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, teilte mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien. Die Omsker Ärzte gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben.

    Einige Tage später wurde Nawalny mit einem Flugzeug in die Berliner Charité überführt. 

    om/sb

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)

    Zum Thema:

    Jerewan: Türkisches Kampfflugzeug schießt Su-25 armenischer Luftwaffe ab – Ankara dementiert
    Im Falle türkischer Einmischung: Armenien verspricht „Iskander“-Raketen einzusetzen
    Dieses Land könnte den Ölmarkt crashen
    Tags:
    Vergiftung, Opposition, Deutschland, Russland, Charité Berlin, Alexej Nawalny