16:59 29 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)
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    Italiens Premierminister Giuseppe Conte hat gegenüber der Zeitung „Il Foglio Quotidiano“ erklärt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Gespräch mit ihm darüber informiert haben soll, eine Kommission zur Ermittlung des Falls Alexej Nawalny einzuberufen.

    „(Russlands) Präsident Putin hat mir im jüngsten Gespräch zugesichert, dass Russland beabsichtige, das Geschehen aufzuklären“, so Conte gegenüber dem Blatt. Ferner teilte Italiens Premierminister mit:

    „(…) und er (Wladimir Putin) hat mir gesagt, dass er eine Kommission zur Ermittlung bilden werde und bereit sei, mit den Behörden Deutschlands zusammenzuarbeiten“.

    Zusammenarbeit, so Conte weiter, sei das beste Mittel, um negative Folgen „dieses dramatischen Ereignisses“ für die Beziehungen zwischen der EU und Russland verhindern zu können.

    Kreml-Sprecher meldet sich zu Wort

    Nun kommentierte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow diese Aussagen: „Ich schließe nicht aus, dass es (…) zu einem Missverständnis gekommen ist. Das Thema des Berliner Kranken wurde wirklich behandelt, und der Präsident hat wirklich seinen italienischen Kollegen darüber informiert, dass bereits seit längerer Zeit Vorprüfungshandlungen unternommen würden (…) und dass es de jure keine Grundlagen für die Eröffnung eines Strafverfahrens gebe, weil alle Analysen russischer Spezialisten die Abwesenheit von Giftstoffen gezeigt haben.“ Peskow betonte dabei, dass Moskau daran interessiert sei, die Gründe des Geschehenen aufzuklären, und verwies darauf, dass die russische Seite auf die Antwort der deutschen Kollegen in Bezug auf die in ihren Laboratorien erstellten Analyseergebnisse warte.

    Telefonat zwischen Putin und Conte

    Das letzte Telefongespräch zwischen Putin und Conte hatte am 26. August stattgefunden. Damals teilte der Kreml mit, dass die Seiten die Situation in Weißrussland und Libyen behandelt hätten. Darüber hinaus verwies die russische Seite auf die Unzulässigkeit von frühzeitigen und unbegründeten Vorwürfen in der Situation um den russischen Blogger Alexej Nawalny. Russland sei an einer objektiven Ermittlung interessiert.

    Nawalny im Krankenhaus

    Der russische Blogger und Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete und er in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt wurde. Zwei Tage später wurde Nawalny auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt.

    Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten. Laut dem leitenden Toxikologen Sibiriens, Alexander Sabajew, wurden in Nawalnys „Entgiftungsorganen“ (Leber, Lungen, Nieren) keine Giftstoffe entdeckt. Im Falle einer Vergiftung müssten in den genannten Organen jedoch Giftspuren festzustellen sein.

    ak/sna/sb

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    Alexej Nawalny, EU, Zusammenarbeit, Gespräch, Giuseppe Conte, Wladimir Putin, Italien, Russland