07:43 30 September 2020
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    Die von Bundeskanzlerin Angela Merkel vorgestellte Version über den „versuchten Giftmord“ an dem Kreml-Kritiker Alexej Nawalny findet keine allgemeine Unterstützung sowohl im In- als auch im Ausland. Auch das ehemalige Mitglied der Kommission für Bio- und Chemiewaffen sowie UN-Militärexperte Igor Nikulin hat Zweifel an den Testergebnissen geäußert.

    Die deutschen Behörden hätten die Bekanntmachung der Testergebnisse, die zeigen würden, dass Alexej Nawalny angeblich durch einen chemischen Nervenwirkstoff der Novitschok-Gruppe vergiftet worden sei, so verzögert, dass es nun praktisch unmöglich sei, weitere Tests durchzuführen, um diese Ergebnisse zu bestätigen oder in Frage zu stellen, sagte Nikulin.

    „Sie verschoben mehrmals die Pressekonferenz“, unterstrich der Experte.

    „Sie warteten, bis alle Fristen der Zerlegung des Stoffs vergangen waren, und sagten erst dann: „Jetzt haben wir dort etwas gefunden, irgendwelche Reste, irgendwelche Spuren, etwas aus dieser Gruppe. Anscheinend werden sie sich an diese Version halten“.

    Nikulin hält es für möglich, dass Nawalnys schwerer Zustand durch ein Pharmamittel ausgelöst wurde, das Hemmstoffe von Cholinesterase enthält. Diese Möglichkeit ließen auch deutsche Ärzte zu.

    „Das ist ein Ferment, welches das Eiweiß Acetylcholin spaltet, das ein Nervengift ist. Es gibt dort ziemlich viele – fast 20 Arzneimittel, die zur Behandlung von Alzheimer oder Parkinson angewendet werden, sie blockieren Cholinesterase. Er hat diesen Stoff entweder selbst eingenommen oder bekam das von seinen Bekannten. Er nimmt wohl kaum Getränke und Essen von unbekannten Leuten zu sich. Zudem ist er immer von einer Gruppe umgeben, er wird noch von einem Arzt begleitet. Wäre er vergiftet worden – dann nur durch sein engstes Umfeld. Es ist daran eben interessiert. Zudem könnte es eine zufällige Vergiftung gewesen sein. Etwas wurde mit etwas vermischt. Er war doch in irgendwelchen Dörfern unterwegs, probierte da Selbstgebrannten. Vielleicht war es ja nicht Selbstgebrannter, sondern eine Fliegenpilz-Tinktur. Oder Selbstgebrannter schlechter Qualität mit Methanol“.

    Er betonte, dass es kein Kampfgiftstoff sein könnte, weil „dieser fast blitzschnell wirkt“.

    Nawalny in Berlin

    Der bekannte Kreml-Kritiker und Blogger Alexej Nawalny war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs. Während des Fluges soll er sich plötzlich sehr schlecht gefühlt und kurz darauf das Bewusstsein verloren haben. Das Flugzeug führte daraufhin eine Notlandung in Omsk durch. Die Ärzte vor Ort gaben als vorläufige Diagnose eine Stoffwechselstörung an. Diese soll ein drastisches Absinken des Blutzuckerspiegels verursacht haben. Dabei teilte der stellvertretende Leiter des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, mit, dass in Nawalnys Blut und Urin kein Gift oder Spuren davon entdeckt worden seien.

    Zwei Tage später wurde Nawalny in schwerem Zustand per Flugzeug in die Berliner Charité überführt. Kurz darauf hieß es dort, dass es Anzeichen für eine Vergiftung mit einer Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer geben soll, zu der sowohl verschiedene Arzneimittel als auch mehrere Kampfstoffe – darunter die der Nowitschok-Reihe – gehören.

    sm/gs

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    Tags:
    Berlin, Alexej Nawalny, Chemiewaffen