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    Vor dreißig Jahren, am 12. September 1990 gaben die „Siegermächte“ in Moskau der Wiedervereinigung Deutschlands auch den internationalen Segen. Lothar de Maizière, der letzte Ministerpräsident der DDR, nutzte die Gunst der Stunde und hielt den historischen Moment der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrages auf außergewöhnliche Weise fest.

    Lothar de Maizière unterzeichnete den Zwei-plus-Vier-Vertrag für die DDR. Für die Bundesrepublik war Außenminister Hans-Dietrich Genscher Unterzeichner, Roland Dumas für Frankreich, Eduard Schewardnadse für die UdSSR, Douglas Hurd für Großbritannien und James Baker für die USA.

    Am 12. Septembers 1990 nutzte de Maizière die Gunst der Stunde und bat beim gemeinsamen Essen nach Unterzeichnung des Vertrages in Moskau die anwesenden Staatsrepräsentanten, sich auf der Rückseite des Menüs mit ihrer Unterschrift zu verewigen. Dieses originelle Zeitdokument hängt jetzt in de Maizières Anwaltskanzlei in Berlin-Charlottenburg.

    © Sputnik .
    Lothar de Maizières private Unterschriftensammlung vom Zwei-plus-Vier-Vertrag

    Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist ein Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik einerseits sowie Frankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika andererseits. Er machte den Weg für die Wiedervereinigung Deutschlands frei, wurde am 12. September 1990 in Moskau unterzeichnet und trat am 15. März 1991in Kraft.

    Unter dem Titel „Vertrag über die abschließende Regelung in bezug auf Deutschland“ verzichteten die vier Mächte, die Hauptalliierten im Zweiten Weltkrieg, auf ihr Vorbehaltsrecht in Bezug auf Deutschland. 

    Unterzeichnung des Zwei-Plus-Vier-Vertrags durch Außenminister von der DDR, BRD, Frankreich, den USA, Großbritannien und der Sowjetunion in Moskau am 12. September 1990
    © Sputnik / Yuri Abramotschkin
    Unterzeichnung des Zwei-Plus-Vier-Vertrags durch Außenminister von der DDR, BRD, Frankreich, den USA, Großbritannien und der Sowjetunion in Moskau am 12. September 1990

    Bis zuletzt war der Ausgang der Verhandlungen in Moskau fraglich gewesen. Nachdem der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl am 10. September telefonisch den besonders umstrittenen Abzug der sowjetischen Truppen aus dem Bundesgebiet auf den Zeitraum bis Ende 1994 festgelegt hatten, wuchsen vor allem die Bedenken auf französischer und britischer Seite.

    Die britische Regierung unter Margaret Thatcher unternahm noch einen letzten Versuch, die Einigung zu verzögern, indem sie forderte, nach einer Wiedervereinigung auch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR militärische Manöver abhalten zu dürfen. Von sowjetischer Seite wurde dies, wie von den Briten erwartet, entschieden abgelehnt. In einer nächtlichen Verhandlungsrunde vom 11. auf den 12. September, setzte der US-amerikanische Außenminister James Baker auf Betreiben seines deutschen Amtskollegen Hans-Dietrich Genscher bei den Briten insoweit einen Verzicht auf weitreichende NATO-Manöver im Osten Deutschlands durch, als man sich auf eine zusätzliche Protokollnotiz einigte, wonach diese nur unter Berücksichtigung der Sicherheitsinteressen der Sowjetunion abgehalten werden sollen. Somit war Thatchers Versuch vereitelt worden.

    Der Zwei-plus-Vier-Vertrag wird heute als „Meisterwerk der Diplomatie“ gewürdigt und ist 2011 von der UNESCO in das Programm „Memory of the World“ aufgenommen worden. Er zählt damit zum Weltdokumentenerbe. Das einzige Vertragsoriginal wird im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts verwahrt.

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    Tags:
    Wende, UdSSR, Sowjetunion, Eduard Schewardnadse, Michail Gorbatschow, DDR, Lothar de Maizière