21:15 30 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (104)
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    Russland will darauf bestehen, dass Berlin Anstrengungen unternimmt, im Dialog mit Moskau alle Fragen im Fall Nawalny zu klären und zu lösen. Der Ständige Vertreter Russlands bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Alexander Schulgin, äußerte sich dazu gegenüber der Agentur RIA Novosti am Donnerstag.

    „Wir werden darauf bestehen, dass die Bundesrepublik Deutschland als verantwortlicher Vertragsstaat der Chemiewaffenkonvention ihren Verpflichtungen nachkommt und sich bemüht, im Dialog mit uns alle Fragen bezüglich ihrer Behauptungen zu klären und zu lösen, dass Alexej Nawalny angeblich durch eine Substanz vergiftet wurde, die zur Gruppe der giftigen Substanzen gehört, die im Westen 'Nowitschoks' genannt werden“, sagte Schulgin. 

    Zuvor hatte er mitgeteilt, dass die Materialien zu Nawalny nicht an die OPCW weitergeleitet worden seien, und dass dies anscheinend eine Frage der Zeit sei.

    Nawalny angeblich mit Nervenkampfstoff vergiftet

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete und er in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt wurde. Später wurde der Patient auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt.

    Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Daraufhin erklärte der Kreml, Berlin habe Moskau nicht über seine Untersuchungsergebnisse informiert. Das russische Außenministerium betonte, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf eine offizielle Anfrage zu dieser Situation warte.

    Moskau an Aufklärung interessiert

    Bereits an dem Tag, als Nawalny ins Krankenhaus eingeliefert wurde, begannen die Staatsanwaltschaft und die Polizei, ihre Nachprüfung durchzuführen. Die russische Botschaft in Berlin gab bekannt, sie erwarte von der deutschen Seite, dass sie so schnell wie möglich auf das Rechtshilfeersuchen der russischen Generalstaatsanwaltschaft vom 27. August im Fall Nawalny reagiert.

    Russland sei an der Aufklärung des Falls interessiert, wofür es Informationen aus Deutschland bräuchte, die noch nicht eingegangen seien, sagte der Kremlsprecher Dmitri Peskow.

    Die Ermittlungsmaßnahmen in Bezug auf die Situation um Nawalny würden de facto laufen, teilte er am vergangenen Freitag gegenüber Journalisten mit. Wenn das Vorhandensein einer giftigen Substanz bestätigt werde, würden die Ermittlungen de jure eingeleitet, hieß es weiter. 

    Am 7. September teilten die Ärzte der Berliner Charité mit, dass der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny sich verbessert habe. Den Angaben zufolge konnte das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten beendet werden.

    pd/mt/sna

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    Berlin, Moskau, Kreml, Dmitri Peskow, Aufklärung, OPCW, Vergiftung, Alexej Nawalny, Dialog