06:05 21 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (91)
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    Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hat die Situation um die vermutliche Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny kommentiert. Unter anderem ging er auf den gewünschten Dialog mit Deutschland und die Vorwürfe des weißrussischen Staatschefs Alexander Lukaschenko ein, der die Fälschung der Vergiftung nachgewiesen haben will.

    Von Anfang an habe Moskau nichts über die Situation um den Blogger Alexej Nawalny verheimlicht, betonte Peskow bei einer Pressekonferenz am Freitag.

    „Wir verheimlichen keine Tatsachen, sie sind allen gut bekannt, wir haben davon berichtet“, sagte er vor Reportern. „Von den ersten Tagen an wurden die Informationen zur Verfügung gestellt“.

    Russische Ärzte „transparenter“ als ihre deutschen Kollegen

    Auch die russischen Ärzte hätten im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen mehr Informationen publik gemacht und sich bei der Benachrichtigung von Journalisten sowie allen Interessierten „viel transparenter“ gezeigt als ihre Berliner Kollegen:

    „Um der Gerechtigkeit willen müssen wir darauf verweisen, dass das Krankenhaus in Omsk viel mehr Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten zur Verfügung gestellt und das öfter gemacht hat, als es zum Beispiel jetzt mit dem Berliner Krankenhaus der Fall ist“, fuhr der Kreml-Vertreter fort.

    Kreml hofft auf Dialog mit Deutschland

    Allerdings hoffe der Kreml auf einen Dialog mit der BRD und rechne damit, Informationen zu dem Giftstoff zu erhalten, mit dem der Regierungskritiker vergiftet worden sein solle:

    „Nun wissen wir durch die Aussagen offizieller Vertreter, darunter auch der Bundeskanzlerin, dass es den deutschen Spezialisten gelungen ist, eine bestimmte giftige Substanz nachzuweisen. In diesem Fall setzen wir auf einen Dialog mit unseren deutschen Kollegen und erwarten, im Laufe dieses Dialogs Informationen darüber zu erhalten, was für eine Substanz es ist“, so Peskow.

    Dies würde sicherlich den Mitarbeitern des russischen Innenministeriums nützen, die zurzeit Vorermittlungen zum Vorfall durchführen würden.

    Russland leitete Ermittlungen de facto ein

    Die Untersuchung der Situation um den oppositionellen Blogger sei de facto bereits im Gange, betonte Peskow. Sollten die Informationen über das Vorhandensein von giftigen Substanzen in den biologischen Proben des Patienten bestätigt werden, werde zweifelllos auch eine offizielle Ermittlung eingeleitet werden.

    In Bezug auf die von Minsk weitergeleiteten Materialien, die die Fälschung der Vergiftung von Nawalny nachweisen sollen, teilte Peskow mit, die entsprechenden Nachweise würden von Geheimdiensten untersucht:

    „Im Allgemeinen handelt es sich dabei um Materialien, die in den Geheimdiensten im Umlauf sind, sie werden von unseren Sicherheitsdiensten analysiert. Ich habe immer noch keine Informationen darüber, was in diesen Materialien enthalten ist, daher kann ich die Erklärung des Präsidenten von Belarus noch nicht kommentieren“, äußerte der Kreml-Sprecher.

    Zuvor hatte der weißrussische Präsident, Alexander Lukaschenko, dem russischen Ministerpräsidenten, Michail Mischustin, mitgeteilt, die weißrussische radioelektronische Militäraufklärung habe ein Gespräch zwischen Warschau und Berlin abgefangen, dem zufolge die Erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel über Nawalnys Vergiftung eine Fälschung sein soll. Es habe keine Vergiftung von Nawalny gegeben, zeigte sich Lukaschenko sicher. Er versprach, die Tonaufzeichnung an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB weiterzuleiten.

    FSB wird Putin über weißrussische Nachweise zur „gefälschten Vergiftung“ von Nawalny informieren

    Laut Peskow wurden die Materialien der russischen Seite am Donnerstag übergeben.

    Unter anderem wurde Peskow gefragt, ob Russlands Präsident Waldimir Putin beabsichtige, die Ergebnisse der Arbeit der weißrussischen Aufklärung persönlich zu untersuchen.

    Der Sicherheitsdienst FSB werde sicherlich den Präsidenten über die von den Weißrussen weitergeleiteten Dokumente informieren, denn dies gehöre zu den Aufgaben eines Geheimdienstes, sagte Peskow. Zu dem Inhalt der weißrussischen Nachweise könne er jedoch noch nichts äußern, betonte der Kreml-Sprecher.

    Moskau will „konsequent und vorsichtig“ sein

    Moskau ziehe es in der Situation um Nawalny vor, „bei dem Hervorheben jeglicher Versionen“ der Geschehnisse mit Nawalny „konsequent und vorsichtig zu sein“, betonte Peskow.

    „Seit den ersten Tagen, als der Patient auf der Intensivstation in Omsk behandelt wurde, wurden verschiedenste Versionen in Betracht gezogen, darunter auch die Version einer Vergiftung. Unseren Ärzten und Spezialisten zufolge wurde diese Version (der Vergiftung – Anm. d. Red.) nicht bestätigt; andere Versionen der Ärzte wurden in Betracht gezogen“, gab Peskow zu bedenken.

    Fall Nawalny

    Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny war am 20. August von Tomsk nach Moskau unterwegs gewesen, als er sich während des Fluges plötzlich sehr schlecht gefühlt hatte. Daraufhin war die Maschine umgehend in der Stadt Omsk notgelandet. Nawalny soll noch an Bord das Bewusstsein verloren haben. Sein Umfeld vermutete sofort eine Vergiftung, doch die Ärzte in Omsk stellten nur eine Stoffwechselstörung fest, die einen starken Abfall der Blutglukose verursacht haben solle. Was die Ursache dafür war, ist noch nicht klar, aber laut den Ärzten in Omsk gab es in Nawalnys Blut und Urin keine Gifte.

    Zwei Tage später, nachdem ihn die russischen Ärzte für transportfähig erklärt hatten, wurde der Oppositionsblogger mit Hilfe der Organisation „Cinema for Peace” in die Berliner Charité-Klinik überführt. Die Berliner Ärzte sprachen daraufhin von Beweisen für eine Vergiftung mit Cholinesterase-Hemmern – einer breiten Gruppe von Stoffen, zu der sowohl verschiedene Arzneimittel als auch mehrere Kampfstoffe – darunter die der Nowitschok-Reihe – gehören.

    Die Bundesregierung sieht es nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit dem militärischen Nervengift „Nowitschok“ vergiftet wurde. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach am Mittwoch von einem „versuchten Giftmord“.

    Das russische Außenministerium bezeichnete die Eile, mit der die USA und die EU die Version über Nawalnys Vergiftung unterstützt haben als verdächtig. Moskau befürworte eine gründliche Untersuchung des Vorfalls, hieß es.

    asch/sna/ae

     

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    Deutschland, Russland, Vergiftung, Alexej Nawalny