20:41 30 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (104)
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    Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hat den russischen Premierminister Michail Mischustin über das Abfangen eines Gesprächs zwischen Warschau und Berlin informiert, in dem es um den russischen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny gegangen sein soll.

    Laut Lukaschenkos Worten ist die Erklärung der Bundeskanzlerin Angela Merkel über Nawalnys Vergiftung eine Fälschung.

    „Ich habe, als ich die russischen Ereignisse beobachtet habe, bemerkt, dass der Westen einen neuen Gag hat - wieder ,Nowitschok‘, wieder Vergiftungen“, wird Lukaschenko von Medien zitiert. Dabei präzisierte er: „Ich muss Ihnen sagen, dass wir gestern oder vorgestern (…), vor dem Auftritt von Merkel (sie soll erklärt haben, dass man ihn, also Nawalny, mundtot machen wollte) ein Gespräch abgefangen haben.“ 

    Bei seinem Treffen mit Mischustin sagte der weißrussische Präsident:

    „Wir gehen davon aus, dass Warschau mit Berlin spricht, zwei Anrufer sind im Kontakt. Unsere radioelektronische Militäraufklärung hat das abgefangen. (...) Es ist deutlich erkennbar, dass es eine Fälschung ist.“

    Dem fügte er hinzu: „Es gab keine Vergiftung von Nawalny.“

    „Soweit ich verstehe, hat eine Spezialistengruppe Fakten oder vielleicht Erklärungen für Merkel und ihre Administration vorbereitet, die sie gemacht hat (…)“, sagte er ferner.

    Dem fügte Lukaschenko hinzu, dass Weißrussland diese Tonaufzeichnung an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB weiterleiten werde.

    Nun äußerte sich der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow dazu: „Lukaschenko hat nur eine Erklärung darüber abgegeben. Er hat gesagt, dass das Material an den FSB übergeben werden könne. Bislang gibt es keine weiteren Angaben.“

    Vergiftung von Nawalny?

    Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit dem militärischen Nervengift „Nowitschok“ vergiftet wurde. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Mittwoch von einem „versuchten Giftmord“. 

    Russland ist nach Angaben des Kremlsprechers, Dmitri Peskow, zur allseitigen Zusammenarbeit mit Deutschland bezüglich der Situation um den russischen Blogger Alexej Nawalny bereit. Moskau weist aber darauf hin, dass Berlin bislang keine Antwort auf offizielle Anfragen gegeben habe.

    Inzwischen hielt das russische Außenministerium die Eile, mit der die USA und die Europäische Union (EU) die Version über Nawalnys Vergiftung aufgegriffen hatten, für verdächtig. Laut russischen Diplomaten setzt sich Russland für eine gründliche Untersuchung des Vorfalls ein.

    Ins Krankenhaus gebracht

    Der bekannte Kreml-Kritiker und Blogger war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt und kurz darauf das Bewusstsein verloren haben. Das Flugzeug führte daraufhin eine Notlandung in Omsk durch. Die Ärzte vor Ort gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Dabei teilte der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    Zwei Tage später wurde Nawalny in schwerem Zustand per Flugzeug in die Berliner Charité überführt. Kurz darauf hieß es dort, dass es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer geben soll. Da noch kein genauer Befund vorliege, werde eine weitere umfassende Analyse vorgenommen. Es wurde mitgeteilt, dass Nawalny mit Atropin behandelt werde. 

    ak/sna/ae

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    Russland, Michail Mischustin, Vergiftung, Gespräch, Alexej Nawalny, Alexander Lukaschenko, Weißrussland