09:08 30 September 2020
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    Im Streit um die mutmaßliche Vergiftung von Kreml-Kritiker Alexej Nawalny weicht Russland nicht von seiner Forderung ab, Deutschland solle seine Untersuchungsergebnisse nach Moskau liefern. Laut Außenminister Sergej Lawrow hofft Moskau, sich mithilfe der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) den Zugriff auf die Daten zu verschaffen.

    Moskau habe in den Brief, den Deutschland im Fall Nawalny an die OPCW gerichtet habe, Einblick genommen, sagte Lawrow am Freitag. „Darin heißt es nur, dass es nach Überzeugung deutscher Experten eine Vergiftung war und dass sogenanntes Nowitschok eingesetzt wurde“.

    „Es gab keine anderweitige Kommunikation zwischen Berlin und der OPCW. Wir sind natürlich daran interessiert, die Angaben zu bekommen, die die deutsche Seite so streng verbirgt, wenn nicht direkt, so dennoch über die OPCW“, so Lawrow auf einer Pressekonferenz in Moskau.  

    Er rief die Bundesrepublik auf, ihre Verpflichtungen zu erfüllen: „Ich hoffe, dass diese absurden Handlungen ein Ende nehmen und Deutschland zumindest um der Reputation der deutschen Pünktlichkeit willen seinen Verpflichtungen aus dem Vertrag mit der Russischen Föderation nachkommt.“

    Nawalnys Begleiter schon in Deutschland?

    Nach Lawrows Angaben setzten sich Personen, die zum Zeitpunkt des Vorfalls bei Nawalny waren, „allmählich nach Deutschland“ ab. Konkrete Namen nannte er nicht. Dass dies vor dem Hintergrund der „haltlosen“ Anschuldigungen passiere, „ist unangenehm und lässt bei einem erste Gedanken aufkommen.“

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Omsker Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Die dortigen Ärzte sprachen von „Unterzuckerung“ aus ungeklärter Ursache. Nach ihren Worten wurden weder in Blut- noch in Urinproben Nawalnys Giftspuren entdeckt.   

    Später wurde der 44-Jährige auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité verlegt. Noch am selben Tag begannen die russischen Staatsanwaltschaft und die Polizei, ihre Nachprüfung durchzuführen. Die Bundesregierung hatte am 2. September nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei.

    Daraufhin erklärte der Kreml, Berlin habe Moskau nicht über seine Untersuchungsergebnisse informiert. Das russische Außenministerium betonte, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf eine offizielle Anfrage zu dieser Situation warte. Die russische Botschaft in Berlin gab bekannt, sie erwarte von der deutschen Seite, dass sie so schnell wie möglich auf das Rechtshilfeersuchen der russischen Generalstaatsanwaltschaft vom 27. August im Fall Nawalny reagiert.

    Laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wird in Russland vorerst de facto zum Fall Nawalny ermittelt. Sobald nachgewiesen sei, dass ein Giftstoff im Spiel war, werde de jure ein Ermittlungsverfahren aufgenommen. In dieser Woche teilte die Universitätsklinik Charité mit, dass Nawalny aus dem künstlichen Koma geholt worden sei.

    Seit Mitte der neunziger Jahre hatten etwa 20 westliche Staaten, darunter Großbritannien, die USA, Schweden und Tschechien, phosphororganische Verbindungen aus der Nowitschok-Gruppe sowie Herstellungsverfahren und Auswirkungen untersucht. Russland stellte die Arbeiten an chemischen Waffen 1992 auf Erlass des damaligen Präsidenten, Boris Jelzin, ein. Bis 2017 vernichtete Russland alle seine Bestände an chemischen Waffen, was von der zuständigen Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigt wurde.

    leo/sna/ae

     

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    Tags:
    die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), OPCW, Streit, Nowitschok, Gift, Vergiftung, Ergebnis, Proben, Geheimhaltung, Bundeswehr, Alexej Nawalny, Deutschland, Russland