09:13 30 September 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)
    3338619
    Abonnieren

    Deutschland greift auf die „Megaphon-Diplomatie“, Appelle an die EU, Nato und die Organisation für das Verbot chemischer Waffen ( OPCW) in der Situation mit dem russischen Blogger Alexej Nawalny zurück, um offenbar die im Voraus vorbereiteten „Reaktionsmaßnahmen“ zu rechtfertigen. Dies teilt das russische Außenministerium am Mittwoch mit.  

    „Wenn die Aufgabe darin besteht, einige im Voraus vorbereitete 'Reaktionsmaßnahmen' zu begründen, die zuvor bereits angekündigt wurden, wird klar, warum die 'Megaphon-Diplomatie', die Ersetzung einer normalen Zusammenarbeit durch eine Informationskampagne, öffentliche Appelle an die EU und Nato sowie die Erwähnung der OPCW ins Spiel gebracht werden“, heißt es in der Mitteilung.

    Laut der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, sind Berlins Aussagen zur Situation um Nawalny unbegründet. Ein Gefühl von Déjà Vu komme da auf.  

    „Ich denke, wir kehren zu jenen Zeiten zurück, die ich, um ehrlich zu sein, verlassen möchte, also zu Zeiten der unbegründeten Erklärungen; der fehlenden Fakten bei der Erörterung schwerwiegender Probleme. Ich wünschte, diese Zeiten würden nicht mehr kommen, aber ich habe ein stabiles Gefühl von Deja Vu“, sagte Sacharowa gegenüber dem TV-Sender „Rossiya 1“.

    Angeblich Nervenkampfstoff bei Nawalny nachgewiesen

    Früher am Mittwoch teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit, dass ein Spezial-Labor der Bundeswehr „zweifelsrei” einen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe bei Nawalny nachgewiesen habe. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte gegenüber der RIA Novosti, Berlin habe Moskau nicht über seine Schlussfolgerungen zur „Vergiftung“ von Nawalny durch „Nowitschok“ informiert. Russland habe keine solchen Daten, hieß es.

    Der russische Wissenschaftler Leonid Rink, der an der Entwicklung des Nervengiftes „А-234 Nowitschok“ gearbeitet hatte, erklärte gegenüber der RIA Novosti, dass die Symptome von Nawalny sich von denen einer Vergiftung mit dieser Substanz völlig unterscheiden würden.

    Seiner Meinung nach sind Versuche, Nawalnys „Vergiftung“ mit „Nowitschok“ in Verbindung zu bringen, „reiner politischer Quatsch”. Russland werde von Deutschland keine Proben (von Herrn Nawalny – Anm. d. Red.) bekommen, die die „Vergiftung“ bestätigen könnten, so Rink weiter.

    Hintergrund

    Der bekannte Kreml-Kritiker war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt und kurz darauf das Bewusstsein verloren haben. Das Flugzeug führte daraufhin eine Notlandung in Omsk durch. Die Ärzte vor Ort gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Dabei teilte der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    Zwei Tage später wurde Nawalny in schwerem Zustand per Flugzeug in die Berliner Charité überführt. Kurz darauf hieß es dort, dass es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer geben soll. Da noch kein genauer Befund vorliege, werde eine weitere umfassende Analyse vorgenommen.

    Moskau will eingehende Untersuchung

    Inzwischen hielt das russische Außenministerium die Eile, mit der die USA und die Europäische Union (EU) die Version über Nawalnys Vergiftung aufgegriffen hatten, für verdächtig. Laut russischen Diplomaten steht Russland für eine gründliche Untersuchung des Vorfalls.

    Moskau fordere seine Partner auf, unter Verwendung der bestehenden bilateralen Rechtsmechanismen uneingeschränkt zusammenzuarbeiten und Informationen auszutauschen, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums am Mittwochabend. 

    Bereits am 27. August habe die russische Generalstaatsanwaltschaft an die deutschen Ärzte eine Anfrage gerichtet und um Informationen über die Behandlung sowie um Untersuchungsbefunde des russischen Bloggers gebeten. Auch habe sich die Behörde bereit erklärt, der deutschen Seite das Fachwissen und die Forschungsergebnisse vorzulegen, die nach dem Krankenhausaufenthalt von Nawalny im Omsker Krankenhaus vorhanden seien. Das deutsche Justizministerium habe den Eingang des Antrags bestätigt, sich jedoch bisher nicht gemeldet.

    pd/mt/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)

    Zum Thema:

    Jerewan: Türkisches Kampfflugzeug schießt Su-25 armenischer Luftwaffe ab – Ankara dementiert
    Im Falle türkischer Einmischung: Armenien verspricht „Iskander“-Raketen einzusetzen
    Dieses Land könnte den Ölmarkt crashen
    Tags:
    Blogger, Maßnahmen, Reaktion, Erklärung, Nowitschok, Deutschland, Vergiftung, Alexej Nawalny