22:22 19 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (91)
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    Neben dem Kreml und dem Außenministerium Russlands haben sich viele russische Politiker zu der jüngsten Erklärung der Bundesregierung zum Fall Nawalny geäußert.

    Kurz nach der Bekanntgabe der Erklärung der Bundesregierung, wonach der russische Blogger Alexej Nawalny angeblich in Russland „Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Nervenkampfstoff“ geworden sei und „der zweifelsfreie Nachweis eines chemischen Nervenkampfstoffes der Nowitschok-Gruppe erbracht“ worden sein soll, kommentieren nun die russischen Politiker aktiv die Situation. Zuvor hatten der Kreml und das russische Außenministerium Stellung dazu genommen.

    Die Informationen darüber, dass Nawalny mutmaßlich von einem Kampfstoff der Gruppe „Nowitschok“ betroffen worden sei, haben laut dem ersten Vizevorsitzenden des Ausschusses des Föderationsrates für Verteidigung und Sicherheit, Wladimir Koschin, keine Beweise:

    „Um das zu erklären, muss man die Beweise vorlegen, aber es gibt solche offenbar nicht. Das alles ist eine Art von Fantastik und Verschwörungstheorie.“

    Der Senator, GRU-Oberst Alexej Kondratjew, bezeichnete die jüngsten Nachrichten zum Fall Nawalny als Provokation. „Die deutschen Behörden, die solche Erklärungen machen, haben keine Beweise und Elemente eines Giftstoffes vorgelegt. Scheinbar hat Berlin den Weg Großbritanniens gewählt, wobei es nur auf grundlosen Erklärungen basiert.“ Aus seiner Sicht ist die ganze Situation um Nawalny eine Provokation, solche Erklärungen seien politisiert. Der Politiker schließt nicht aus, dass bestimmte Politiker im Westen im Weiteren die Verhängung von Sanktionen gegen Russland fordern würden. Darüber hinaus könnte die Provokation Deutschlands über die „Vergiftung“-Erklärungen von den USA vorbereitet worden sein, um das Projekt Nord Stream 2 einzustellen, sagte er weiter. Unter anderem verwies Kondratjew darauf, dass die angeblich giftigen Stoffe im Körper von Nawalny von Bundeswehrvertretern gefunden worden seien.

    „Man muss dabei verstehen, dass sich die ganze Aufklärungsgemeinschaft der Nato dem CIA der USA unterordnet.“

    Der Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten, Leonid Sluzki, sagte dazu:

    „Die Erklärungen der deutschen Bundesregierung über die mögliche Vergiftung von Nawalny müssen unbedingt mit konkreten und gewichtigen Beweisen belegt sein. Soweit wir uns erinnern, hat Berlin bislang auf eine entsprechende Anfrage der Generalstaatsanwaltschaft nicht geantwortet, und russische Spezialisten haben keine Spuren eines Giftes oder der absichtlichen Vergiftung in seinem Körper gefunden. Anders gesagt - alles kann sich in eine erneute Provokation im ,Highly-likelyʻ-Stil verwandeln.“

    Später erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Föderationsrates, Wladimir Dschabarow, Russland sei bereit, mit Deutschland zum Fall Nawalny zu kooperieren. „Natürlich sind wir bereit, zusammenzuarbeiten, auf Fragen zu antworten. Aber sie sollen auch unsere beantworten, uns Untersuchungsergebnisse vorlegen. Bislang gibt es nichts.“ Die Vorwürfe gegen Russland sind laut seinen Worten unbegründet, weil „Nowitschok“ „in unserem Land“ nicht produziert werde. Von der Absurdität der Erklärungen seitens Berlin über die angebliche „Vergiftung“ von Nawalny mittels „Nowitschok“ spricht ihm zufolge auch die Tatsache, dass es für den Blogger keine Hindernisse in Russland für die Auslandsreise zur Behandlung gegeben habe. 

    „Wenn er hier wirklich mit ,Nowitschokʻ vergiftet worden wäre, hätte man ihn dann ausreisen lassen?“

    Nawalny ins Krankenhaus gebracht

    Der bekannte Kreml-Kritiker war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt und kurz darauf das Bewusstsein verloren haben. Das Flugzeug führte daraufhin eine Notlandung in Omsk durch. Die Ärzte vor Ort gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Dabei teilte der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    Zwei Tage später wurde Nawalny in schwerem Zustand per Flugzeug in die Berliner Charité überführt. Kurz darauf hieß es dort, dass es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer geben soll. Da noch kein genauer Befund vorliege, werde eine weitere umfassende Analyse vorgenommen. Es wurde mitgeteilt, dass Nawalny mit Atropin behandelt werde. 

    ak/sna/mt

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    Beweise, Provokation, Bundesregierung, Alexej Nawalny, Politiker, Russland