01:01 01 Dezember 2020
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bestürzt über die Untersuchungsergebnisse im Fall des russischen Regierungskritikers Alexej Nawalny gezeigt.

    „Wir werden beraten, wie wir mit diesen Erkenntnissen umgehen. Es sind bestürzende Informationen über einen versuchten Giftmord an einem der führenden Oppositionellen Russlands, und daher ist es mir wichtig, dazu Stellung zu nehmen.“ 

    Es sei sicher, dass er „Opfer eines Verbrechens“ geworden sei, sagte Merkel am Mittwoch in Berlin.

    „Er sollte zum Schweigen gebracht werden.“

    Bei ihm sei eindeutig ein chemischer Nervenkampfstoff nachgewiesen worden.

    „Wir erwarten, dass die russische Regierung sich zu diesem Vorgang erklärt“ , sagte Merkel.

    „Es stellen sich jetzt sehr schwerwiegende Fragen, die nur die russische Regierung beantworten kann und beantworten muss.“ 

    Nawalny sei seit dem 22. August in Behandlung aus humanitären Gründen und auf Wunsch seiner Familie habe man seine Verlegung nach Deutschland ermöglicht. Die Charite habe spezialisierte Toxikologen der Bundeswehr mit der Untersuchung von verschiedenen Proben von Herrn Nawalny beauftragt. Nun habe das Speziallabor der Bundeswehr einen klaren Befund geliefert.

    Merkel sprach zudem Nawalny und auch seiner Familie ihr Mitgefühl aus. Sie hoffe und wünsche ihm, „dass er von diesem Anschlag genesen kann“.

    Die Bundeskanzlerin habe auch den Bundespräsidenten Steinmeier angerufen und mit ihm über die neue Entwicklung im Fall Nawalny gesprochen. Die Bundesregierung hat darüber hinaus die Fraktionen im Deutschen Bundestag unterrichtet. Mit der Organisation für das Verbot der chemischen Waffen wird die Bundesregierung Kontakt aufnehmen. 

    „Das Schicksal Alexey Nawalnys hat weltweit Aufmerksamkeit erlangt. Die Welt wird auf Antworten warten. Wir unterrichten unsere Partner in der EU und in der Nato über die Untersuchungsergebnisse, wir werden gemeinsam beraten“.
    „Das Verbrechen an Alexey Nawalny richtet sich gegen die Grundwerte und Rechte, für die wir eintreten. Ich danke Ihnen“, sagte Merkel zum Schluss.

    Von der Leyen spricht von „feigem Akt“

    EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat die von einem Bundeswehr-Labor nachgewiesene Vergiftung von Alexej Nawalny als „abscheulichen und feigen Akt“ kritisiert.

    „Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte von der Leyen am Mittwoch auf Twitter.

    Borrell fordert gründliche Untersuchung

    Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell teilte am Mittwoch mit:

    „Der Einsatz von chemischen Waffen ist auf keinen Fall zu akzeptieren und verletzt internationales Recht“.

    Er forderte Russland auf, den Angriff gründlich zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

    Fall Nawalny

    Der Kremlkritiker Alexej Nawalny war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt haben, woraufhin das Flugzeug umgehend in der Stadt Omsk notgelandet war. Nawalny soll noch an Bord das Bewusstsein verloren haben. Sein Umfeld vermutete ab sofort eine Vergiftung, doch die Ärzte in Omsk stellten nur eine Stoffwechselstörung fest, keine Spuren von Gift wurden in Blut oder Urin gefunden.

    Mit Hilfe von der Organisation „Cinema for Peace” wurde er in die Berliner Charité-Klinik überführt, sobald ihn die russischen Ärzte für transportfähig erklärt hatten. Dort befindet er sich weiterhin in einem künstlichen Koma. Die Berliner Ärzte sprachen daraufhin von Beweisen für eine Vergiftung mit Cholinesterase-Hemmern – einer breiten Gruppe von Stoffen, zu der sowohl verschiedene Arzneimittel als auch mehrere Kampfstoffe – darunter die der Nowitschok-Reihe – gehören.

    jeg/sna/dpa/rtr

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    Tags:
    Angela Merkel, Vergiftung, Berlin, Alexej Nawalny