15:43 29 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)
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    Im Fall des vergifteten Kremlkritikers Alexej Nawalny will die Berliner Senatsjustizverwaltung dem Rechtshilfeersuchen der russischen Behörden nun nachkommen. Zuvor hatte Moskau mehrmals darauf gedrängt.

    Die Staatsanwaltschaft sei von der Verwaltung beauftragt worden, dazu Auskünfte zum Gesundheitszustand Nawalnys einzuholen, teilte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft am Freitag auf Twitter mit. Das gelte unter dem Vorbehalt der Zustimmung Nawalnys, der in der Berliner Charité behandelt wird. Weitere Auskünfte dazu seien derzeit nicht möglich.

    ​Die Bundesregierung hatte am 2. September, nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr,  mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei. Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten.

    Moskau bezweifelt die Befunde der Bundesregierung und will Informationen darüber erhalten, welche Substanz genau bei dem Oppositionellen gefunden wurde. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte deshalb Ende August ein Rechtshilfegesuch an Deutschland gerichtet.

    Aufklärung von Fall Nawalny

    Moskau hatte wiederholt die Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit im Fall Nawalny bekundet. Russland sei an der Aufklärung des Falls interessiert, wofür es Informationen aus Deutschland bräuchte, die noch nicht eingegangen seien, sagte hierzu der Kremlsprecher Dmitri Peskow.

    Derzeit bereitet das russische Innenministerium eine zusätzliche Anfrage an Deutschland vor, das geht aus einer offiziellen Mitteilung hervor. Darin soll es um die Beteiligung russischer Ermittler und Experten an den Ermittlungen der deutschen Seite zum Fall Nawalny gehen. In diesem Rahmen wäre es möglich, zusätzliche und präzise Fragen zu stellen, hieß es weiter.

    Zuvor hatte der Ständige Vertreter Russlands bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Alexander Schulgin, gefordert, dass Berlin im Rahmen der Chemiewaffenkonvention „alle Fragen bezüglich ihrer Behauptungen“ zum Fall Nawalny in einem Dialog mit Moskau klären werde.  

    Aus Koma erwacht

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später verlegte man den Patienten auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité.

    Am 7. September hatten Ärzte der Berliner Charité darüber informiert, dass sich Nawalnys Gesundheitszustand verbessert habe. Den Angaben zufolge konnte das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten beendet werden. Medienberichten zufolge ist Nawalny unter anderem wieder ansprechbar und soll sich an Details vor seinem Zusammenbruch erinnern. 

    mka/dpa/gs

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