12:37 29 November 2020
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    Dänemark wird den Bau deг Gaspipeline Nord Stream 2 nicht beeinflussen können. Diese Auffassung brachte der leitende Analytiker des Beratungsunternehmens Fonds für nationale Energiesicherheit Igor Juschkow bei einem Interview mit der Nachrichtenagentur NSN zum Ausdruck.

    Zuvor hatte die dänische Regierungschefin, Mette Frederiksen, vorgeschlagen, angesichts der Situation um den russischen Blogger Alexej Nawalny eine neue Debatte über den Bau der Gaspipeline zu beginnen. Sie sei von Anfang an gegen Nord Stream 2 gewesen, betonte Fredriksen.

    Die Position der dänischen Regierungschefin bezeichnete Juschkow als absurd. Insbesondere kritisierte der Experte das Argument der dänischen Seite, dass die Umsetzung des Projekts angeblich eine stärkere Abhängigkeit von russischem Gas zur Folge haben würde. Denn sollten keine neuen Verträge zur Lieferung von russischem Gas geschlossen werden, würden ohnehin die gleichen Gasmengen über die Pipeline gehen, nur der Lieferweg werde sich ändern, erläuterte er.

    Der Experte verwies darauf, dass Dänemark – wie jedes andere EU-Land – nicht einseitig Sanktionen verhängen dürfe, weil die Frage der Sanktionen auf der übernationalen Ebene liege. Seiner Ansicht nach ist Dänemark kein wichtiger Akteur bei der Umsetzung des russischen Gasprojekts.

    Außerdem habe Dänemark bereits eine Baugenehmigung erteilt und könne diese nicht einfach zurückziehen: „Es ist notwendig, diese Haltung nicht vom politischen, sondern vom technischen Standpunkt aus zu begründen“, so der Experte.

    Am 30. Oktober 2019 hatte Dänemark der Errichtung der Pipeline in seiner ausschließlichen Wirtschaftszone zugestimmt. Der Bau von Nord Stream 2 war im Dezember 2019 abrupt gestoppt worden, weil die Verlegeschiffe wegen Sanktionen der USA ihre Arbeit an der fast fertigen Leitung eingestellt hatten. Im Juli 2020 erweiterte die dänische Energiebehörde ihre Genehmigung, indem es auch den Einsatz von Rohrverlegungsschiffen mit Anker beim Bau der Erdgaspipeline zuließ.

    Streitfall Nord Stream 2

    Nord Stream 2 sieht den Bau einer Pipeline mit einer Leistungsfähigkeit von 55 Milliarden Kubikmetern pro Jahr vor, die von der russischen Küste über die Ostsee nach Deutschland verlaufen soll.

    Die USA, die Lieferungen von Flüssiggas in die EU fördern, sowie die Ukraine und einige andere europäische Länder treten gegen das Projekt auf.

    In den vergangenen Tagen ist die fast fertige Pipeline im Zusammenhang mit der angeblichen Vergiftung von Nawalny in den Mittelpunkt einer drängenden Diskussion gerückt. Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert nicht mehr aus, dass die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 von möglichen Sanktionen gegen Russland betroffen sein könnte.

    Fonds für nationale Energiesicherheit

    Der 2006 gegründete Fonds für nationale Energiesicherheit untersucht die Einwirkung politischer Faktoren auf die Entwicklung der Energiewirtschaft sowie den Einfluss der Öl- und Gasindustrie auf politische Prozesse in Russland.

    asch/ae

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    Vergiftung, Alexej Nawalny, Nord Stream 2, Nord Stream 2, Dänemark