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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)
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    Der Kremlkritiker Alexej Nawalny sollte laut einem Spiegel-Bericht noch im Flugzeug sterben – und dafür sollte eine „Weiterentwicklung des Nervenkampfstoffes Nowitschok“ Sorge tragen. Der Chemiewaffen-Experte Leonid Rink hat nun Vorwürfe solcher Art fachmännisch ausgeräumt.

    Laut dem Spiegel werden die Hinweise auf eine Beteiligung von russischen Regierungsstellen an dem Giftanschlag immer konkreter. Bei dem Giftstoff soll es sich um eine Weiterentwicklung von bislang bekannten Zusammensetzungen des Nervenkampfstoffes Nowitschok handeln.

    Das Gift sei noch „härter“ als bisherige Formen, verwies das Blatt auf die Worte des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, in der vergangenen Woche. Die Komplexität spreche demnach für eine Verstrickung des Kremls in den Fall, da man nur mithilfe des russichen Staatsapparates an diese Zusammensetzung gelangen könne, hieß es weiter.

    Der Chemiewaffen-Experte Leonid Rink, der einst an der Entwicklung des Nervengiftes „А-234 Nowitschok“ gearbeitet hatte, hält solche Behauptungen für abwegig.

    „Das ist Unsinn. Der Stoff, über den der Spiegel berichtet hat, ist eine Substanz, die bei höherer Temperatur schmilzt. Unter normalen Bedingungen ist sie hart. Das war natürlich nicht ‚Nowitschok‘. Diese Substanz gehört einer anderen Klasse an und war nie ein binärer Kampfstoff“, sagte Rink.

    Als binärer Kampfstoff wird eine spezielle Form von chemischen Waffen bezeichnet, deren zwei bzw. mehrere Substanzen relativ ungefährlich voneinander getrennt gelagert werden, bevor sie dann zu dem eigentlichen Endstoff vermischt und eingesetzt werden.

    Der Chemieexperte hatte bereits zuvor eine Vergiftung bei Nawalny ausgeschlossen, „weil typische Symptome nicht vorhanden sind“. Laut Rink ist „Nowitschok“ entwickelt worden, um Atomwaffen auf dem Gefechtsfeld zu ersetzen. Der Giftstoff habe eine hundertprozentige Letalität, argumentierte Rink.

    Auch der russische UN-Militärexperte Igor Nikulin äußerte die Ansicht, dass es Nawalny nicht gelungen wäre, aus dem Koma zu erwachen, wenn tatsächlich eine Vergiftung mit „Nowitschok“ vorgelegen hätte.

    Nawalnys angebliche Vergiftung

    Die Bundesregierung hatte am 2. September, nach Untersuchungen eines Spezial-Labors der Bundeswehr,  mitgeteilt, sie sehe es als zweifelsfrei erwiesen an, dass Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Reihe vergiftet worden sei. Die Behauptung der Bundesregierung steht im Widerspruch zu den Befunden der russischen Ärzte, die Nawalny zunächst im Omsker Krankenhaus behandelt hatten.

    Moskau bezweifelt die Behauptung der Bundesregierung und will Informationen darüber erhalten, welche Substanz genau bei dem Oppositionellen gefunden wurde. Die russische Generalstaatsanwaltschaft hatte deshalb Ende August ein Rechtshilfegesuch an Deutschland gerichtet. Die Berliner Senatsjustizverwaltung gab inzwischen bekannt, dem Rechtshilfeersuchen der russischen Behörden nachzukommen.

    Alexej Nawalny hatte am 20. August auf einem Flug von Tomsk nach Moskau das Bewusstsein verloren, woraufhin das Flugzeug unverzüglich in Omsk landete. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort in ein künstliches Koma versetzt. Später verlegte man den Patienten auf Drängen seiner Familie in die Berliner Charité.

    Am 7. September hatten Ärzte der Berliner Charité darüber informiert, dass sich Nawalnys Gesundheitszustand verbessert habe. Den Angaben zufolge konnte das durch Medikamente aufrechterhaltene künstliche Koma des Patienten beendet werden. Medienberichten zufolge ist Nawalny unter anderem wieder ansprechbar und soll sich an Details vor seinem Zusammenbruch erinnern.

    mka/sna/gs

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