14:01 29 September 2020
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    Seit Dienstag dürfen Frauen im Ständerat in der Schweiz wieder Schulterfrei tragen. Das Schulterfrei-Verbot aus dem Jahr 2016 hat Ratspräsident Hans Stöckli aufgehoben, schreibt der „Tages-Anzeiger“. Wer begrüßt die Auflösung? Müssen Männer weiter Krawatte tragen?

    Politikerinnen und Journalistinnen im Schweizer Ständerat mussten bislang ihre Schultern und Oberarme bis hin zum Ellenbogen bedecken. Dieses Schulterfrei-Verbot aus dem Jahr 2016 hat am Dienstag Ratspräsidenten Hans Stöckli (Sozialdemokratische Partei) aufgehoben. Die neue Kleidungsordnung betrifft nur Frauen: Männer sind weiterhin verpflichtet, Hemd, Anzug und Krawatte bei den Sitzungen zu tragen.

    Dass diese Reglung aufgegriffen wurde, hatte Stöckli zufolge mit der Corona-Pandemie zu tun. Die überregionale Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ schreibt, dass im Zuge der Überarbeitungen des Geschäftsreglements auch der Wunsch nach einer Liberalisierung der Kleiderordnung aufgekommen sei. Die Vorgaben aus dem Herbst 2016 waren konkret: Frauen müssten ihnen zufolge „schickliche Kleidung“ tragen, mit der Vorschrift, dass Schultern und Oberarme bedeckt sein müssten. Das heißt, Frauen müssten „dem offiziellen Charakter angemessene Kleider“ tragen. Eine mündige Person könnte dabei selber entscheiden, was angemessen sei.

    Bloßstellung und Änderung

    Der Ursprung für diese Regel führt zurück in den Sommer 2016, als eine Journalistin aufgrund ihres schulterfreien Shirts von der Pressetribüne geschickt wurde. Monate später tadelte der ehemalige Ratspräsident Raphael Comte (FDP) die sozialdemokratische Ständerätin Liliane Maury Pasquier aufgrund ihrer Kleidungs-Wahl. Auch wenn die Politikerin im Raum bleiben durfte, so hätte sie „zu wenig Stoff“ angehabt, schreibt der „Tages-Anzeiger“.

    Nun sehe der Ständerat die Situation anders an: Sogar ein Großteil des Ständeratsbüros befürworte Stöcklis Entscheid für die Auflösung des Schulterfrei-Verbots. So erwähnt der „Tages-Anzeiger“ einige Befürworter, darunter der FDP-Politiker Thomas Hefti oder Lisa Mazzone, eine grüne Ständerätin. Auch begeistert sei Elisabeth Baume-Schneider (SP), doch ebenfalls betont sie, dass es sich hierbei nicht um den wichtigsten gesellschaftspolitischen Entscheid handle. Dennoch sei die Änderung und das Vertrauen in Frauen zu begrüßen – gerade auch wegen der Bloßstellung ihrer Parteikollegin Maury Pasquier vor vier Jahren.

    Die Kleiderordnung im Nationalrat sei wesentlich lockerer festgelegt: Dort heiße es lediglich, dass die Bekleidung „der Würde des Rates angemessen“ sein solle. Bei einer Untersuchung von Politologen habe man sich angeschaut, welche Politiker im Schweizer Parlament sich eher „locker“ und welche eher „schicklich“ kleiden. Die Regionalzeitung „Aargauer-Zeitung“ schreibt in einem Artikel von 2018, dass eher grüne und linke Politiker einen „lockeren“ Stil aufweisen. „Locker“ heiße in diesem Zusammenhang, dass die männlichen Nationalräte auf das Tragen von Krawatte oder Fliege verzichten würden. Aufgefallen sei dabei auch, dass nur etwa fünf Prozent aller Nationalräte von der Schweizerischen Volkspartei keine Krawatte auf ihrem offiziellen Profilfoto tragen würden. Jedoch wurde lediglich die Kleidung männlicher Politiker untersucht, da es bei der Kleidung der Frauen oft keine leicht erkennbaren Kriterien gebe wie „Krawatte“ oder Anzug.

    Laxe Kleiderordnungen im Bundestag?

    Auch im deutschen Bundestag gebe es keine fest definierten Kleiderordnungen. Auch hier gab es schon immer wieder Debatten, welche Kleider als taktlos gelten und welche als schicklich. So gab es beispielsweise 2015 einen Vorfall, bei dem die CSU-Politikerin Dorothee Bär ein Bayern-Trikot unter ihrem Blazer trug – wofür sie reichlich Kritik erntete. Auch die AfD beschwerte sich schon immer wieder über die „laxen Kleiderordnungen“ im deutschen Bundestag. Die letzte Lockerung fand dort 2014 statt.

    lm

     

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    Tags:
    Bundestag, Nationalrat, Kleiderordnung, Parlament, Schweiz